Samstag, 31. Dezember 2016

Best Of 2016 – Ja auch 2016 hatte ein paar gute Blogbeiträge

Jede Webseite hat am Ende des Jahres zurückgeschaut. Und da wir nicht immer gegen den Strom schwimmen wollen, machen wir das auch.

 
Insgesamt war 2016 ein eher schlechtes Jahr. Zunächst muss man sagen, viele unser Helden der letzten 50 Jahre haben sich dieses Jahr ins Nirwana verabschiedet. Sie aufzulisten spare ich mir, da ja auch da jeder seine Vorlieben hat und woanders mehr oder weniger komplette Listen zu finden sind. Bleiben tut das es „To Much“  Tote waren.

Politisch waren wir natürlich auch unterwegs. Auch da hat uns, angefangen mit der Flüchtlingskrise bzw. den vielen Kriegen auf dem Planeten, 2016 eher die hässliche Fratze gezeigt. Dass damit die Gefahr von Nationalismus und hier in DE der echten wiedererstarkten Nazis gewachsen ist, sollte mindestens die vernünftigen Kräfte wachrütteln und 2017 die richtige Wahl treffen lassen. Bitte nicht so wie in den USA, wo ich früh mich Michael Moores Ansicht  anschloss und Donald Trump dann tatsächlich Präsident wurde. Hoffentlich schafft sich die Demokratie damit nicht selber ab, aktuell kann man nur abwarten. Auch wenn ich mir anderes wünschen würde.

Ach ja, damit komm ich zu meinen Highlights dieses Jahr. Max und meine Wenigkeit haben diesen Blog an den Start gebracht. Ein paar Monate später gesellte sich noch Brigitte zum Team, nun sind wir komplett. Mehr als 6000 Seitenaufrufe in gut 6 Monaten, verkünde ich mit einem gewissen Stolz.

Der Beitrag des Jahres war Brigitte´s Sarajevo, er macht Lust auf diese Stadt. Mit über 400 Aufrufen schoss Brigitte am 15.10. den Vogel ab. Bis heute glaube ich, diese Stadt, die auch einen verheerenden Bürgerkrieg mitgemacht hat vor ca. 20 Jahren, zeigt sehr schön auf, wie das geht mit Orient und Okzident, unbedingt eine Reise wert!

Max hat fast den kompletten Musik-Katalog von De/Vision bewertet. Das Review des Jahres war mit weitem Abstand das zu dem Album Void aus dem Jahr 2000. In meinen Ohren hören die sich nach den deutschen Depeche Mode an und sind weit unterschätzt. 2017 hoffe ich dann auch auf Reviews zu Depeche Mode.

Meinen persönlichen Beitrag des Jahres? Nun eigentlich lobe ich mich nicht gerne selber. Die Idee mit der wöchentlichen Spotify Liste und daraus fünf Alben kurz vorzustellen, ist doch wohl eine gute Idee. Das wird sich auch 2017 fortsetzen und uns ein paar neue und auch alte Alben näher bringen.

Hoffe, schon 2016 mit diesem Blog, ein paar Leute neugierig gemacht zu haben und aufgezeigt zu haben, es geht weiter! Immer! Nur nicht verbiegen lassen! Was soll den nun diese Aneinanderreihung von, ich hab dann mal „Blub“ gemacht? Nun Folks mir fällt nichts mehr ein 2016, nicht nur ich hat das Gefühl es ist alles gesagt. Aus meiner Sicht, kann 2017 weniger Gas geben. Weniger Krieg und mehr Frieden, auf die einfache Formel möchte ich es bringen.


Gruß Stephan und Team

P.S.: Weniger das „aber“ verwenden 2017, hab ich mir vorgenommen.

Samstag, 24. Dezember 2016

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!



Hallo Folks,

das werden nun Weihnachtsgrüße der üblichen Art und Weise. Nach einem besinnungslosem Jahr etwas zur Besinnung kommen und einen Gang zurück schalten?

Weit gefehlt, der Anschlag mit dem LKW in Berlin macht es deutlich. 2016 will uns nicht los lassen. Jetzt aber bitte auch alle in Panik verfallen und das „Oberhausener Centro“ lassen wir uns gleich auch noch sprengen, von ein paar Kosovo-Albanern natürlich! Als ob es nicht gereicht hat, dass so viele Künstler dieses Jahr, freiwillig und ohne darüber sich irgendwie zu echauffieren, den Löffel abgeben. Keine Sorge ich meinte nun nicht Pietro und Sarah. Und wenn sie nicht gestorben sind, „vuajtje” sie uns auch noch morgen mit ihren weniger wichtigen Geschichten, wer schlief mit wem! Alles entscheidend ist doch nun wirklich ficken oder gefickt werden, oder meint ihr nicht?

2016 war und ist ein Jahr gewesen was in die Geschichte eingehen wird. Viele werden 2116 rückblickend sagen 2016 war der Wendepunkt und dieser Anschlag in Berlin war unser 11.9. Ein ehemaliger Bürgermeister von Berlin muss nun aber auch zu Wort kommen:


Ach sorry, ich verwechsle da doch offensichtlich was, hat er nicht Italien gesagt und das war der 09.09.1948? Drei Jahre nach diesem verheerenden Krieg, der sich in der unendlichen Zeitschleife 2016 in Potenz gesteigert, in Aleppo wiederholt! Zurück zu Italien, dort geriet der verirrte junge Mann wohl in eine Kontrolle normaler Streifenpolizisten und zog seine Waffe wohl schneller. Ergebnis waren ein glatter Schulterdurchschuss und ein nicht mehr resozialisierbarer Terrorist, sprich ein weiterer Verirrter war tot und wir feiern diesen „Fahndungserfolg“.

Fuck off, dass der nun erledigt ist und wir bei den Nachrichten unmittelbar vor der Nachricht befinden, dass das Weihnachtsgeschäft doch nur so gut lief wie letztes Jahr, steht in keinem Zusammenhang. Hier noch der finale Film, was tatsächlich passiert ist:



Heute am 24.12.2016 wird es das hoffentlich gewesen sein und Prinzessin Leia wird uns auch nächstes Jahr bei der Verteidigung gegen Darth Vader und Co. unterstützen. Möge welche Macht auch immer mit uns sein. Gerade deswegen, eine Bitte hätte ich noch, bevor ich es selber tu für dieses Jahr: haltet einfach mal das Maul. Danke!

Gruß Stephan

P.S.: Falls sich nun wer auch immer erregt, das wäre doch alles sehr zynisch von mir, ja stimmt es war ein wirkliches Drecksjahr!

Dienstag, 20. Dezember 2016

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 11 (Abschluss 2016)

Für dieses Jahr war es das mit der "Spotify Hörliste der Woche" -  Auswertung. Allen Lesern sei der 2. oder 3.1.2017 ans Herz gelegt, dann bin ich wieder auf Sendung.



 
Grandaddy - Way We Wan´t (Single) (2016)




Da bist du mehr als 20 Jahre als Indie mit Lo-Fi unterwegs, wirst für „Under The Western Freeway“ (ge)pitchworkt, kannst den Song A.M. 180 in 28 Days Later“ unterbringen und trotzdem kennt dich keine Socke. Musik machen soll ja Spaß machen. Diese Musik, die für mich kleine aber feine Perlen sind, macht mir mehr als Spaß. 4/5 (Hörmehralsdiesingle Wertung)


Blue Öyster Cult - Blue Öyster Cult (1972)




Musik für alte Säcke von alten Säcken, die alle gern mal die nicht mehr so üppig vorhandene Mähne im Wind fliegen lassen. Warum fallen mir solche Sätze zu einer Band ein, die die Mitbegründer des gepflegten Heavy Metal sind? Weil ich heute morgen in den Spiegel schaute und mich mal wieder ärgerte, da meine Haare auch nicht fliegen wollen. 4/5 (Lasfliegenbaby Wertung)


Dead Kennedys - Plastic Surgery Disasters / In God We Trust, Inc. (2001)




Seit 2001 wird das Album „Plastic Surgery Disasters“ mit der vorher erschienenen EP „In God We Trust, Inc.“ zusammen vertrieben. Amerikanische spießige Eltern ließen sich 1981/82 durch den Politpunk der toten Kennedys noch erschrecken. Will auch wieder etwas, was uns aus dem aktuellem Delirium weckt. 4/5 ( Knalltsiealleab Wertung)


Pink Floyd - The Early Years, 1967-1972, Cre/ation (2016)




Eigentlich hat man alles gehört von Pink Floyd. 2014, mit der schönen Resteverwertung „The Endless River“ fiel die letzte Klappe. Ein Album für neu dazu stoßende Jünger des unbeschreiblichen Sounds dieser Überband. Werde bei meiner Beerdigungsfeier sicher was spielen lassen von Floyd. 5/5 (Ewigkeitsgarantie Wertung)


On Dead Waves - On Dead Waves (2016)




Debütalbum, mit einer Mischung aus Kate Bush und Tori Amos, manifestiert in der betörenden Stimme von Polly Scattergood. Unterstützung findet sie in Maps (James Chapman), der hier einen fast düsteren Klangteppich ausbreitet, der mich ebenfalls antörnt. 5/5 (Entdeckung der Woche Wertung)

Gruß Stephan

Sonntag, 18. Dezember 2016

De/Vision - Popgefahr (2010) Review



Das eigene Label. Alleiniger Herrscher über klangliche Ländereien und gleichzeitige Opposition. Losgelöst und frei in Entscheidung und Tat, doch stets mit kritischem Blick auf die Arbeitsvorgänge. Den nächsten, großen Schritt im persönlichen Evolutionsprozess vollzogen De/Vision nach dem Weggang von Drakkar pünktlich zum Dekadenwechsel mit dem als "Popgefahr" etikettierten Impulsgeber. Der Titel, als augenzwinkerndes Statement zur vorurteilsgeschwängerten Massenmeinung hinsichtlich des Popgenres ausgewählt, fungiert dabei parallel als selbstironischer Taufpate des elften Albums. Eine neue, doch vertraute Ära wurde damit eingeläutet und Schumann&Bach setzten die Segel routiniert auf Kurs gen nahe Zukunft. Raue Weltenbilder voll hemmungslosen Streamings, eingebettet in umtriebener Schnelllebigkeit.

Fast schon bezeichnend erscheint da der Name des ersten Stücks: "mAndroids". Zu drückenden Basswellen werden freudlose Einblicke in die zerrüttete Architektur besungener Prügelknaben gewährt, im elektronischen Gleichschritt unter dem wolkenzerfetzten, anthrazitfarbenen Himmelstorso. Das kühl-sterile Soundbild erfährt jedoch durch positiv eingefärbte Melodieführungen wieder und wieder menschliche Regungen, wie leise Atembewegungen in hochtechnisierten Mechatronikgrüften.

Die erste Single "Rage" verkommt dagegen zu einem synth-plosiven Fieberrausch aus betörender Schönheit, Beklemmung, Extase und unbändiger Grausamkeit zu pulsierend drapierten Klangfragmenten, die ein schattenschwarzes Gewölbe mit tausenden Kerzen erhellen, nur um das bröckelnde Mauerwerk durch den fatalistischen Sog des Rachegeistes, der in jedem von uns wohnt, einstürzen zu lassen. Unter Tonnen von Schuttlawinen, die wie surreale Skulpturen mahnend über die trüben Felder des Vergessenes wachen, liegt die einstige Leidenschaft begraben.

Doch bahnt sie sich ihren Weg frei, erreicht durch verschlungene Kanäle im Erdreich den Zugang zur Oberfläche. "What's Love All About". Verwunschene, in silbernes Mondlicht getauchte Gärten dienen als melancholische Szenerie für die zaghaft geflochtenen Hoffnungsstränge, die sich mit wabernden Syntheinsatz im Wurzelwerk verstecken, dort Kraft tanken und sich im sinnierend-opulenten Refrain zum funkelnden Nachthimmel hochschwingen, unter sich zurücklassend arabeske Schattenvisionen bohrenden Zweifels. Doch es die Zeit, um zu leben. Gleißende Lichtsäulen schießen zu fulminant pumpenden Beatwogen in die Höhe, eine frische, vitale Brise fegt über den ausgedörrten Landstrich und lässt Blätterformationen mit luftig-flirrenden Strömungen ausgelassen durch verwitterte Felsruinen wirbeln. Akustisch fühlbare Aufbruchsstimmung als Symbolcharakter beruflicher Entscheidungen? Vielleicht, doch zurück zum Album.

 Das hohe Tempo von "Time to Be Alive" wird in der Folgezeit jedoch jähe gestoppt: Schlagartig ist es bleierne Nacht, eine steinerne Zitadelle wirft ihren bedrohlichen Schatten über gräuliche Gebäudehüllen, führt die mystische Umgebung in eine traumversponnene Parallelwelt. Zu den Klängen einer schwelgerisch nocturnalen Melodie, gleitet Sänger Steffen Keths Stimme ruhig und vorsichtig über in sich verschobene Gefühlswallungen. Die Stimmung ist trotz sonoren Synthesizers unterkühlt und trist, ohne an Faszination und euphonischem Momentum einzubüßen.
Dem bedächtig inszinierten "Be a Light to Yourself" gelingt die Reise in eine virtuos inszinierte, hochelektronische Intimität, die Augen lösen sich von verblichenen Gemälden der Erinnerung und der Weg scheint frei auf neuen Pfaden im Lebenskosmos zu wandeln.

Doch zunächst müssen alte Dämonen ihrer eingestaubten Fratzen entledigt werden: Fahle Kupferstiche zwischenmenschlicher Krisenherde werden von den satt gewordenen Wänden gerissen. Im treibenden "Ready to Die" obsiegt der wiedergewonnene Stolz mit lasziv eingesträuten Gesangseinsätzen über den mentalen Käfig und endet den Song mit verspielter Electroschau.
"Flash of Life" hingegen reißt mit schwerelos-warmen Klangverzierungen schwere Vorhänge auf, füllt den Raum mit fließendem Lichterglanz und lässt den Song mit seiner hypnotischen Aura durch schneeweiße Spiegelhallen tänzeln.

Das folgende "Twisted Story" setzt zunächst auf exzessiv hämmernde Bassläufe, wird jedoch im weiteren Verlauf zahmer und kulminiert in seiner weich-ausstaffierten Hookline. Melodisch flattert das Stück in wolkengleichen Augenblicken an rauschenden Laubbäumen vorbei und setzt im Schlussspurt das Crescendo, ein weiteres Indiz für die allgemein höhere Tempoausrichtung.

Als sphärisch-besinnlicher Closer wartet "Until the End of Time" auf. Langsam, ganz vorsichtig lüftet sich der blaue Samt und eine einnehmende Atmosphäre wird im Schein lodernder Fackeln erzeugt. Das Soundkonzept entpuppt sich als hallizinugenes Elektronikgewebe, ein blitzendes Mosaikbildnis mit vielen, unterschwellig eingebauten Soundhäppchen und einem, als Hommage an die 1980er Jahre erinnernden Hinausbegleiten auf samplegestützen Synthteppichen.

Als Bonustrack soll "Free World" nicht unerwähnt bleiben. Erfolgt der Einstieg zu lupenreinen Retroklängen gekonnt, ist die weitere Strukturierung melodisch wie dröhnend zerfahren zugleich. Der Protagonist wähnt sich in der Hook auf einem nebelverhangenen Glasberg und blickt auf eine unruhige Gegenwart. Dies gekoppelt mit dem soghaften Klangspiel als Outro, veredelt "Popgefahr" noch nachträglich und wirkt wie ein vollwertiger Albumtrack.

"Popgefahr" lässt sich als sehr lebhaftes, wie vielseitiges Album zusammenfassen. Der Sprung in die Eigenständigkeit mit all ihren Wagnissen war risikobehaftet, doch ist letztlich als zusätzlicher kreativer Schub zu betrachten.

Doch wie ging die Reise weiter? "Rockets&Swords" sollte es zeigen.


8/10

Samstag, 17. Dezember 2016

Highend Weihnachten

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: was schenke (aufrüsten oder Neukauf) ich meinem PC, damit das Kind in mir an diesem vernünftig spielen kann. Da ich einen relativ guten PC zum Spielen habe, immer schon an den Stellschrauben mit einem gewissen Vergnügen gedreht habe, stelle ich nun hier meine Überlegungen auf Hardware bezogen vor, von Einstieg günstig aber gut bis Highend aber bezahlbar. Und natürlich ist PC Spielen schon lange aus der Schmuddelecke bzw. nur Kinder spielen am PC oder sonst was entwachsen. Wer egal in welchem Alter nicht mehr ab und zu spielt (sich sein Vergnügen sucht), der hat sie nicht alle stramm oder hat keine Phantasie. Ein PC spielt bei mir schon lange eine Rolle, um Spaß zu haben mit ihm.




Dass sich die zusammengebauten Geräte zu mehr (Multimedia , Office, Kommunikation etc.) eignen als PC Spiele, sollte klar sein. Auch werde ich auf aktuelle Hypes bzw. Trends (4k/VR Gaming) bezogen auf Spiele eingehen und sie ein wenig näher beleuchten, eventuell bezahlbare Lösungen vorstellen.

Nun erst mal zu den Systemen bzw. den einzelnen Bauteilen.


Das Herz, die CPU.


Unter vier Prozessorkerne geht gar nichts und es sollte aktuell ein Intel Prozessor sein. AMD wird mit der im Frühjahr 2017 erscheinenden neuen Prozessorgeneration (Ryzen) eventuell wieder Anschluss gewinnen, aktuell lohnen sie nicht, es sei denn man muss sehr auf das Geld achten. Wie überall kann man sich aber auch kaputt sparen. Bei einem kurzen Check mit einer APU (AMD Athlon 5350) von AMD war mir der Konfigurationsaufwand zu hoch, um ein flottes System (Office System mit wenig Energieverbrauch) erstellen zu können dieses Jahr, irgend was streikte immer von den Treibern her. Deshalb einfach über Ebay entsorgt.

Highend Kauftipp: Intel Core i5-6600K, 4x 3.50GHz, boxed ohne Kühler (ca. 250 Euro neu Kosten)

Einstieg Kauftipp: Intel Core i5-6400, 4x 2.70GHz, boxed (ca. 180 Euro)


Die Schaltzentrale, das Mainboard.


Da ich nur Intel CPU´s verbauen möchte, muss es auch ein Mainboard sein mit einem Intelchipsatz. Auch Intel wird nächstes Jahr eine neue CPU-Generation vorstellen und dann auch die Chipsätze anpassen, die neuen CPU´s laufen aber im größten Teil auch mit den aktuellen Chipsätzen (nach Bios Anpassung). Auch ist bei einem Shrink (Verkleinerungen/Effizienz) der Intelprozessoren keine große Leistungssteigerung zu erwarten. Rein zur Information, Skylake wird von Kaby Lake abgelöst im Desktopbereich. Die namhaften Mainboardhersteller heißen Asus, Gigabyte oder MSI. Also kauft man auch nur von denen das Brett. Auftragshersteller für alle drei Marken ist ASRock, ASRock eignet sich somit auch als Einstieg. Der Support aller drei Marken ist sehr gut, sprich Treiber und Bios wird lange gepflegt.

Highend Kauftipp: ASUS Z170 Pro Gaming (ca. 150 Euro), Gigabyte GA-Z170X-Gaming 3 (ca. 140 Euro), MSI Z170A Krait Gaming 3X (ca. 140 Euro)

Einstieg Kauftipp: ASRock B150A-X1 (ca. 85 Euro)
  

Die Straßenlaterne, die Grafikkarte.


Die meisten PC´s gewährleisten heute, durch kleine Grafikkerne die in der CPU verbaut sind und über das Mainboard ausgeben werden, eine Grafik, die für den reinen Betrieb als Multimedia und Officerechner ausreichen. Kleine Spiele wie z.b. Solitär lassen sich damit auch noch gut betreiben, das reicht mir persönlich nicht. Selbst die etwas stärkeren integrierten Grafikeinheiten der AMD Prozessoren, reichen nur für ältere Spiele bis ca. 2010 aus.

Ziel ist, dass man aktuelle Spiele (2016 - 2018) darstellen kann, die minimal mittlere Grafikdetails verwenden und in Full HD (1920*1080 Pixel) auflösen. Des weiteren sollten die Grafikkarte DX 12 als Schnittstelle (was mit Windows 10 unterstützt wird) beherrschen. AMD´s Vulkan oder Open GL spielen eine untergeordnete Rolle. Wenn die Grafikkarte es kann ist es gut, wenn nicht, nicht schlimm.

Ein paar Kriterien gibt es noch, die wichtig sind bezogen auf Zukunftsfähigkeit einer Grafikkarte, sie ist meist das teuerste Bauteil und sollte mind. 3, besser 4 Jahre halten. Speicher mind. GDDR 5 und nicht mehr unter 2 GB. PCIe Busbreite nicht unter 128 Bit, da sonst der schnelle Speicher seine Daten nicht bereit stellen kann. Preisliche Obergrenze von 300 Euro, und damit garantiert für Spiele des Jahres 2016 dass sie in Full HD auflösen, Kantenglättung bis 4 fach AA ohne Framerateneinbrüchen unter 30 Frames, wird sonst als Ruckeln wahrgenommen. Auf VR und 4k Auflösungen werde ich gesondert eingehen.

Highend Kauftipp 1: EVGA GeForce GTX 1060 6GB SC Gaming, 6GB GDDR5, DVI, HDMI, 3x DisplayPort (ca. 280 Euro)

Highend Kauftipp 2: HIS Radeon RX 480 IceQ X² Roaring Turbo, 8GB GDDR5, DVI, HDMI, 3x DisplayPort (ca. 270 Euro)

Einstieg Kauftipp 1: Zotac GeForce GTX 1060 3GB Mini, 3GB GDDR5, DVI, HDMI, 3x DisplayPort (ca. 200 Euro)

Einstieg Kauftipp 2: PowerColor Radeon RX 480 Red Dragon (Single Fan), 4GB GDDR5, DVI, HDMI, 3x DisplayPort (ca. 200 Euro)


Arbeit/Arbeit, Festplattenspeicher, Arbeitspeicher.


Müsste ich heute neu kaufen und hätte nicht ausreichend diese Bauteile in meinem jetzigen PC, empfehle ich eine Festplatte nicht unter 4 TB Speicherplatz und Dauerbetrieb geeignet. Ergänzend als Startplatte für Windows eine SSD mit 480 GB Speicherplatz.

Standard bezogen auf den Einstieg an Arbeitsspeicher sind DDR 4 Ram mit einer Größe von 8 GB, empfehlen tu ich aber 16 GB. Auch wenn die Preise dafür aktuell anziehen, zu viel an Arbeitsspeicher gibt es nicht.

Bei beiden Bauteilen ist der entscheidende Faktor das Preis-Leistungsverhältnis und dass sie die Nerven schonen und störungsfrei laufen.


 
Highend tatsächlich, fliegen durch Wohnzimmer 


Nun haben wir 2016 und die Unterhaltungsindustrie steht nie still. Höher, schöner, weiter waren schon immer Taktgeber in der Industrie und so setzt die Branche auch dieses Jahr neue Trends. Ob nun auf der Gamescom, der E3 oder sonstigen Messe, Jahr für Jahr versucht man uns für neue Produkte zu begeistern. Seit Jahren verfolge ich das und schließe aus, was für den User etwas bringt oder halt nicht. Dieses Jahr waren es vor allem zwei Themen.

Zum einem 4k Auflösungen, bezogen auf Fernsehgeräte heißt das ganze UHD (Ultra HD). 1920*1080 Pixel Auflösung in Spielen, bei mind. 30 Bildern (Frames), waren das Maß aller Dinge. Nun also 3840*2160 Pixel. Monitore die auch langfristig Spaß versprechen, kosten mind. das doppelte zu bisherig ausgereifter Technik. Dazu kommt noch eine Grafikkarte die über 600 Euro kostet, damit sie die Bilder in vernünftigen Frameraten zur Verfügung stellen kann. Am PC spielen ist schon teuer genug, in dem Fall einer höheren Auflösung sehe ich noch nicht, das die Preise dafür in vernünftige Regionen sich bewegen. Aktuell ist das Thema eines für Hardcore Spieler mit großem Geldbeutel, für den Otto Normal Spieler/User wird sich das Thema eventuell in 2-3 Jahren stellen, also abwarten und Tee trinken.

Beim zweiten großen Trendthema verhält es sich ähnlich, wobei da noch zwei Punkte dazu kommen, die es mich kritischer sehen lassen, anders gibt es aber auch eine günstige Alternative für den Einstieg. Das Thema heißt VR (Virtuelle Realität). Am PC angeschlossen wird ein Headset, was zwei kleine Monitore vor die Augen bringt. Mithilfe von Kamerasystemen, die im Raum aufgestellt werden, werden Bewegungen des Kopfes und Körpers erfasst und im Spiel um gesetzt. Eine gewisse Zeit (mehrere Stunden) zum Einrichten braucht man, auch ist der virtuelle Raum begrenzt (wenn man dort die Grenze erreicht, ertönt z.b. ein Warnton), weil der reale Raum das ganze begrenzt (gegen Wände laufen z.b.). Klar ist, in der virtuellen 3D Welt fehlen Ebenen bzw. sie sind nur eingeschränkt nutzbar. Das ist ähnlich wie auf einem Schiff, es wird einem schlecht unter diesen Brillen. Ansätze der Lösung gibt es, z.b. indem man die Brillen doch etwas von der realen Welt durch blicken lässt. Aus meiner Sicht, sollte man da die Entwicklung abwarten, man kauft kein Auto der ersten Generation, man wartet bis es Serienreife erzielt hat. Auch die Verkabelung und Gewichtsfragen müssen noch gelöst werden. Weil man so tief in ein 3D Spiel einsteigen kann, das ganze nennt sich Immersion, sehe ich aber gute Chancen dass das irgendwann jeder haben möchte.

Der zweite Punkt: fast 1000 Euro sind für eine neue Technik zwar relativ viel Geld, aber für eine gänzlich neue Technologie auch wiederum nicht so viel. Im Zusammenhang mit einer teuren Grafikkarte wird es aber zu teuer, wieder abwarten mein Tipp.

Microsoft z.b. arbeitet aktuell an einer Brille, die auch Anwendungen nutzbar machen soll. Den Ansatz der erweiterten Realität (Augmented Reality) finde ich persönlich viel spannender. Ein bisschen spinnen in Richtung „Holodeck“ meets „I Robot“ hat was.

Wer das ganze ausprobieren möchte aktuell, sollte sich besser eine „Playstation 4 Pro“ kaufen und dazu die „Playstation VR“ Brille mit dem Kameraset von Sony, das kostet zusammen um die 1000 Euro und erfordert keinen PC zusätzlich. Meine Wenigkeit überlegt, ob er als Zweitsystem das sich leistet, aber überlegt auch was Spielen am Computer/Konsole tatsächlich braucht. Höher, schneller, weiter ist nicht der letzte Schluss an Weisheit, den ich jedenfalls da raus ziehe.

Gruß Stephan

Dienstag, 13. Dezember 2016

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 10



 
Dead Meadow - Old Growth (2008)




Ein Typ der aussieht wie Jesus, nachdem er ans Kreuz genagelt wurde - und dabei dudelt er auf einer schweren E- Gitarre Riffbretter zusammen und mit nöliger Stimme rockt er sich die letzten Gedanken aus dem geschundenen Leib. Kurz: Stonerrock aus Washington D.C. und der Typ heißt Jason Simon. Nichts was zwischen durch nicht mal einfach schwer nach vorne geht. 3/5 (Skip Wertung)


Gene Clark - No Other (1974) 




Gene Clark war Gründungsmitglied von „The Byrds“, dem amerikanischem Gegenentwurf zu den „Beatles“. Mit dem Album, tief im klassischem Country verwurzelt, was ich ab und an ganz gut hören kann. Übrigens eine tolle Stimme. Country, der nicht nur amerikanische Volksmusik ist. 4/5 (Skip Wertung)


Mother Love Bone - On Earth As It Is: The Complete Works (2016)




Hätte Andrew Wood den goldenen Schuss (1990) überlebt und wäre mit diesem Gesamtwerk ein bisschen ins Licht getreten, wären eventuell Pearl Jam niemals die Seattlesound Götter oder Nirvana nie zu den Grunge Göttern geworden, die sie geworden sind. Müßig darüber zu spekulieren, nur manchmal stirbt Elvis dann doch. 5/5 (Läuft rauf und runter den Rücken, um so mehr man sich mit beschäftigt Wertung)


Bauhaus - The Sky´s Gone Out (1982)




Diese Band hätte man sich mit David Bowie eine Weile zusammen gewünscht. Arschcool, Sexy, Finster! Gothikgötter ließen ihre Gräber ruhen und schufen erhellende Klangwelten. Nicht zuletzt durch das Cover vom Bowie Song „Ziggy Stardust“ war für mich das dritte Album das Beste. 5/5 (Skip geht nicht Wertung)


Stoppok - Operation 17 (2016)




Deutsche Musik aus dem Ruhrpott mit Herz, Sinn und sogar politischem Verstand. Dazu noch sehr erdig und blueslastig unterwegs. Stoppok macht schon sehr lang Mucke, quasi ein Dino der deutschen Pop/Rockmusik. Also unbedingt mal anhören. 4/5 (Skip Wertung)

Gruß Stephan

Freitag, 9. Dezember 2016

Abschied vom demokratischen Anstand? – noch ein Nachruf
Vor wenigen Stunden wurde der Tod der alten Dame bekanntgegeben, der mich mehr trifft als das Sterben anderer, nicht weniger  prominenter Menschen in diesem Jahr.  Und fast zwangsläufig drängt sich bei dem Namen Hildegard Hamm-Brücher die Erinnerung auf an jenen Herbst und Winter der „geistig-moralischen Wende“ – denn eine solche Wende war es tatsächlich, wenn auch kaum zum Positiven, wie Helmut Kohl es meinte.
Die öffentlichen Vorgänge sind bekannt oder doch nachzulesen und zu sehen, Dokumente und Dokumentationen gibt es reichlich. Ob meine privaten Erinnerungen da von Interesse sind? Möglich, daß manch eine/r meiner Generation das damals ähnlich empfunden hat – ich war 1982 grade mal 15 und nicht wirklich interessiert und schon gar nicht reif genug, die Vorgänge zu erfassen und einzuordnen. Was geblieben ist, ist die Stimmung der Eltern, „kleine Leute“, SPD-Wähler – natürlich, möchte man fast sagen. Was geblieben ist und in den folgenden Jahren unter Kohl gefestigt wurde, ist das Gefühl: dieser Machtwechsel war der Beginn des Abschieds von demokratischem Anstand.
Vom Odium des verletzten demokratischen Anstands sprach Hildegard Hamm-Brücher in ihrer Rede zum Mißtrauenvotum im Oktober 1982. Ein Machtwechsel, ohne den Wähler zu befragen. „Dieser Regierungswechsel, den Sie anstreben, berührt die Glaubwürdigkeit unserer demokratischen Institutionen.“ formulierte es Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Gesprochen wurde familienintern in den darauf folgenden Wochen und Monaten vom Wendehals Genscher, von Vertrauensbruch, von Verrat am demokratischen Gedanken um der Macht willen. Und die FDP war von da an – und ist es bis heute geblieben – keine wählbare Alternative mehr. Die CDU war das sowieso nie.
Es folgten 16 Jahre Kohl, wohl unnötig, hier Affären und Skandale aufzuzählen, dieses Gefühl der Lähmung zu beschreiben, das nicht nur meine Familie und ich in diesen Jahren empfanden – die Freude über die Wiedervereinigung war denn auch nur von kurzer Dauer, zu schnell wurde die DDR „aufgekauft“, blühende Landschaften versprochen, auf die mancher bis heute wartet. Und auch die mit Hoffnungen und Erwartungen begrüßte rotgrüne Koalition konnte einmal verlorenes Vertrauen nicht wieder herstellen.


Gestern ging eine Dame. Eine der ersten Frauen, die die Politik der Bundesrepublik mitgestalteten und prägten - eine der Menschen, die mir vermittelten, daß Politik eine Sache von Moral und Anstand, von Humanität und Integrität sein sollte. Eine der letzten, die vertrauenswürdig und glaubwürdig war. Ich wünschte mir anstelle der Nachrufe: Hört einfach zu, denkt drüber nach und begreift.

Auch die, die ihr gewählt werden wollt. Es geht heute mehr denn je um unsere Demokratie. Und darum, anständig zu sein.




Dienstag, 6. Dezember 2016

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 9




 
Moby - Trump Is on Your Side (30 Days, 30 Songs) (Single 2016)




Wichtiger Künstler, mischt mit und mischt fleißig ab. Musik ist immer auch politisches Statement, zumal weiß der Song auch zu gefallen, darüber hinaus. Mehr Singer / Songwriter stehen Moby gut.
Aktuelles Album „These Systems Are Failing“ unbedingt rein ziehen. 4/5 (Skipwertung u. Songwertung)


Soundgarden - Badmotorfinger (Super Deluxe Edition) (2016)






Chris Cornell, eine der besten Rockstimmen, nach dem Comeback von Soundgarden (King Animal) 2012, hier mit dem Vorgänger von Superunknown (1994) mächtig aufgeblasen. Da ist noch viel Schwermetall allererster Güte zu hören. Das Album ist gut gealtert (verdammt, 25 Jahre ist das schon wieder her), hört sich durch die Beigabe von „Studio Outtakes“ und erstem kompletten Liveauftritt wie gestern an. 5/5 (Ähgehtsnochnixskip Wertung)


Peter Hammill - Nadir´s Big Chance (1975)


 


Kannte den gar nicht. Die nächste Woche weiter mit beschäftigen, sicher ist! Nach dem Wikipedia-Artikel wollte ich den Briten aber kennen lernen. Politischer Musiker mit literarischen Stellenwert und sogar philosophisch unterwegs. Mehr gibt es heute nicht dazu. 4/5 (Skip Wertung)


Status Quo - Aquostic II – That´s A Fakt (2016)




Vor AC/DC haben Status Quo bewiesen, das drei Akkorde reichen, um Erfolg in der Popmusik zu haben. Hiermit beweisen sie das zweite mal, dass sie tatsächlich Musik spielen können. Gut, besonders viel Anspruch oder irgend welche Erwartungen darf man nicht haben, gute-Laune-Britrock'n' Roll für den Weg zur Arbeit oder so. 4/5 (Skip Wertung)


Elder – Dead Roots Stirring (2011)




Wenn Jesus ein Neandertaler gewesen wäre und eine E-Gitarre geschenkt bekommen hätte, hätte er solche Riffwalls gebaut. Boom voll auf die zwölf! Papa Stephan tobt und stampft sich die Seele aus dem Leib und hat nichts diabolisches dabei an sich, außer einem seltsamen, breiten, zufriedenen Lächeln, als nach 51 min. der Finger auf Repeat landet. 5/5 (Skip Wertung)

Gruß Stephan

Sonntag, 4. Dezember 2016

De/Vision - Noob (2007) Review


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Noob.

Was bedeutet das eigentlich?

Lernunwilliger Anfänger spricht der Volksmund, doch steckt hinter offenkundigem Frischfleisch nicht mehr? Wenn sich etwa zwei Vollprofis mit ihrem langjährigen Produzententeam
(Schumann & Bach) zusammenschließen und diese vier Protagonisten vollkommen gleichberechtigt in allen Albumprozessen, wie auch beim Songwriting mitwirken? Nach knapp 20 Jahren Bandgeschichte wirkt jenes Szenario wie eine erfrischende Erkundungstour durch unerforschtes Terrain, in dessen Wurzelwerk unentdeckte Schatztümer bis zum Deckel gefüllt mit Inspirationen schlummern. Diese Konstellation ermöglicht durch die einerseits divergente Impulsgebung, doch ebenso synchrone Nennerfindung ein überaus spannendes wie interessantes Endprodukt.

Wie klingt nun das Ergebnis?

Die Spurensuche beginnt in einer abgedunkelten Kuppel, von deren Deckengewölbe vereinzelte Wassertropfen in die schwarzen Schleier hinabfallen und die Stille wie gezielte Nadelstiche zersetzen. Mit dem scharfen Ertönen der punktuiert-bassgestützen Gitarre und Steffen Keths energisch-schwelgerischen Vocalparts erhellen gleißende Lichtströme den Hort des Nachtmahrs. "What You Deserve", eine lupenreine, mit viel Drive angereicherte Electrohymne auf schwärmerische Liebeswallungen und unbändiges Verlangen gepaart mit einer sehr prägnanten Hookline, bildet den Einstieg der Neulinge, die so gar keine sind.

"Obsolete" folgt dieser Klangroute mit viel Schwung und melodischem Gespür, wenn auch der textliche Einschlag deutlich düsterer eingefärbt erscheint. Die zuvor beschworene Gefühlswelt aus rosafarbenen Samtwolken wird von einem schwarzen Nebelstrudel erfasst, kollabiert und aus den leblosen Hüllen entsteigen bizarre, gesichtslose Wesen, deren rastloser Antrieb die Hoffnungslosigkeit eines jeden Einzelnen darstellt, der am Ende vor der glimmenden Ruine einer aufgebrauchen Beziehung steht. Ein paar hundert Meter weiter löst sich diese kalte Umarmung aber und unter dem tiefbläulich-glitzernden Nachtgestirn gleitet "Nine Lives" auf melancholisch schlängelnden Flussläufen, die in ihrer puristischen Reinheit die Schwelle zwischen Traum und Wirklichkeit greifbar erscheinen lassen. Das Sounddesign atmet den nächtlich-kühlen Wind, unterstützt durch treibend ausgeführte Bassläufe und verträumten Chorus entsteht hier eine kleines Juwel zum Zurücklehnen.

Weitaus mehr Dynamik versprüht das darauf folgende "Life Is Suffering". Die Tanzfläche wird mit treibenden Uptempo-Beats und gedämpften Störgeräuschen befeuert, kurze Ruhepausen werden durch umso ungezügelter wirbelnde Teilfragmente des Soundbilds überdeckt und halten das Tempo weiter auf höheren Ebenen. Mit "Death Of Me" wartet dann schon recht früh einer der schillernden Höhepunkte des Albums. Feurig pumpende Bässe, lasziv eingesetzter Gesang, eine sich, in die willigen Gehörgänge einbrennende Hook: Sie alle leben von einem mächtig-klagenden Leitmotiv, das seine inneren Schattenkreaturen mit kochenden Nägeln in die Fassaden des Zweifels hämmern möchte, stolz und doch so wehklagend. Positivere Schwingungen erlebt man dann mit der ersten Single "Flavour Of The Week", einem pulsierenden Clubkracher, der seine elektrofizierten Monsterwellen über jeden Dancefloor hüben wie drüben schwappen lässt, gegen Ende hin wandelt sich der Track nach kurzem Ruhepol zu einem taifunartigen Bombastwerk, das alles mitreißt was sich ihm in den Weg stellt.

"Deep Blue" drosselt behände die Geschwindigkeit und entführt den Hörer mit beruhigenden Tonflächen in eine enigmatische Szenerie, die längst vergangen scheint. Sanft wiegende Palmenformationen in saftigen Grüntönen umsäumen eine mondäne Tempelanlage, deren polarweiß gestrichenen Wände im hellen Sonnenglanz funkeln. Im Inneren des Bauwerks finden sich imposante Räume mit polychromen Fensterstrukturen, die im flutenden Tageslicht ein zauberhaftes Ambiente erschaffen. An malerischen Springbrunnen vorbei geht es über einen spiralenartige Treppenverlauf hin zu einem pittoresken Aussichtspunkt, auf dem ein ehrwürdiges Luftschiff steht, das an eine mythische Galeere erinnert. Zu sinnierenden Gitarrenklängen schließt das Stück und schwingt sich hin zur orangeglühenden Abendsonne.

Zwar wurde der nachfolgende Track schon im Vorjahr produziert, doch gibt es auf der Albumversion, des auch Live sehr beliebten Songs einiges zu entdecken. Hypnotisch-drückende Synths umkreisen den lieblichen Gesang auf dem Pfad der Hoffnung. Das Bild eines alleinstehenden Hauses inmitten von rauer Natürlichkeit manifestiert sich vor dem geistigen Auge. Alle Fenster sind abgedichtet, zugenagelt, die Türen fest verschlossen. In den schwarzen Zimmern sammeln sich die Staubflocken zerfallener Wunschträume. Namenlose Stille herrscht über diesem Ort, der einst viel Wärme beherbergte. Doch durch die brüchigen Verschläge bahnen sich zaghafte Strahlen und tauchen die Tristesse in wärmende Hoffnungsschimmer.  
" Love Will Find A Way".

Die kraftvolle Ballade "See What I See" schließt sich dem an und erzeugt eine schattige Atmosphäre mit schweren Klaviereinsätzen und weichen Streichern, die in der Folge anfänglich zu beobachtende Momente unterschwelliger Trauer aus den Untiefen fischen und in einem nachdenklichen Finale münden. Das ungleich antreibendere "Living Fast Dying Young" packt mit arrythmisch designten und unheilvoll ausstaffierten Drumsets das Geschehen während der Strophen in stockdunkle Kellerhallen, nur um im lebendigen Refrain unbändig auf der Dachterrasse zu tänzeln.

Schau nicht zurück. Lass die Geister der Vergangenheit ruhen, schließ das Tor zur Krypta zu und wirf den Schlüssel weg. Das Beste kommt doch noch, die Wege der Erinnerung mögen noch so voll illusorischer Verführung gewesen sein, die Zukunft aber weist dir den Weg. So ähnlich könnte man die Botschaft von "The Far Side of the Moon" sehen, einem intensiv-markanten Song mit entspannter Klangfarbe. Dieses Gefühl legt sich auch über "What It Feels Like", dessen soundtechnische Ausprägung zwar zunächst einen deutlich rabiateren Kurs einschlägt, sich aber bei der beschaulich-seelenvoller Auslegung der Songhook einen eigenen Mikrokosmos kreiert, in dem die wärmenden Bässe versöhnlich zur Geltung kommen.

Save the Best for Last. "The Enemy Inside" ist das atmosphärisch dichteste Stück, obwohl es einen durchaus poppig inszinierten Charakter entwirft. Sich den eigenen Dämonen zu stellen, ist die schwerste Prüfung des Lebens. Raus aus der Traumwelt, vorbei an eigenen Komplexen, im ewigen Ringkampf mit der Egomanie. Zu milden, schummrig schwingenden Synthesizern gerät die Abrechnung mit sich selbst zum Ende hin mit sphärisch-traumwandlerischer Soundmomenten zu einem starken Abschluss. "Welcome to real Life"

Noob mag nicht ganz so viele ohrwurmbehaftete Augenblicke wie sein Vorgänger besitzen, bietet jedoch eine konsequent vielseitige Auswahl an melidiös-ausproduzierten Tracks, die einen hohen Replay-Faktor und gleichzeitiges Abtauchen in ätherische Momentaufnahmen ermöglichen.

Experiment gelungen.

Die Zukunft lautete auf den Namen: Popgefahr.

8/10

Freitag, 2. Dezember 2016

Herbert Grönemeyer – Live in Bochum (Kurzkritik) - Werkschau „Alles“ (Kurzkritik)

Über Herbert gibt es fast nichts was noch nicht geschrieben worden ist. Mit dem sechzigsten Geburtstag feiert er sich selbst mit zwei Veröffentlichungen. Einmal eine Art Werkschau, die den kompletten Katalog umfassen soll, den unser aller Herbert bisher veröffentlicht hat, betitelt mit „Alles“. Die Produktbeschreibung bei Amazon lautet:

„60 Jahre, 23 CDs, eine Karriere. Spätestens seit seinem mit bis heute 3,7 Millionen verkauften Einheiten alle Rekorde brechenden Album Mensch ist Herbert Grönemeyer der Nordstern der deutschsprachigen Popmusik. 

Zu seinem 60. Geburtstag veröffentlicht Grönland/Universal jetzt mit Alles Herbert Grönemeyers erste, seine gesamte Karriere umfassende Werkschau — alle Studioalben, ausgewählte Live-Alben, die zwei Film-Soundtracks zu The American und A Most Wanted Man, eine CD mit raren Tracks, eine Remix-CD sowie sein englischsprachiges Album I Walk auf 23 CDs.

Die luxuriös ausgestattete Box wurde von Walter Schönauer, dem legendären Art Direktor der Zeitschrift Tempo, Vanity Fair und Rolling Stone sowie zahlreicher Grönland-Veröffentlichungen gestaltet. Sein Design der POP 2000 Box (Grönland) wurde unter anderem mit dem New Yorker Clio Award ausgezeichnet. Das der Box beiliegende 68 Seiten Buch enthält Texte und Essays von Joachim Hentschel, Frédéric Schwilden, Rainer Schmidt, Michael Lentz, Wolfgang Höbel und Pat Blashill sowie rare Fotografien von u.a. Anton Corbijn, Ellen von Unwerth, Jürgen Teller, Jim Rakete sowie dem kürzlich verstorbenen Daniel Josefsohn.

Nicht nur hat Herbert Grönemeyer alle Autoren und Fotos selbst vorgeschlagen — die gesamte Box, wie auch das Remastering historischer Studioalben wurde von Herbert Grönemeyer persönlich von Anfang bis Ende intensiv begleitet und überwacht. Das macht Alles zu einer autobiografischen Veröffentlichung mit begehrenswertem Objektcharakter.“

Ich als aufmerksamer Herbert-Hörer und Begleiter seiner kompletten Laufbahn wittere etwas Abzocke. Denke: ist es angesichts eines Alters von gerade mal 60 Jahren nicht etwas früh, um jetzt schon in Rente zu gehen? Andere Künstler kommen darauf (Biografie) mit deutlich über 70. Herbert fühlt sich doch nicht etwa alt? Angesichts dessen, wie alt Männer heute werden im Schnitt, über 80 Jahre, will ich mir das gar nicht vorstellen.

Auch unser Herbert hat ja ein Management, das mag vergessen haben, dass Herbert vor dem als „Zwo“ bezeichnetem Album schon ein Album veröffentlicht hat. Nun, das halte ich für einen Fauxpas. Da gebe ich mindestens 120 Euro aus und erwarte dann gerade wegen dem Titel „Alles“ tatsächlich alles. Für 23 Alben 120 Euro sind nun wirklich nicht teuer, auch das Begleitmaterial ist umfangreich, aber es ist Etikettenschwindel, wenn es dann nicht alles ist. Richtig erklären kann ich mir das nicht, nötig hat Herbert so was sicher nicht.


Dann eine Live Aufnahme aus dem Jahr 2015, bis auf zwei Stücke (Roter Mond, Ich dreh mich um dich) alle im Bochumer RevierPower Stadion aufgezeichnet. So weit so gut, aber auch hier trotz des Umfangs von zwei CD´s bekommt man nicht alles, sondern knapp zwei Drittel und somit nichts halbes und und nichts ganzes. Die Setliste umfasst 37 Songs.

Selbst habe ich Grönemeyer auf der Mensch Tour (2003) gesehen und er überraschte schon damals mit über 3,5 Stunden Bühnenpräsenz. Warum man das heute nicht auf CD presst, verstehe ich nicht. Das ist nämlich neben seiner Fähigkeit als Texter, sein zweites sicheres Standbein als Künstler, Herbert ist ein sehr guter Entertainer. So wirkt das ganze sehr lieblos zusammen geschustert. Sehr schade! Bewertung spare ich mir.

Gruß Stephan 
 
P.S.: Dass seine Promotion noch rund läuft, sieht man sich am besten hier an. Komisch, dass da seine erste Scheibe Erwähnung findet, das Abgrenzen nehm ich ihm nicht ab. Herbert redet Unsinn!

Montag, 28. November 2016

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 8



Brendon Perry - Ark (2010)


 


Brendon, Singer/Songwriter aus England, bekannter durch die Band „Dead Can Dance“. Seine ehemalige Bandpartnerin Lisa Gerrard ist sehr bekannt geworden u.a. durch die Filmmusik von Gladiator. Brendon war zuletzt mit Peter Murphy in Südamerika auf Tour. Hier hauptsächlich an elektronischen Gerät unterwegs (obwohl er viele Instrumente spielt), gefällt mir sehr gut, klasse Stimme der Mann. 5/5 (Skipwertung)


Lou Reed - The Raven (Expanded Edition/2003)




Eigentlich das letzte Werk vom großen Lou Reed und dann auch noch ein Doppel-Album über Edgar Allan Poe. Gastmusiker unter anderem auch David Bowie. Noch einmal läuft Lou zu allergrößter Kreativität auf und hinterlässt nicht nur Poe ein Denkmal. Über Lou und seine Musik gibt es soviel zu schreiben, hört es euch einfach an. Sein Berlin Album ist für mich ein Alltime Favorit. 5/5 (Never Do It Skipen Wertung)


The Answer - Solas (2016)




So mag Papa das! Retro – Schwermetal, Hammer Riffs und gute Stimme. Was willst du mehr als die nicht mehr so reichlich vorhandenen Haare fliegen zu lassen? Wer sich das entgehen lässt, hat 2016 nicht auf gepasst oder ist einfach eine Spaßbremse! 4/5 (Skip Wertung)


Neil Young - My Pledge (Single 2016)


 


Vorbote für das neue Album (Peace Trail/9.12.) des nimmermüden Neil Young. Und ja, es ist halt Neil drin, wo Neil drauf steht. Lebende Legende, ohne wenn und aber. In Zeiten von Tr(u)ampeltieren ist es wichtig, das man ein schönes Amerika noch hören kann. 5/5 (Single)

Lambchop - Flotus (2016)

 



Noch mal Amiland, schön und überhaupt sehr entschleunigt. Kurt Wagner heißt der Typ und macht irgendwas mit Country u. Folk, ehemaliger Parkettleger und nun Bandleader von einer bis zu 18 Musiker umfassenden Band. Album der Woche, weil entschleunigen tut auch mir gut. 4/5 (Nicht zu skipen Wertung)

Gruß Stephan

Sonntag, 27. November 2016

De featuring Vision - Subkutan (2006) Review

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Elektrifizierte Wollust im Einklang mit den innersten Empfindungen. Das Cover von Album Nummer Neun erlaubt den Einblick in ein düster-romantisches Milieu voller eindringlicher Momentaufnahmen. Die schon beim Vorgänger entworfenen Kanäle nahtloser Elektronikströmungen wurden in gleicher Konstellation konsequent weitergeführt, doch wie fühlt es sich an, wenn Töne unter die Haut gehen?

Augen zu...Injektion..."Subtronic".

Im Nu befindet man sich in einer hochtechnisierten Echokammer, Keths gepresste Vocals bilden das Bindeglied zum spiralenförmigen Soundbild, das die verspielten Synths in einem hypnotisch-gedämpften Orkan durch die Anlage wirbelt. Das treibende "The End" dagegen eröffnet mit schwerem Pianomotiv, dessen anklagende Struktur Parallelen zum Text zieht. Vergangene, noch nicht verheilte zwischenmenschliche Missstände schwingen in der gegenwärtigen Aufbruchsstimmung in jeder Kernfaser als wiederkehrende Mahnmale mit und bilden so den Gegenpol zu den vitalen Uptempo-Beats.

Auch "Star-Crossed Lovers" startet mit langsamer Klavierbegleitung, schwermütig und gediegen. Der Hörer betritt eine kryptische Vision, in der er einen langen dunkelfarbenen Korridor durchstreift, hinter dessen Mauern hauchende Stimmen raunen. Von diesen Wänden schälen sich mit zunehmender Spieldauer die unförmigen Schatten und verwandeln das Zwielicht in eine progressiv-wuchtige Maschinerie, die sich erst am Ende des Stücks zurück in die Düsterwelt zurückzieht. Das folgende "Addict" erschafft zu markant ausgefeilten Synthesizern eine erotisch aufgeladene, durchaus einnehmende Atmosphäre voller Hingabe und Verlangen.

Die stark melodische Hookline von "Obey Your Heart" inmitten kreisender Electrowellen stellt eine gelungene Steigerung dar. Präsentiert sich der Track doch überwiegend durch rauchig-prägnanten Stimmeinsatz und auf den Punkt genaue Bigbeats mit hohem Tanzfaktor.

Grundverschieden dagegen die in sich ruhende Ballade "No Tomorrow". Sinnierend bewegt sich der Song auf weichen Elegieplateaus, der Himmelskörper wirkt wie ein schwarzer Kristall, dessen sanfte Schwingungen das Blattwerk der Baumkronen leise im Wind rauschen lässt. Kein Stück zum Nebenherhören. Ein weiteres Kleinod findet sich in "Still Unknown", dessen mehrschichtige Hook und Gesangslinien die luftig inszinierte Klanggestaltung sehr ansprechend auskleiden. Nach 10 Jahren Abstinenz befindet sich mit "In Dir" auch wieder ein deutschsprachiges Werk auf dem Album. Samtene Dunkelheit schwebt über pulsierenden Bassflächen, die Stimmung ist eindringlich wie geheimnisvoll und gibt sich zum Ende hin mit melancholischen Tonfolgen einprägend melidiös.
"Die Antwort liegt in dir"

Subkutan

Geboren in "Right On Time" ("6 Feet Underground") walzt "E-Shock" mit fiebrig wummernden Beathämmern als erwachsen gewordener Maelstrom über das Danceareal. Steffen Keths sich wiederholende Parts bilden nur Geleitschutz zum vocodergetränkten Gewitterregen, der auf varrierende Hochglanz-bpm-Terrains niederprasselt.

Der atmosphärische Höhepunkt entspringt jedoch dem Anfang von "My Worst Enemy". Wie hier die Soundfragmente in der ersten Minute ein Bild nebelverhangener Straßenschluchten zusammensetzen, in denen schemenartige Umrisse der Umgebung erst nach und nach offen gelegt werden, alles im nächtlich-stillen Farbspiel ist sehr gelungen. Der eigentliche Song erzählt von inneren Konflikten, dem Streben nach höheren Zielen und ist mit wolkig-sphärischen Elementen angenehm instrumentalisert.

"Not Made Of Gold" ist ein weiterer Geheimtipp, der mit druckvollen Bässen und schwungvoller Dynamik dennoch stets ein relaxtes Grundgefühl vermittelt. Die schwerelos ausgeführte Inszenierung, gerade im ausgedehnt verträumten Schlussdrittel ist beschwingt und gönnt sich mit akustischen Spielereien wie Knarzen, Blitzen, Samples und ausgiebigen Rattern der Synthies viel erfrischenden Freiraum.

Zum Abschluss wird es dann noch einmal schwelgerisch entspannend."Summer Sun" badet in einem Pool aus Licht, die Frische des Sommers und gleichzeitige Schwüle der Hitzewallungen ist in der dichten Soundästhetik durch viele kleine Effekte greifbar und beschließt das Album mit einem wohligen Gefühl der inneren Zufriedenheit.


Mit "Subkutan" wurde nicht nur das Soundkonzept des guten Vorgängers weiter ausgebaut und modelliert, es finden sich auch hinter jeder Ecke kleine Überraschungen, eine ausgesprochen euphonische Klangdynamik und so mancher bleibende Moment, der sich tief unter die Haut brennt.

Und solche Leute nennen ihr nächsten Album "Noob"?


9/10