Donnerstag, 25. August 2016

Peter Fox (Stadtaffe) könnte ihr Papa sein

Grace Risch - Mücke EP (Review)



In Zeiten von Spotify und Co. findet man manchmal Kleinode so wie hier die vorliegende EP von Grace Ritsch. Wenn dann noch auf dem Cover eine junge schöne Frau zu sehen ist, hinter einer Fechtmaske und die EP mit Mücke betitelt ist, wer hört da nicht genauer hin? Inzwischen läuft bei mir die EP in Dauerschleife.

 

Der Titelsong Mücke, kommt im R & B Gewand daher, allerdings mit deutschen Lyrics. Der Beat wird eingeleitet durch einen Keyboardsound als wenn eine Mücke auf dem Instrument in die Tasten haut. Wirklich orginel und gar nicht unangenehm. Natürlich geht es wie so oft um das Lebensglück, nur wird hier die Mücke als Metapher verwendet um zu beschreiben wie es gemeint ist mit dem von, über, nach hier ins Licht. Grace hat dazu noch eine volle Stimme, die mal gar nicht nach Mücke klingt. Bescheidenheit als Tugend in deutsche Musik gegossen, wunderbar.

 

Grace Risch ihre Wurzeln liegen in Berlin, wo auch der in der Überschrift erwähnte Peter Fox sein Zuhause hat. In dessen Backround hat wohl auch Grace ein paar erste Schritte ins Popbusiness gemacht, auf dem Album Stadtaffe. Natürlich ist Peter nicht ihr Vater, der war wohl Nigerianer und hat Grace mit 2 Jahren verlassen. Das verarbeitet sie im emotionalen Höhepunkt der EP, Papa Kiste. Wie schon im ersten Song, mit einer wohl angeborenen natürlichen Bescheidenheit vorgetragen, dass der wirklich nicht leichte Text niemals aufgesetzt oder als Mittel zum Zweck rüber kommt, sondern emotional berührt. Großes Kino!

Der vierte Song trägt dann auch den Titel Leinwand und schließt eine Brücke zu dem Titelsong Mücke. Mit dem Rapper Chefket zusammen, der seinen Part rappt, entsteht eine wunderbare Symbiose aus R & B und Hiphop. Insgesamt hat die EP leider nur sechs Songs und für einen Newcomer mit Hintergrund hat Grace bei allen Songs klasse deutsche Texte unterlegt. Wie schon gesagt Bescheidenheit vorgetragen mit einer Menge Potential, was man sowohl in der gewählten Musik hört, wie auch in der Stimme.

 

Macht euch unbedingt ein eigenes Bild, für mich hat diese Entdeckung schon jetzt mein Herz ganz weit geöffnet, mit ihrer Stimme. Wer sich nun nicht alle Fragen als Antworten im Kopf zurecht gelegt hat, der sollte hier mal rein hören und sehen.

 

Gruß Stephan

Montag, 22. August 2016

Falsch verstandener Fame

Autorenglück und die politische Großwetterlage


Natürlich habe ich was zu sagen als Autor und das gleiche gilt auch für den Max. Das ist in meinem Fall aber ein reines Mitteilungsbedürfnis was gestillt werden will. Ob ich mit dem was ich mitteile immer richtig liege? Ehrlich gesagt, ich hoffe es aber wissen tu ich das nicht. Dass das was ich so schreibe ankommt (2300 Leser in 1,5 Monaten), ist ein Zeichen dafür das ich offensichtlich nicht so selten daneben liege, aber mir ist es ähnlich wie bei einem Tagebuch, nicht so wichtig. Wenn keiner hier lesen würde, wäre es mir fast egal, -hauptsache ich kann mich an irgend welchen wilden Formulierungen erfreuen, die mir in den Sinn gekommen sind. Der Vorteil den ich durch den Blog genieße ist, es kann sich aufregen wer will über meine Formulierungen oder meine Eigenarten der Satzstellung, ich habe sämtliche Fäden in der Hand. Es ist äußerst befriedigend, seiner Freiheit mit dem Wort wieder einen Ort gegeben zu haben. Es hat mehr Würde.

Und mal ehrlich Freunde der Nacht, ewig gestrige Pokemons, übliche Verdächtige glaubt ihr ernsthaft bei den zig tausend Blogs, Facebookseiten, irgend einer außer ihr selbst und die zwei übrig gebliebenen echten Freunde interessiert das ernsthaft, was ihr egal wo im WeOhWe hinterlasst? Nein glaubt ihr nicht und ich schließe mich einfach an, bin aber glücklicher so.


Der einzige Faktor den ich als einer der Mitautoren beeinflussen kann, ist der Content auf diesem Blog. Wo rüber ich schreibe ist mir eigentlich frei gestellt. Es muss im Gegensatz zu einem Tagebuch nur immer relativ aktuell sein. Nicht tagesaktuell, aber alle drei - vier Tage sollte hier was Neues stehen. Unser Themenfeld umfasst von Musik, Inet u Games, Serien u. Film auch gesellschaftspolitische Themen, möglichst in enger Verzahnung zu den drei Hauptthemen.


Certaine, Hubert Kah 1, CC BY 3.0

Nun begab es sich das ein gewisser Hubert Kah ein neues Album bald heraus bringt. Halt da war doch was im Hinterstübchen. Ja richtig Herr Hubert Kah hatte anfangs, im Zuge der neuen deutschen Welle, ein- zwei größere Charterfolge Anfang der 80iger Jahre. Das neue Album wurde nun angekündigt mit der Auskopplung "Terrorist der Liebe". Das gleichzeitig veröffentlichte Video, zeigt zwei älter gewordene Helden, einer davon ist Joachim Witt (auch so ein NDW Fossil), die den Terroristen der  Liebe besingen, der scheinbar noch in ihnen steckt. Alle Klischees des Späthippitums werden bedient. Den stinkenden Mercedes Wohncontainer hätten sie aber echt weg lassen können. Um hip zu sein, tun bestimmte Menschen eben wirklich alles. Hubert z.b. hatte so ein Container Format im deutschen Fernsehen gerade verlassen, wohl nicht mit der Erkenntnis, der Zug fährt auch ohne ihn. Erkenntnisgewinn steht heute so und so in den aller wenigsten Agenden.

 

Und so landete das Album bei einem der anerkannten Musikkritiker des Landes auf dem Reviewtisch. Auf Facebook ließ dieser schon mal vermelden dass es wohl nicht so schlecht ist wie das Video es noch vorgibt. Ulf Kubanke ich wünsche dir dabei schon mal viel Glück und ein lockeres Schreibhändchen. Wie es sich für einen Fanboy von Ulf gehört, halte ich mich erst mal zurück was das Album betrifft bzw. spare es nur auf, bis ich dann meine Kanonen auspacke und auf Musik- Elefanten anfange zu schießen. Richtig treffen tu ich so und so nicht, allenfalls piksen bei den Dumdumplatzpatronen aus dem Chinaböllersortiment.


Bevor ich es vergesse, Max spornte mich an für diesen Artikel. Er meinte, wenn ich etwas Fame haben möchte hänge dich an Ulf, subtil so wie immer. Auch den Witt sollte ich mehr erwähnen, weil der doch neben dem goldenen Reiter auch noch die Flut auf uns ausgeschüttet hat und damit doch mehr Fame erntete, als der Kah mit dem Sternenhimmel. Schön und gut, beide Künstler oder besser gesagt Lebenskünstler hatte ich beim besten Willen nicht mehr auf dem Schirm. Leute, schaut mich an, schaut euch den Anfang dieses Artikels an und dann schaut euch das Video zu den Liebesterroristen an. Nun stell ich mich da einfach rein, ich glaube ich würde nicht ein Stück auffallen. Das schüttere Haar, der etwas zu dicke Bauch, die immer dünner werdenden Beine und eine Angel kann ich auch halten. Spaß hatte ich jedenfalls.


Ich fühle mich etwas genötigt aber nicht unangenehm von Max, das musste ich nun sagen. Er ist halt jung und schön und will richtig Fame. Wie es enden kann führen die beiden, Kah und Witt, ihm ja auch zu offensichtlich vor. Dabei denke ich in Wirklichkeit, das Max seine Zeit noch vor sich hat und es doch wunderbar ist was aktuell er schon leistet, nicht nur hier. Peace und ein frohes Schaffen!!!


Gruß Stephan


P.S.: Viel lieber hätte ich nicht eine Diskussion über vergangenen oder zukünftigen Ruhm, sondern was ist mit der deutschen Musik los und ihr gesellschafts- politischem Stellenwert die sie um Zeiten der NDW noch hatte. Rio Reiser ist nun auch zwanzig Jahre am schweigen und nur sein Bruder beglückt uns mit einem frischen Buch.

Freitag, 19. August 2016

De/Vision - Monosex (1998) Review

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Zurück ins Jahr 1998.

Ein Jahrzehnt nach Bandgründung und sich in der Folgezeit auch international einen Namen machend, konnten De/Vision erstmals auf einem Major Label veröffentlichen. Über WEA-Records erschien das vierte Werk "Monosex" und brachte sogleich interessante Änderungen im Soundbereich mit sich.
Der vormals puren Synthpopfassade wurde mittels rockigen Gitarreneinsätzen, Samples und Techno/Trance-Elementen ein frischer Anstrich verpasst, wodurch sich die Stücke vielseitiger gestalten ließen.
Manch langjähriger Hörer empfand diese akustischen Add-Ons zunächst als ungewohnt sperrig, trotz vertrauter traurig-schöner Melodieführungen im elektronischen Licht- und Schattenspiel.

Eine Minute Vorbereitungszeit lässt sich der Synthesizer, baut sich dröhnend auf, die Elektronik zuckt und grummelt, bis durch satten Drumeinsatz begleitet Sänger Steffen Keths markantes Organ einsetzt und den analogen Klangraum im Auftaktsong "God Is Blind" mit typisch eingängiger Hookline ansprechend dekoriert. Das ist wohlig düster, doch absolut tanzbar in wallenden Nebelschwaden.

Über diesen gleitet Keth im folgenden "We Fly...Tonight" hin zu nächtlicher Großstadtkulisse im technoiden Gewand. Das treibende Soundbild findet im melancholischen "We Might Be One For A Day" zunächst einen ersten Ruhepol. Melodische Schwermut trifft hier auf Rockpassagen gen Ende des Stücks, die sich in ihrer Intensität aus der Starre emotionaler Schönheit lösen.

Die zweite Single "Strange Affection" wiederum zaubert eine imaginäre Leinwand hervor und zeichnet darauf ein fragiles Gefühlskarussell aus pulsierenden Synthie-Einfärbungen. "Deliver Me" dagegen kombiniert einen einprägsam sanften Refrain mit stimmungsvollen Elektrowogen, währenddessen das atmosphärische "Shoreline" die Grenzen technisch erzeugter Finsternis auslotet, in denen der allgegenwärtige Synthesizer unaufhaltsam virbriert. Eines der stärksten Instrumentals der Band.

Ganz anders hingegen die quirrlige Eurodance-Nummer "Hear Me Calling", die auch im starken Kontrast zum relaxten "Back In My Life" steht. In dieser artifiziell generierten Hängematte schweift der Blick des geistigen Auges über sonnenbeschienene Weiten während warme Luftströme die Grashalme zart umspielen.

Derartige Stimmungen bereitet "Slaves To Passion" nicht. Der mit Technoelementen gespickte Track setzt auf Dynamik und auf den Punkt gebrachte Akzente für die schattige Tanzfläche.

Die Ballade "Drifters" hüllt das Stimmungszelt mit schweren Klavierakkorden und klagenden Streichern in arabesken Schattenglanz, auch das schnellere "Heart Of Stone" mit veschwörerischer Hookline hinterläßt ein paradoxes Gefühl von Beklemmung und Wagnis . "New Drug" als clubtauglicher Closer sorgt aber für versöhnlichere Momente und der sich zum Ende wiederholende Chorus lässt das Album fließend ausklingen. Ein Album, dessen Stärken in der Verspieltheit und Vielfalt liegen, trotz manch seichterer Augenblicke. Die Bereicherungen im Soundbild wurden nach anfänglicher Skepsis positiv aufgenommen, sodass das Album ihr zunächst erfolgreichstes wurde. Der Nachfolger "Void" jedoch sollte jene Elemente nachhaltig prägen.

7/10



Mittwoch, 17. August 2016

Biffy Clyro - Spotify Session

Mir ist schon klar das die Spotify Session´s eine reine Marketingkampagne sind so wohl für den Musikstreamingdienst Spotify wie auch für die jeweilige Band bzw. Künstler. Doch schon einige Male kamen da echte Kleinode an die Musikhörerseele bei rum. So auch bei der aktuellen Session von Biffy Clyro.



Biffy Clyro haben gerade frisch ihr neues Album "Ellipsis" raus gebracht, was nicht gerade unumstritten weg kam bei der Kritik und beim Publikum. Ich persönlich empfand das letzte Album allerdings als sehr gelungen und auf dem Weg von Biffy Clyro den richtigen Step, wenn auch keine Revolution. Mit der Session wird noch mal nach hinten geschaut.


Das Biffy Clyro eine ganz hervorragende Livetruppe sind, beweist die Session auch. In der Zentrale bei Spotify Berlin aufgezeichnet, umschmeicheln die Stimme von Simon Neil in fünf Songs die fast besser sind als die Neuerscheinung Ellipsis, mein Gehör. Accustikgitarre und ein dezentes Schlagzeug vermitteln Club Atmosphäre vom aller feinsten. Hört selber rein, aktuell gibt es das wie immer für lau und wurde bei mir nicht einmal durch Werbung unterbrochen. Ein Glückskind halt.

Gruß Stephan

Gib mir mein Dallas wieder

Trashserien oder wenn der Hauptdarsteller nach einem halben Jahr unter der Dusche steht


Jeder kennt sie, jeder redet darüber, keiner möchte sie gesehen haben und doch schaut sie auch jeder. Ich rede von der Seifenoper, der Serie ohne jeden Anspruch, die aber extrem gut unterhält. Alle Serien heute, die diesen Anspruch schon in der Beschreibung anführen, haben die erst genannten Serien als Vorbild und möchten eigentlich nur unterhalten. Popkornkino für den heute gar nicht so kleinen Flimmerkasten, wo der eigentliche Anspruch darin besteht seinem Hirn ein wenig Ruhe zu gönnen. Kopf aus, Serie übernehmen sie bitte.

Das waren vor mehr als 20 Jahren Dallas oder Denver Clan, die klassische Seifenoper und jeder kann sich halt an den einen Ewing erinnern, den das Schicksal irgendwie aus dem Drehbuch geschrieben hatte, wo die Serienmacher nach einer relativ langen Zeit auf die Idee kamen - "alles nur ein Traum" - wir schreiben ihn wieder hinein.

 

Der bekannteste Versuch, einen Serientod wieder rückgängig zu machen, war der von Bobby Ewing (Patrick Duffy) in der Serie Dallas. Die Ereignisse der gesamten neunten Staffel wurden damit erklärt, dass sie lediglich von seiner Frau Pamela Ewing (Victoria Principal) geträumt wurden. (Zitat Wikipedia)

Spätestens ab so einem Moment kann man die Serie doch nicht mehr Ernst nehmen. Und ja das ist der Denkfehler, man sollte solcher Art Serie grundsätzlich nicht ernst nehmen. Man sollte aber seinen Spaß an derartigen Unsinn haben. Gerade Dallas war ein Meisterstück in Sachen anspruchsloser Unterhaltung. Möchte aber nun noch zwei andere Serien vorstellen, die auf der einen Seite ganz anders waren als eben Dallas, trotzdem den gleichen Anspruch hatten.

Da wäre zum einen, als eine der beliebtesten, Mac Gyver. In meinem Kopf war Mac Gyver immer irgend eine wilde Burgerkreation (Werkzeugburger?) eines bekannten Billigburger - Herstellers. Hat man aber den Vorspann gesehen, kristallisierte sich in der deutschen Sprachfassung der so genannte "MacGyverismen" heraus.

Im Vorspann sieht man ein Schweizer Taschenmesser, das als Multitool bekannt ist hier in Europa. Mac Gyver ist auch so ein Multitool und schaffte quasi aus einem Nichts immer wieder kleine Wunder. Wenn man sich das so recht überlegte, konnte das alles nicht richtig funktionieren, in der Serie klappte das immer. Würde es mehr Menschen geben, wie halt die "Comicfigur" Mac Gyver, diese Welt wäre eine bessere und nicht nur durch den Spaß den man beim schauen hat.

Die nächste Serie die in dem Vorspann schon viel vor weg nahm, ist Baywatch. Nur waren bei Baywatch nicht die Hauptattraktion irgendwelche Tools zur Rettung angesagt, es war reiner Sex. Hatte man die Badenixen Pamella Anderson,Yasmine Bleeth u.Erika Eleniak gesehen im Vorspann, brauchte man die Folge schon nicht mehr schauen und den nächsten Playboy konnte man sich auch sparen. "Locking for Freedom" Star David Hasselhoff, gab einem dann den Rest. Dazwischen lauter sexy gekleidetete Menschen, ähm Schauspieler, die heute keiner mehr kennt, aber eben sehr sexy in knappste Kleidung gehüllt, die weniger verbarg als wenn sie gleich nackt zum Dreh gekommen wären.

 

Nun nach etlichen Jahren hab ich endlich wieder so eine Serie gefunden, die ähnlich wenig Anspruch hat wie eben Dallas, Mac Gyver oder Baywatch. min. aber genauso gut unterhält. In der Kritik steht sie ebenfalls nicht besonders hoch im Kurs, das sind halt Kritiker, die ihr Hirn nicht mal abschalten können. Die Serie heist Tyrant. Hier erst mal ein Trailer, der schon recht gut aufzeigt, was für ein Unsinn das ist. Unsinn, der bestens unterhält aber bitte sonst nicht mehr Erwartungen haben.

 

Staffel 1 u. 2 laufen aktuell auf Amazon Prime, was man für einen Probemonat umsonst schauen und während der Zeit auch kündigen kann. Die letzten acht Folgen der Staffel 2 hab ich vergangenes Wochenende an einem Stück geschaut und den Sonntag über hervorragend geschlafen. Kann ich nur jedem empfehlen, ist wie Urlaub vom Reallife.

Ansonsten halte ich von den"neuen" Film u. Seriensendern wie Netflix u. Sky Online, Amazon für das fairste Angebot. Größter Inhalt zu nur 49,90 im Jahr. Wenn ihr mal wieder gut unterhalten werden wollt, holt es euch.


Gruß Stephan

 





 

Sonntag, 14. August 2016

Ali As - Euphoria (2016) Review

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"Ali As - Highlight des Spät-Programms
Ich bin der, der nach der Show regiert, wie Hero-Junks"

Ali As - Euphoria

Die Karriere des Münchener Rappers Ali As hätte, sich sowieso im Spätherbst befindend, unspektakulär und gediegen ausklingen können, ohne dass allzuviele Menschen davon Notiz nähmen. Jahrelang lief der mittlerweile 36-jährige unter dem Radar der breiten Hörerschaft und konnte lediglich durch amüsante Feature-Parts von sich Reden machen. Doch dann änderte sich etwas, das dafür sorgte, dass er Teil des kollektiven Hörergedächtnisses wurde, Teil derjenigen die lange Promophasen und vielgeklickte Youtube-Videos vorweisen können.

Sein Anfang 2015 veröffentliches "Amnesia" samt EP überzeugte allerortens durch erfrischend vielseitige Produktionen des aufstrebenden Produzentenduos David x Eli, ein reichhaltiges Themenspektrum und viel Wortwitz. Mit annährend gleicher Aufstellung schmuggelt er nun "Euphoria" ins Land der Bürokratie. Versetzt das neueste Werk den geneigten Hörer abermals in euphorische Zustände oder gibt es am Ende des Tages lange Gesichter wie auf einem Reiterhof?

Zunächst sei gesagt, dass das Album denkbar ungünstig, weil grandios anfängt. Ali baut sich seine eigenen "Denkmäler" aus "Scherben und so" und zeichnet ein musikalisch atmosphärisch untermaltes Bild von der Ungerechtigkeit der verrohten Welt, nur um im zweiten Teil mit der Geschichte seiner Eltern samt treibenden Beatwechsel ungeahnt persönlich zu werden, ohne seine Wortspiele zu vergessen. Flowtechnisch gibt sich das erfahrene Urgestein keine Blöße und unterhält bestens.

"Ich zeige diesen Crews mit flotten Sprüchen, wo es langgeht, wie ein Bootskapitän"

Nach diesem stimmungsvollen Anfang kann der nächste Track nur verlieren, oder?
"Silber oder Gold" kann man wie das spätere "Dope in der Denim" in die Tradition der reinen Punchline-Tracks stellen. Von der Struktur und auch soundmäßig her "Geigenkästen" von Amnesia ähnelnd, werden einem hier mal mehr, mal weniger gute Vergleiche serviert, dazu gibts ansprechende Beats, denen jedoch der letzte Biss fehlt.
Ausflüge in den Chart-Pop-Bereich ("Lass sie tanzen feat. Namika") werden ebenso unternommen wie sidoeske Kinderchöre eingebaut ("Jetzt komm wir"). Während ersterer dank eingängig orientalischem Beat und catchy Hook den anfangs befürchteten Schmalz wegwischen kann, suhlt sich anderer in einer unangehnemen "Peter Heppner trifft Paul Würdig"-Stimmung, deren Text sich zwar recht ansprechend mit der Frage nach dem eigenem Dasein befasst, musikalisch mau präsentiert jedoch keine eigenen Akzente setzen kann.

Auch der "Monstertruck" tuckert recht behäbig durch Münchens Vororte. Vom Sound her hat man sich hier klar an Haftbefehls "Ich rolle mit meim Besten" orientiert, ohne die druckvolle Präsenz des Originals ansatzweise zu erreichen, dazu verkommt die lachhaft abgedroschene Hook schon zu einem echten Ärgernis.

Den Tiefpunkt erreicht Ali jedoch schon relativ früh mit "Was fürn Leben". Die reggaelastige Darbietung kann zu keiner Sekunde mitreißen, nervt spätestens ab Malos müder Reißbrett-Hook so sehr, dass dies wie ein guter Kapitän gewertet werden kann - ein astreiner Skipper.

Das nachfolgende, sehr poetisch betitelte, "Farid Bang" macht anschließend jedoch einigen zuvor verbrannten Boden wieder gut. Der Im Vorfeld stark kritisierte Track überzeugt mit funky inzenierter Produktion und einer ohrwurmartigen Hook. In den selbstsicheren Zeilen, die sich keinesfalls um den launigen Nasenbanger drehen, gibt es von Ali gewohnt routinierte Representerkost auf den Gabentisch geklatscht.

"Was Hater? Ich seh’ in erster Linie nur Bauern als wären sie Schachgegner"

Der Besungene selbst gibt dann freilich auch noch einige Lines zum Besten. Sein extrem kurzer und dümmlicher Vortrag fällt aber unter die Kategorie "Für die Tonne".

Die zweite Hälfte des Albums präsentiert sich dagegen weniger durchwachsen (wie ne Madame-Tussauds-Puppe). Ali packt wieder die Emotionen aus und drückt dem Hörer den Schlüssel zum "Ferienhaus" in die Hand. Der ruhige, fast besinnliche Track handelt von einer verblichenen Liebschaft, der Erzähler erinnert sich an gemeinsame Zeiten, verpasste Chancen. Vor seinem geistigen Auge manifestiert sich der zwischenmenschliche Zerfall in Form eines verlassenen Ferienhauses, der Hort gemeinsamer Träume, die nun nur noch staubige Erinnerungen sind.
An der Umsetzung dieser an sich schönen Idee hapert es jedoch etwas. Da man sich den lustigen Ali als trauernden Liebhaber nur schwer vorstellen kann, fällt es nicht wirlich leicht eine Bindung zu Gehörten aufzubauen und man lauscht den Gedankengängen seltsam unbeeindruckt.

Der Track "Inge" aus dem Vorgängeralbum, welcher sehr melodisch präsentiert den Niedergang eines "Stars" aufzeigte, konnte eine intensivere Stimmung erzeugen.

Nun seis drum, denn es folgt nun etwas, worauf viele gewartet hatten:
Das "Punchline-Bilderbergertreffen". Im Titeltrack laufen Ali As und Gast Kollegah zur Hochform auf und spielen sich die Bälle blendend aufgelegt zu. Beattechnisch gelingt eine wunderbar luftig, leichte, beinahe wolkige Produktion mit sehr gutem Basseinsatz.

"Von Hooters Café direkt zum Flughafen-Gate
Unser Stoff lässt dich fliegen, so wie mit Superman-Cape
Peru-Qualität, wenn ich mich von nun an in Nähe von Losern beweg’
Dann nur in Genf beim Rudern am See
Ich chill’ im Perlmutt-Royce, weil das Business sehr gut läuft
Seit ich Einheiten absetze wie ein Militärflugzeug"

Kollegah selbst lässt sich auch nicht lange bitten.

"Ich kauf’ mir Dodge-Sportcoupés
Und scheiß’ drauf, ob die Kosten sich im Rahmen bewegen wie Hogwarts-Portraits
On top of the game, Kings in allen Breitengraden
Ali As, Kollegah - Todeskombi wie ein Leichenwagen"

Nach dieser überzeugenden Vorstellung geht es auch beim nächsten Song auf hohem Niveau weiter. Der "Comeback Bombtrack" macht seinem Namen alle Ehre. Soundmäßig geht es ordentlich nach Vorne wie ein Brautpaar zum Traualtar und Ali präsentiert sich raptechnisch auf der Höhe...
...nur um in anschließenden "Stempel im Pass" wieder etwas den Faden zu verlieren. Beatmäßig ist's solide, klingt jedoch bekannt, ferner gibts eine MoTrip-Hook, die ausgelutschter ist als ein Pornodrehende. Nicht ansatzweise erreicht dieses Stück die atmosphärische Dichte des letztjährigen "Richtung Lichtung" und ist schnell vergessen.

Das stimmige "1-Mio Psychos", in dem sehr plastisch die hektische Gesellschaft porträtiert wird und der finale, pulsierende Closer "Erpresserbrief" bilden jedoch einen sehr guten Schlusspunkt dieses doch etwas schwankenden Albums.

Ali As macht auch diese Runde Spaß und unterhält mit kluger Wortakrobatik und Vielfalt. Einige Filler sind jedoch vorhanden und man bekommt durchgehend den Eindruck nicht los, dass hier weitaus mehr Potential vorhanden war und er sich in einige unpassenden Ideen verrannt hat. Der Vorgänger war deutlich runder, hier regieren in störender Abwechslung Licht und Schatten. Für das schon angekündigte Nachfolgewerk mit abermals gleichem Produzententeam sollte er sich aber auf seine vorhandenen Stärken konzentrieren, die er in den guten Momenten dieses Albums konsequent souverän ausspielt.

3/5

Samstag, 13. August 2016

Perlen(tief)taucher

Old Coldplay meets young Leonard Cohen


Gerade befand ich mich noch mit dem Max im intensiven Austausch über eine verlorene Freundschaft, im Hintergrund lief der Wochenmix von Spotify und ich sagte zum Max den belanglosen Satz: "In der Popmusik kommt schon immer die beste Musik aus GB, egal welches Genre man schaut. Das wird auch immer so bleiben." Da drang der Titel Dresden von The Slow Show an meine Ohren und wollte partu da nicht mehr raus. Kann man nichts machen, die ersten Töne werfen dicke Anker und schicken dich zum tief (ein-)tauchen.




Eine Stimme wie der junge Leonard Cohen empfängt dich bei Dresden. Wenn Briten von/über Dresden einen Song machen, dann nutzen sie das oft als Metapher für den Untergang den sie über diese Stadt gebracht haben. So auch hier in dem Song. Das mit meiner traurigen Stimmung, in der ich mich zu dem Zeitpunkt befand, macht das ganze rund. Etwas recherchieren, du kannst doch nicht ohne etwas zu wissen ein Review schreiben?


In meinem Selbstverständnis ist das meine größte Stärke, der erste Gedanke ist mein bester oft. Warum da lange überlegen? Sich hin geben, niederschreiben wie das hier gerade und alles ist gut. Was will ich schon mehr? Trotzdem googlte ich los. Also suchen nach The Slow Show. Rechts fällt einem sofort ins Auge, fünf Alben hat die Band schon raus und ich kenne sie nicht. Ok das kann auch daran liegen das nicht mal Laut.de die auf dem Schirm haben. Bei der Unmenge an Veröffentlichungen die bei Laut auf dem Schreibtisch landen wunder ich mich schon lange nicht mehr.

 

Nach drei Titeln konnte ich das gerade geschriebene aber nicht mehr gelten lassen. Keine Entschuldigung, das ist ein kleines Meisterwerk und die bei Laut sollen mal ruhig ihren friedlichen Schlaf weiter genießen. Nun ich mach mal weiter. Die Stimme von Rob Goodwin erinnert fatal an Leonard Cohen, den jungen Leonard Cohen. Das ist ja mal ein Maßstab und ja diese einmalige Stimme fordert einen auch sofort zu scheitern auf. Leonard ist ein Gott mit seinem Sprechgesang und der Tiefe die seine Stimme als Markenzeichen kennzeichnet. Aber Rob scheitert nicht, nein er gibt dieser Art zu singen noch mehr Präzession und erreicht da durch seine Eigenständigkeit.


Nach ein bisschen suchen fanden sich auch etliche Songs im Netz bei Youtube. Die füge ich nun noch mit ein und hoffe jemand verbreitet die frohe Kunde weiter. Es gibt da draußen was zu entdecken, bei aller Tragik, die nicht nur in den Liedern von The Slow Show sich zeigt, es bleibt im Leben immer die Hoffnung. Hier die Hoffnung einer großartige Band etwas Fame voraus zu sagen. Obwohl ich mir sicher bin, diese Qualität setzt sich auch ohne mein Zutun durch. Schaut aber nun selber.


Kleine Geschichte noch zum Schluss. Wie komm ich auf Coldplay? Ich habe Coldplay bis zum Album "A Rush Of Blood To The Head" geliebt, ein bisschen auch noch "X & Y". Die Titel Fix You, Speed Of Sound, Clocks, The Scientist, Politik verströmen die gleiche Magie wie sie nun bei The Slow Show auf taucht. Ach ja ein paar Daten.


The Slow Show - White Water
Tourdaten (DE) 2016

LUHMUHLEN (DE)  -  A Summer's Tale Festival -  13 August 2016
ULM (DE)   -   Obstwiesenfestival   -   19 August 2016
DORTMUND (DE)   -   Way Back When Festival   -  29 September 2016 
COLOGNE (DE)  -  Kulturkirche   -  16 November 2016 
HAMBURG (DE)  -  Knust   -  17 November 2016 
BERLIN (DE)  -  Gretchen   -  18 November 2016 

Gruß Stephan

Mittwoch, 10. August 2016

Kaisaschnitt - Digitaler Teufelskreis (2016) Review

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(Antichrist III, insofern nichts Anderes verkündet wird)

Wie bei den vorherigen Teilen seiner superben Untergrund-Trilogie verzichtet Kaisa auch hier auf Promoaktivitäten und haut es zuerst limitiert, nun auch über Amazon und Co. verfügbar unters verschworene Volk. Während der zweite Teil phasenweise trotz hohem textlichen Gewaltgrad sehr in Richtung politische Statements abdriftete und am Ende hin mit Gesangseinlagen im Liedermacherstil manchen Hörer unschlüssig dastehen ließ, wird hier wieder ein ausgewogeneres Menü aufgetischt.
Wie von Kaisa gewohnt suchen die Produktionen teilweise wieder ihresgleichen und setzen sich spielend vom Sound der gegenwärtigen Mainstreamlabels ab.

Anders als das Hirntot-Label, das vor einigen Jahren seinen bis dato markanten Sound etwas verloren hatte und seitdem - trotz aktuell starker HT100 - qualitativ schwankende Veröffentlichungen abliefert, ist auch dieses Album von Kaisa zeitlos im Sounddesign.

Man könnte erneut annehmen, die Zeit sei im positiven Sinn stehengeblieben. Er schafft es, wie kein anderer der Szene, seine Musik auch 2016 noch genauso atmosphärisch und direkt klingen zu lassen wie 10 Jahre zuvor. Das eigentlich Beeindruckende an ihm: Er bleibt seinem Stil bis zuletzt treu.
Vorliegendes Album ist musikalisch vielseitig, mit teils sehr druckvollen Bässen befeuert, melodisch wie knallhart und intensiv zugleich.

Mal wirft er seinen eigenen kritischen Blick auf das aktuelle Weltgeschehen ("Nebel"), mal wird Sozialkritik geübt ("Der Rückkehrer"). Die stimmungsvolle Inszenierung dieser Tracks ist auch bei "Eisregen", das vom düsteren Beat her wie direkt aus 2006 zu stammen scheint, sehr ausgeprägt. Die von Sängerin Didi beigesteuerte Hook ist in bester Kaisa-Songstruktur ausgefallen, eingängig und schwermütig mit glitzernd-unterkühlten Elementen versehen.

"Ganz alleine stehen wir da, Optionen werden immer weniger
Niemals ankommen, immer nur im Kreis drehen, Schleudertrauma - Eisregen"

Natürlich behandelt er auch wieder einige seiner favorisierten Thematiken, wie die des unselig triebgesteuerten Außenseiters ("Bondage Boy"), der rohen Wirklichkeit ("Cyber Samurai") oder das Aufgreifen und gleichzeitige Umwandeln in Gewaltfantasien von bekannten Inhalten, hier TV-Serien ("Tool Time").

Das kurze wie knackige "Wettlauf" zeigt soundmäßig sämtlichen Camps auf, wie man vocalbestückte, fremdländisch klingende Beats mit genug Druck effektiv umsetzen kann.
Ebenfalls erwähnenswert ist der starke Anfang mit dem einnehmend atmosphärischen "Nixx für Pitschkos", das eine elektronisch kalte Brillianz ausstrahlt, dem melodisch harten Titeltrack und dem mit Featuregast Dr. Droste angereicherten unheimlichen und einschneidenden "Hörst du mich", dessen depressiv-manische Produktion sicher auch einem Degenhardt gut gestanden hätte.

"Monster weinen leise und decken sich mit Dornen zu, unten dort im WitchHouse-Keller wo die weißen Kacheln Blut reflektieren so wie es Teufelskreise machen, um die Schmerzen zu beschreiben reichen all die Wörter nicht. Ich rede mit dir, hörst du nicht"

Die Skits tragen klangvolle Namen wie "Landmine","Angst", "Witch Blade" und "Druck" sind aber allesamt eher den Fluss störend und austauschbar. Gerade letzteres fährt den Film der Porno-Produktionen und setzt das dann im vorletzten Song "Witch_House_Connection" recht konsequent um. Dies ist ehrlich gesagt eher unpassend. Herr von Rotenburg feuert zwar einige harte Lines, dennoch hätte man diese Kombination in anderen Tracks besser einsetzen können.
Den Schlusspunkt macht ein Remix des Titeltracks von Shawn West, der zwar ansprechend ausgefallen ist, jedoch die schroffe Dichte des Originals vermissen lässt.

Insgesamt gesehen, gelingt Kaisa auch im dritten Teil ein vorzügliches, brutales und doch an manchen stellen nachdenkliches Release, das sein Geld definitiv wert ist. Guten Untergrund muss man einfach supporten und bei Kaisa hat man stets ein zeitloses Gefühl.

Anspieltipps:

"Nixx für Pitchkos"
"Der Rückkehrer"
"Eisregen"
"Nebel"

4/5 mit Nostalgiebonus

Dienstag, 9. August 2016

Monsterhunter Teil 2

Hab sie doch nicht alle! - Pokemon Go (Künstler Edition)

Hallo Leute, der welt größe Monsterhunter hat es versprochen und so geht es mal wieder auf die Jagd. Von den 2 km Rückweg von der Kirche, wo ich das letzte Pokemon einfangen konnte, war es etwas ernüchtert, nur rosa Pokemons. Ihr wisst schon, die Mitläufer, die Unterschicht die die immer in Deckung bleiben. Diesmal trat ich vor mein Haus voller Tatendrang, nur musste ich für dieses besondere Pokemon den Ort wechseln. Also machte ich mich diesmal auf zum kleinem Flughafen meiner Stadt.

Bin im Garten, 2012-08-08-fotoflug-bremen zweiter flug 0201a, CC BY-SA 3.0

Dort angekommen wand ich mich dem nächsten Ticketschalter zu. Oh nein, eine Schlange so lang, dass ich drohte den nächsten Flieger zu versäumen. Das liegt daran, dass so viele rosa Pokemons auf der Flucht waren vor mir und so die Billigfliegertickets bei der Unterschicht sehr beliebt waren. Egal wohin, haupt sache raus. Ich begann mich zu beruhigen, vielen der rosa Pokemon waren selbst Tickets des Billigfliegers zu teuer, sie konnten sich ja nicht mal die nächste Tafel sich leisten, so dass sie auf der Stelle kehrt machten und den Flughafen wieder verließen. In der Ferne sah ich Popobeißer und Santachile durch den Haupteingang verschwinden. Nach nur 15 min Warten war ich am Ticketschalter.


Nichts da, aus dem Lautsprecher drang ein sehr lautes Alarmklingeln und eine respektable ernste Stimme sagte: "Sehr geehrte Fluggäste und rosa Pokemons, bitte rühren sie sich nicht vom Fleck. Es werden gleich 2016 Sicherheitskräfte sich Ihrer annehmen und Sie bis zu ihrem Flugbeginn begleiten. Bitte bewahren Sie Ruhe und lassen ihren Koffer nicht los. Danke für Ihr Verständnis."
Ohne zu zögern raste mir durch das Hirn: "Welchen Koffer? Ich habe nur ein Handy dabei und meine Unterhose ist auch sauber. Lasst mich endlich fliegen!"



Dann öffneten sich die Türen automatisch und herein kamen die 2016 Sicherheitskräfte, alle mit einem Geigerzähler in der rechten Hand. Jetzt wurde ich innerlich wirklich unruhig. Hier stimmt doch etwas nicht. 2016 Geigerzähler in Händen schlecht ausgebildeter Sicherheitskräfte, alle rosa Pokemon auf dem Weg zurück zu ihrer Tafel und etwa 20 potentielle Fluggäste, die ihren Koffer fest umklammert hielten. Und ich hatte nur mein Handy dabei, eine saubere Unterhose an und Pokemon Go (Künstler Edition) frisch geupdatet. Mein Handy, das Birne 12 sollte doch nicht einen undichten Atommeiler als Akku verbaut haben?


Alles nicht so wild, ich dachte mir viel zu viel. Die 2016 schlecht ausgebildeten Sicherheitakräfte stürmten an uns Fluggästen vorbei und hielten vor einem verdächtig kleinen Koffer. 2016 rechte Hände zeigten mit ihrem Geigerzähler auf diesen kleinen Koffer und es wurde still. Eine Stecknadel hätte man fallen hören können. Einer der Sicherheitskräfte trat hervor und nahm den kleinen Koffer mit seiner linken Hand hoch und schüttelte ihn. Es war immer noch nichts zu hören. Sehr kleinlaut meldete ich mich: Wann können wir endlich fliegen? Der Sicherheitsmann mit dem geschütteltem kleinem Koffer in der linken Hand, lies ihn los und zeigte mit seiner Linken Richtung Ticketschalter: "Kaufen Sie doch erst mal Ihr Ticket, wir müssen wissen wo Sie alle hin wollen."


20 Fluggäste stellten sich sehr ordentlich vor den Ticketschalter, ich war letzter in der Reihe. Nach nochmal 12 min war ich endlich dran. Ein Ticket nach Paris, bitte. Die Verkäuferin übergab es mir und sagte: "Das macht für Hin- und Rückflug 119 Euro." Ich zahlte und checkte auch sofort ein. Schnell weg hier, hier sind mir zu viele Sicherheits- irrelevante Leute unterwegs. Nachdem ich einen Platz im Flieger gefunden hatte, schaute ich mich um, der Flieger war nicht besonders voll, es sollte also ein entspannter Flug werden. Ein letztes Mal sah ich mich um, der Sicherheitsmann mit dem kleinen Koffer machte die Tür zum Flieger dicht, die linke Hand erhob er und winkte mir zu, dabei lächelte er sogar nett. Ganz so, als wenn er mir auf meiner Jagd nach diesem besonderen Pokemon Glück wünschen wolle. Auch ich musste befreit lachen. Alles wird gut, nichts war passiert.


Als der Flieger um 5 vor 12 endlich startete, waren sich fast alle sicher, dass es ruhig bleiben würde. Nachdem das Anschnallrotlicht ausging, konnte man auch sein Handy wieder anmachen. Sofort ging der Alarm von Pokemon Go (Künstler Edition) los. Das Handy Birne 12 zuckte hektisch in allen Farben des Regenbogens, was das für ein Pokemon sein sollte, gab selbst die Anleitung zum Spiel nicht her.


Da ich vermutete, dass sich ein winziges Pokemon als blinder Passagier on Board geschmuggelt hatte, stand ich auf und zeigte dem netten Sicherheitsmann mein Handy. Erschrocken stellte sich Toni vor und forderte mich auf, voraus zu gehen und das Handy in den Suchmodus zu versetzen. Der Pfeil zeigte diesmal Richtung Cockpit. Wenige Schritte noch und wir beide wären in Höhe der Cockpittür. Plötzlich ein lauter Knall, Toni warf sich auf den Boden. Ich beruhigte ihn, das sei nur die schlechte Ausbildung zum Sicherheitsmann und die schlechte Bezahlung. Sonst haben gute Leute Nerven wie Drahtseile.


Der Knall kam von Rechts, dort war die Kombüse, eine Heißlufttür war zugeflogen. Wahrscheinlich hatte sich das Pokemon nur versteckt. Also öffnete ich nach und nach alle Türen. Und richtig vermutet, hinter der dritten Klappe kam ein kleines, mit einem Regenmantel verkleidetes Pokemon zum Vorschein. Es wehrte sich hektisch, Toni und ich packten es und setzten es auf einen Notsitz. Toni zog die Ärmel des Regenmantels herunter und band es fest. Danach fragte ich das Pokemon nach seinem Namen. Hektisch, aber etwas wütend in der Stimme antwortete es: "Ich bin Wandelwichtel, eigentlich bin ich gar nicht so klein wie ich aussehe." Toni fragte nach dem kleinen Koffer, ob der ihm gehören würde und wohin es möchte? "Ja", sagte das Pokemon, Wandelwichtel wusste nicht wohin.

Benh LIEU SONG, Louvre Museum Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Als wir in Paris angekommen waren, ließen wir das Pokemon mit seinem kleinem Koffer frei. Wandelwichtel war wohl auch glücklich darüber, es spuckte aus beim Verlassen des Pariser Flughafens. Toni und ich verbrachten einen schönen Tag in Paris, besuchten den Louvre und den Eiffelturm, Pokemons waren nirgends mehr zu finden. Wandelwichtel auch nicht mehr, hatte sich wohl versteckt. So flogen Toni und ich am Abend wieder heim.

So liebe Leute, nachdem diesmal Wandelwichtel (außergewöhnlich klein und Trickreich) gejagt und gefangen wurde, müsst ihr erst mal wieder für die nötige Inspiration sorgen. Hiermit endet Teil 2 der Fortsetzungs - Geschichte. Wünsche damit allen Beteiligten und auch unbeteiligten Lesern viel Spaß, bis zum nächsten Mal.

Gruß Stephan

Sonntag, 7. August 2016

Camouflage - Relocated (2006) Review


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Schon das Cover setzt die Stimmung:
Die herbstliche Impression einer von warmen Sonnenstrahlen durchfluteter Allee, in der sich im Vordergrund zwei völlig unterschiedliche Menschen die Hand reichen, steht sinnbildlich für die Ausrichtung des siebten Studioalbums von Camouflage. Die Figur des Astronauten als Stellvertreter futuristischer Klangstrukturen, das schwebende Mädchen als positives Zeichen Vertrauens und Vitalität inmitten elektronisch warmer Schwingungen.
Vorbei die Dunkelheit Sensors, die Schwermut des Vorgängers ist heller Zuversicht gewichen.

Relocated.

Nach dem Erfolg des düsteren Comebackalbums "Sensor" im Jahr 2003 mussten Camouflage für das Nachfolgeprojekt labeltechnisch umsiedeln.
Aufgrund geänderter Firmenpolitik seitens Polydor-Island ging der Weg für Soundtüftler Heiko Maile und Kollegen nach Hannover zum dortigen Label SPV.
Dort fand sich zwar eine neue Heimat für das geplante nächste Album, SPV investierte jedoch lediglich einen minimalen Aufwand in werbewirksame Aktionen. Auch war die Veröffentlichung abseits deutschsprachiger Länder auf Polen beschränkt. Sensor hatte aber Jahre zuvor einen außerordentlichen Erfolg in Russland vorzuweisen. Dies führte letztendlich zu geringeren Verkaufszahlen und einer für Fans und Band erneuten Dürreperiode. Der Übergang vom Schatten ins Licht lässt sich daher rein über die Musik definieren...

...und die beginnt ähnlich wie das Vorgängerwerk mit einer kurzen Einführung. "Memory" geht jedoch darüber hinaus und kündigt bereits behutsam das darauffolgende "We Are Lovers" in ruhigen, fragmentartigen Tönen an. Dieser Song präsentiert sich tanzbar und treibend mit elegantem Sounddesign und hauchenden Trompeten in der Hookline.Trotz gezielt technoider Einschübe ist das freundliche Erscheinungsbld der ideale Gegenentwurf zu Sensors durchaus schnellem, doch weitaus melancholischer wirkendem "Me And You". Die erste Single "Motif Sky" verfolgt ähnliche Strukturen, in denen Marcus Meyns charmante Stimmlage von federleichten Synthies begleitet wird, die eine gelöste Stimmung erzeugen.
Die Vielfältigkeit des Albums zeigt sich nicht nur allein im lebendigen und kreativen Soundbild, sondern auch im gesanglichen Bereich. Während Oliver Kreyssig im hypnotischen "Real Thing" zu unterschwellig glitzernden Klängen durch verspielt vorgetragene Strophen eine fast schon andächtige Atmosphäre kreiert, gelingt Meyn in "Passing By" der Schritt aus diesem mentalen Palast heraus mit rauer Stimmfarbe und pulsierenden Synthesizern, die energiegeladen und prägnant zugleich zwar den Weg Richtung Depeche Mode'scher Pfade einschlagen, jene aber eigenständig per innovativer Ausfahrt verlassen...
.. um im bluesig wippenden "Confusion" mit energisch-schroffen Drumeinsätzen völlig andere Facetten zu demonstrieren.Gegen Ende hin dominieren entspannte Ambientsounds und runden den Track ausgewogen ab.

Das abwechlungsreiche Klangspektrum wird im anschließenden "The Perfect Key" kunstvoll zelebriert. Beginnend mit gediegenem Gitarreneinsatz, steigert sich der Aufbau über düster-sphärische Töne hin zu einem intensiv abschließenden Akt, in dem Meyn die Grenzen seiner Performance auslotet. "Stream" wiederum gleitet auf weichen Synthieflächen dem gleißenden Horizont entgegen. Sanft erfolgt die Überleitung zu "Dreaming", einem Gemeinschaftswerk von Kreyssig und Meyn. Der melancholisch angehauchte Refrain ist einprägsam und zieht seine Kraft aus der elektronisch einnehmenden Grundstimmung, auch die Strophen sind detailverliebt und druckvoll inszeniert.

Das sanfte "The Pleasure Remains" hingegen ist temporeicher, der Übergang der warmen Instrumierungen ist fließend und lässt den Song vielseitig und angenehm weich klingen. Meyns routinierte Darbietung verschmilzt mit der akustischen Eleganz. Auf drückende Basseinsätze wird auch hier weitreichend verzichtet und sich mehr auf melidiöse Elemente fokussiert.

Auf Kreyssigs leicht jazzigem"Bitter Taste" wird zunächst ein Gore-typisch zerbrechlich wirkendes Konstrukt aus leisem Sinnieren aufgebaut, ehe sich die instabilen Fragmente lösen und in "Something Wrong" neu formieren, das von seiner Robustheit und energischen Stimmung lebt. Sich nahe am Rock-Genre bewegend, hat Marcus Meyn hörbar Lust am kraftvollen Chorus, den treibend eingesetzten Gitarren und den sehr eingängigen finalen Gesangspassagen, die sich mehrfach wiederholend und melodisch ausgefeilt besonders einprägen.
Vor dem Closer beruhigt "Light" mit funkelnder Stille die aufgeheizt flirrende Elektronik und schlägt so die Brücke zum psychedelischen"How Do You Feel", der Ausnahmeerscheinung auf Relocated.
Auf über sieben langsamen Minuten, durch einen folkloristisch anmutenden Chor voll Inbrunst unterstützt, bewegt sich das Stück auf dem schmalen Grad zwischen Kunst und gescheitertem Experiment. Stetig leise Blinkeffekte im Hintergrund sorgen für die notwendige maschinelle Umgebung im Kontrast zur überemotional geführten Hook.

Relocated geht zunächst weniger direkt ins Ohr als sein Vorgänger. Die Songs reifen mit der Spielzeit, die sonoren, detallierten Stücke zeugen gleichsam von gepflegter Routine als auch der ständigen Lust auf neue Wege der musikalischen Umsetzung. Das Album besitzt Ecken und Kanten, mit dem Sprung in hellere Dimensionen eine erfrischende Neuausrichtung und ist dem dunklen Sensor ebenbürtig auf seine besondere Art und Weise. Versetzung erfolgreich.

8/10













Donnerstag, 4. August 2016

Der Koran in der HipHop - Reim Version - 28 Jungfrauen sind überall

Deso Dogg kehrt nach Berlin zurück?

Natürlich kann man das noch nicht sagen. Ausgeschlossen ist es aber auch nicht. Und ob deutsche Behörden dann Handlungsspielraum haben, weil ihr Luftangriff nicht funktioniert hat? Wer weiß, wer weiß.

Jedenfalls scheint der prominenteste Deutsche mit gescheitertem Imigrationshintergrund noch am Leben zu sein. Persönlich würde ich ihm empfehlen nach DE zurück zu gehen und sich seinen Taten zu stellen. Da er keine 21 Jahre mehr alt ist, wartet eine durchschnittliche Haftzeit auf ihn. Diese sollte dann für eine gelungene Integration reichen, also Ausbildung zu was auch immer und Resozialisierung. Zwischen jetzt und 2010 liegen auch nur 6 Jahre. Was aus einem werden kann, zeigt das nun folgende Video schön auf.

 

Wo ist Max schon wieder, der sollte mir doch erklären wie man richtig Rapt, verdammt nochmal!

Gruß Stephan

 




Montag, 1. August 2016

Werkzeug - Her mit dem Hammer!

Tool - zwei Alben für die Ewigkeit, die einsame Insel.......

1996, 20 Jahre ist es nun her, ein Freund, Metallica Fan der ersten Stunde und wir sitzen in seinem Auto auf den Weg ins Kino um die Ecke. Sein 6-fach CD Wechsler hat 5 CD´s von Metallica im Schacht und eine ganz andere. Davon spielte er beim Einsteigen ins Auto gerade das Stück Die Eier von Satan. Nun was hab ich mit den Dingern schon am Hut, davon mal ab, dass ich keinen trage? Ein Typ besingt ein Kuchenrezept auf gebrochenen Deutsch (B(a)eckblech), ein Haschkuchen, ja toll, mir doch egal. Mein Freund denkt er hat die Sensation des Jahrzehnts im CD Wechsler und Wochenlang lief nichts anderes, als wenn es Metallica nie gegeben hat. Inszwischen möchte ich die Eier des besungenen Satans schon entfernen, so langweilig fand ich das ganze. Aber auch mein Freund war den Eiern überdrüßig und so wurde diese CD 1997 gegen ReLoad von Metallica getauscht. Mein Freund war damit glücklich und ich hatte meine Ruhe vor den Eiern des Satans. Das dazugehörige Album verstaubte dann bis 2001.

Nun muss ich noch einen Brückenschlag hin bekommen, um das Nachfolgende an Geschichte rund zu machen. Mein Freund ist ein Metallica Fan der ersten Stunde. Ohne Zweifel sind Metallica eine großartige Band und ja, sie haben ein ganzes Genre mitbestimmt und ihren Stempel dem Metal aufgedrückt. Mir persönlich gefallen einige Stücke sehr gut, ich halte z.b. For Whom The Bell Tolls insbesondere in der S&M Liveversion für eine der besten Progrocknummern überhaupt. Aber ich mag die Stimme von James Hetfield nicht besonders. Sie gibt mir nichts bzw. wenig. Das ändert aber nichts an der Gesamtbewertung des Werkes von Metallica. Geschmack, das einen was antörnt ist jedem selbst überlassen.

Erste Live Konzert - Queen - Jazz

 

Mein erstes Konzert 1978/79, die Sex Pistols und ich war erstmal geschockt, das ist also Punkrock und Sid Vicious war doof und ein Arschloch dazu. 1978 erschien Queen´s Jazz, zu Weinachten 1978 hielt ich es in den Händen und ja es wird auch heute noch gern aufgelegt. In meinen Ohren sind Stücke wie Bicycle Race, Mustapha o. Fun It mehr Punk als ich bis zu dem Zeitpunkt gehört hatte. In der Einordnung, ist das Album Jazz sicher das progressivste Werk von Queen. Es deckte einfach alles ab, von old Queen mit Fat Bottemd Girl, Don´t Stop Me Now über Radionummer wie Bicycle Race bis heftiger Progrocknummer More Of That Jazz. Jazz war der Schritt für Queen und seine Fans in die 80iger Jahre. Aus meiner Sicht eines der wichtigsten Alben von Queen. Queen eroberte mein Rockherz im Sturm, es war alles da was ich hören wollte. Eine fantastische Stimme, Freddie deckte 4 Oktaven ab (von hart bis zart), er war die Stimme des Rock, es gab und gibt keine bessere. May spielt seine Gitarre mit seinen eigenem Stil, Decon spielte seinen Bass runter ohne groß auf zu fallen, das Understatment war sein Markenzeichen und Tayler gab den Rhytmus vor bis heute. Er bestimmt das Tempo. Rockherz was willst du mehr.

Pink Floyd - The Wall

Ein bewegendes Jahrzehnt neigt sich dem Ende. Stephan entdeckte den Rock für sich, seine Eier spielten auch langsam eine Rolle. Die Eier von Satan spielten aber noch lange keine Rolle. Im November 1979 hörte man Land auf, Land ab Pink Floyd´s Another Brick In The Wall (Part  2). Der Song eroberte sämtliche Radiostationen weltweit und ich glaube bis heute das Schulklassen irgendwo im Weltall, Schulklassen von Aliens ihn zum Abschluss ihrer Schulzeit oder zum Protest gegen Lehrer immer noch singen. Das dazu gehörige Album The Wall lag Weihnachten 1979 unter dem Baum und selbst meinen Eltern gefiel es. Warscheinlich waren sie auch Aliens. Zum ersten Mal hörte ich ein Konzeptalbum, eine fortlaufende Geschichte in ihrer ganzen Pracht, Rockklänge vom aller feinsten und dass damit eine Band auseinanderbrach, im Streit über/um das Album wurde mir erst später klar. Für mich haben die beiden Alben Jazz und The Wall aufgezeigt wohin die Reise geht. Obwohl sie augenscheinlich nichts miteinander zutun haben, in meinem Kopf bleiben sie ein Gesamtkunstwerk.


Über zwei Jahrzehnte war die Spur gelegt der ich folgen sollte. In den achtziger Jahren kamen noch die Rolling Stones, The Who, The Beatles, AC/DC, U2, David Bowie u. Tina Turner, Queen´s Gesamtwerk u. Pink Floyds Gesamtwerk zum Soundtrack meines Lebens dazu. Ja neben diesen Blockbustern hörte ich alles was so im Radio lief auch noch, aber zu mehr als einer Saison reichte es meist nicht. Die neunziger Jahre vergingen im Flug, gerade was den Rock betraf war mit dem Tod von Freddie der Rock für mich zuende. Heavy Metal war mir in den Achtziger noch nicht wichtig, ausserdem Spandex Eierkneifer, wie peinlich. Bands wie Nirvana, System Of The Down und auch Metallica verschob ich in das neue Jahrtausend. Die übliche Radiomusik lief nebenher. Computern, das Internet, Windows 95 oder 98 SE entwickelte sich zum Steckenpferd. Um die Jahrtausendwende war man auf seinem Board unterwegs und verbrachte dort viel Zeit. Dort wurde einfach alles beredet was einen interessierte und war es weniger interessant, las man es halt nicht und machte den Rechner aus.

Tool - Lateralus

Auf dem ehemaligen Gulliboard gab es eine Ecke wo man Musik besprach, was man gerade so hörte. Es muss im Sommer 2001 gewesen sein, als ein User mit dem Namen Archangel und der Illuminaten Pyramide als User Pic bestechend logisch erklärte, welche Vorteile Drogen und deren Konsum doch alles hätten. Den Thread werde ich mein Leben lang im Gedächtnis behalten, min. 100 unterschiedliche User waren beteiligt und tausende von Posts. Im Thread kam man irgendwie auf das Tool Album Lateralus. Als ich das in den Händen hielt, kann ich bis heute nicht glauben, was ich da hörte. Lateralus vereint Queen´s epischen Rocksound, Pink Floyd´s epische Soundwall und Metallica´s epische Härte zu etwas völlig Neuem. Es erfindet den Rock völlig neu. In ihren Texten brechen Tool mit Lateralus dein Hirn auf, teilen es und setzen es neu zusammen. Geburt und Tod alles zugleich. Das neue Jahrtausend konnte nicht besser beginnen. Ähnlich wie Einstein seine Relativitätstherorie Anfang des 20.Jahrhunderts in einem Aufsatz für eine Physikzeitschrift formulierte, schrieben Tool die gesamte Rockmusik neu. Bevor mir nun einer sagt, Stephan du spinnst mal wieder. Nein, das war mein Hören, mein Geschmack und deren Nerven waren und sind dermaßen angefixt durch Lateralus, dass ich am liebsten jedes Superlativ verwenden möchte. Als kleine Hilfe was bei dem Album abgeht, nehmt den Text des ersten Stückes in der deutschen Übersetzung. Hört euch das Karaoke an, auf volle Umme auf den Ohren und singt mit was ihr meint zu können. 

The Grudge Übersetzung

Trage den Groll wie eine Krone aus Negativität.
Berechne, was wir tolerieren werden und was nicht,
verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig Deinen "Scarlet Lettermen" (in diesem Kontext Erzfeinde?!) zu vergeben.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Rechtfertige Verleugnungen und ergreife sie bis zum einsamen Ende.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Verängstigt davor falsch zu liegen. Ultimatum. Gefängniszelle.
Saturn steigt auf, wähle Eins oder Zehn. Halt kurz inne oder werde wieder gedemütigt.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Rechtfertige Verleugnungen und ergreife sie bis zum einsamen Ende.
Saturn steigt auf, kommt wieder vorbei.
Saturn steigt auf, die Eins, die Zehn. Ignorant, was den angerichteten Schaden betrifft.
Trage den Groll wie eine Krone aus Negativität.
Berechne, was wir tolerieren werden und was nicht,
verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig Deinen "Scarlet Lettermen" zu vergeben.
Trage den Groll wie eine Krone.
Verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig zu vergeben.
Und wir sinken tiefer.
Bestimmend, eingrenzend, kontrollierend und wir sinken tiefer.
Saturn kommt wieder vorbei, um Dir alles zu zeigen.

Falls es euch so geht, dass ihr euch für komplett irre geworden haltet und zugleich die Welt umarmen wollt, hat es Klick gemacht. Kommen wir jetzt zu den Eiern von Satan. Die Überleitung hat was, find ich.

Tool - AEnima

Nun, die Eier von Satan verstaubten bei einem Freund im Kopferraum. Jedenfalls holte ich AEnima mir beim Freund ab und hörte es fast gleichzeitig zu Lateralus. AEnima und Lateralus muß man zusammen hören, die Reihenfolge ist egal. AEnima ist allenfalls noch nicht so präzise wie Lateralus, die Härte, der Druck ist fast auf dem selben Niveau. Das einzige Stück, was wirklich etwas abfällt sind ausgerechnet diese Eier von Satan. Nicht das ich ihm sie nicht gönne, aber sie wirken deplaziert. So als wenn Maynard James Keenan uns erzählen will, wie er durch einen Haschkuchen zu der verfickt geilen Scheiße gekommen ist. Dabei ist das überhaupt nicht nötig, welcher Künstler erklärt schon seine Fettecke die an Genialität nur einem Hausmeister nicht auffällt? Zusammen genommen kann ich alle fünf mit Namen erwähnten Alben empfehlen, für die obligatorische einsame Insel und sehr weit darüber hinaus. Um dem darüber hinaus etwas Nachdruck zu verleihen, seht und hört genau hin bei diesem Cover.

 

Gruß Stephan