Freitag, 19. August 2016

De/Vision - Monosex (1998) Review

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Zurück ins Jahr 1998.

Ein Jahrzehnt nach Bandgründung und sich in der Folgezeit auch international einen Namen machend, konnten De/Vision erstmals auf einem Major Label veröffentlichen. Über WEA-Records erschien das vierte Werk "Monosex" und brachte sogleich interessante Änderungen im Soundbereich mit sich.
Der vormals puren Synthpopfassade wurde mittels rockigen Gitarreneinsätzen, Samples und Techno/Trance-Elementen ein frischer Anstrich verpasst, wodurch sich die Stücke vielseitiger gestalten ließen.
Manch langjähriger Hörer empfand diese akustischen Add-Ons zunächst als ungewohnt sperrig, trotz vertrauter traurig-schöner Melodieführungen im elektronischen Licht- und Schattenspiel.

Eine Minute Vorbereitungszeit lässt sich der Synthesizer, baut sich dröhnend auf, die Elektronik zuckt und grummelt, bis durch satten Drumeinsatz begleitet Sänger Steffen Keths markantes Organ einsetzt und den analogen Klangraum im Auftaktsong "God Is Blind" mit typisch eingängiger Hookline ansprechend dekoriert. Das ist wohlig düster, doch absolut tanzbar in wallenden Nebelschwaden.

Über diesen gleitet Keth im folgenden "We Fly...Tonight" hin zu nächtlicher Großstadtkulisse im technoiden Gewand. Das treibende Soundbild findet im melancholischen "We Might Be One For A Day" zunächst einen ersten Ruhepol. Melodische Schwermut trifft hier auf Rockpassagen gen Ende des Stücks, die sich in ihrer Intensität aus der Starre emotionaler Schönheit lösen.

Die zweite Single "Strange Affection" wiederum zaubert eine imaginäre Leinwand hervor und zeichnet darauf ein fragiles Gefühlskarussell aus pulsierenden Synthie-Einfärbungen. "Deliver Me" dagegen kombiniert einen einprägsam sanften Refrain mit stimmungsvollen Elektrowogen, währenddessen das atmosphärische "Shoreline" die Grenzen technisch erzeugter Finsternis auslotet, in denen der allgegenwärtige Synthesizer unaufhaltsam virbriert. Eines der stärksten Instrumentals der Band.

Ganz anders hingegen die quirrlige Eurodance-Nummer "Hear Me Calling", die auch im starken Kontrast zum relaxten "Back In My Life" steht. In dieser artifiziell generierten Hängematte schweift der Blick des geistigen Auges über sonnenbeschienene Weiten während warme Luftströme die Grashalme zart umspielen.

Derartige Stimmungen bereitet "Slaves To Passion" nicht. Der mit Technoelementen gespickte Track setzt auf Dynamik und auf den Punkt gebrachte Akzente für die schattige Tanzfläche.

Die Ballade "Drifters" hüllt das Stimmungszelt mit schweren Klavierakkorden und klagenden Streichern in arabesken Schattenglanz, auch das schnellere "Heart Of Stone" mit veschwörerischer Hookline hinterläßt ein paradoxes Gefühl von Beklemmung und Wagnis . "New Drug" als clubtauglicher Closer sorgt aber für versöhnlichere Momente und der sich zum Ende wiederholende Chorus lässt das Album fließend ausklingen. Ein Album, dessen Stärken in der Verspieltheit und Vielfalt liegen, trotz manch seichterer Augenblicke. Die Bereicherungen im Soundbild wurden nach anfänglicher Skepsis positiv aufgenommen, sodass das Album ihr zunächst erfolgreichstes wurde. Der Nachfolger "Void" jedoch sollte jene Elemente nachhaltig prägen.

7/10



1 Kommentar:

  1. Kannst du nichtmal irgendwas Relevantes rezensieren, Max Power?

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