Montag, 1. August 2016

Werkzeug - Her mit dem Hammer!

Tool - zwei Alben für die Ewigkeit, die einsame Insel.......

1996, 20 Jahre ist es nun her, ein Freund, Metallica Fan der ersten Stunde und wir sitzen in seinem Auto auf den Weg ins Kino um die Ecke. Sein 6-fach CD Wechsler hat 5 CD´s von Metallica im Schacht und eine ganz andere. Davon spielte er beim Einsteigen ins Auto gerade das Stück Die Eier von Satan. Nun was hab ich mit den Dingern schon am Hut, davon mal ab, dass ich keinen trage? Ein Typ besingt ein Kuchenrezept auf gebrochenen Deutsch (B(a)eckblech), ein Haschkuchen, ja toll, mir doch egal. Mein Freund denkt er hat die Sensation des Jahrzehnts im CD Wechsler und Wochenlang lief nichts anderes, als wenn es Metallica nie gegeben hat. Inszwischen möchte ich die Eier des besungenen Satans schon entfernen, so langweilig fand ich das ganze. Aber auch mein Freund war den Eiern überdrüßig und so wurde diese CD 1997 gegen ReLoad von Metallica getauscht. Mein Freund war damit glücklich und ich hatte meine Ruhe vor den Eiern des Satans. Das dazugehörige Album verstaubte dann bis 2001.

Nun muss ich noch einen Brückenschlag hin bekommen, um das Nachfolgende an Geschichte rund zu machen. Mein Freund ist ein Metallica Fan der ersten Stunde. Ohne Zweifel sind Metallica eine großartige Band und ja, sie haben ein ganzes Genre mitbestimmt und ihren Stempel dem Metal aufgedrückt. Mir persönlich gefallen einige Stücke sehr gut, ich halte z.b. For Whom The Bell Tolls insbesondere in der S&M Liveversion für eine der besten Progrocknummern überhaupt. Aber ich mag die Stimme von James Hetfield nicht besonders. Sie gibt mir nichts bzw. wenig. Das ändert aber nichts an der Gesamtbewertung des Werkes von Metallica. Geschmack, das einen was antörnt ist jedem selbst überlassen.

Erste Live Konzert - Queen - Jazz

 

Mein erstes Konzert 1978/79, die Sex Pistols und ich war erstmal geschockt, das ist also Punkrock und Sid Vicious war doof und ein Arschloch dazu. 1978 erschien Queen´s Jazz, zu Weinachten 1978 hielt ich es in den Händen und ja es wird auch heute noch gern aufgelegt. In meinen Ohren sind Stücke wie Bicycle Race, Mustapha o. Fun It mehr Punk als ich bis zu dem Zeitpunkt gehört hatte. In der Einordnung, ist das Album Jazz sicher das progressivste Werk von Queen. Es deckte einfach alles ab, von old Queen mit Fat Bottemd Girl, Don´t Stop Me Now über Radionummer wie Bicycle Race bis heftiger Progrocknummer More Of That Jazz. Jazz war der Schritt für Queen und seine Fans in die 80iger Jahre. Aus meiner Sicht eines der wichtigsten Alben von Queen. Queen eroberte mein Rockherz im Sturm, es war alles da was ich hören wollte. Eine fantastische Stimme, Freddie deckte 4 Oktaven ab (von hart bis zart), er war die Stimme des Rock, es gab und gibt keine bessere. May spielt seine Gitarre mit seinen eigenem Stil, Decon spielte seinen Bass runter ohne groß auf zu fallen, das Understatment war sein Markenzeichen und Tayler gab den Rhytmus vor bis heute. Er bestimmt das Tempo. Rockherz was willst du mehr.

Pink Floyd - The Wall

Ein bewegendes Jahrzehnt neigt sich dem Ende. Stephan entdeckte den Rock für sich, seine Eier spielten auch langsam eine Rolle. Die Eier von Satan spielten aber noch lange keine Rolle. Im November 1979 hörte man Land auf, Land ab Pink Floyd´s Another Brick In The Wall (Part  2). Der Song eroberte sämtliche Radiostationen weltweit und ich glaube bis heute das Schulklassen irgendwo im Weltall, Schulklassen von Aliens ihn zum Abschluss ihrer Schulzeit oder zum Protest gegen Lehrer immer noch singen. Das dazu gehörige Album The Wall lag Weihnachten 1979 unter dem Baum und selbst meinen Eltern gefiel es. Warscheinlich waren sie auch Aliens. Zum ersten Mal hörte ich ein Konzeptalbum, eine fortlaufende Geschichte in ihrer ganzen Pracht, Rockklänge vom aller feinsten und dass damit eine Band auseinanderbrach, im Streit über/um das Album wurde mir erst später klar. Für mich haben die beiden Alben Jazz und The Wall aufgezeigt wohin die Reise geht. Obwohl sie augenscheinlich nichts miteinander zutun haben, in meinem Kopf bleiben sie ein Gesamtkunstwerk.


Über zwei Jahrzehnte war die Spur gelegt der ich folgen sollte. In den achtziger Jahren kamen noch die Rolling Stones, The Who, The Beatles, AC/DC, U2, David Bowie u. Tina Turner, Queen´s Gesamtwerk u. Pink Floyds Gesamtwerk zum Soundtrack meines Lebens dazu. Ja neben diesen Blockbustern hörte ich alles was so im Radio lief auch noch, aber zu mehr als einer Saison reichte es meist nicht. Die neunziger Jahre vergingen im Flug, gerade was den Rock betraf war mit dem Tod von Freddie der Rock für mich zuende. Heavy Metal war mir in den Achtziger noch nicht wichtig, ausserdem Spandex Eierkneifer, wie peinlich. Bands wie Nirvana, System Of The Down und auch Metallica verschob ich in das neue Jahrtausend. Die übliche Radiomusik lief nebenher. Computern, das Internet, Windows 95 oder 98 SE entwickelte sich zum Steckenpferd. Um die Jahrtausendwende war man auf seinem Board unterwegs und verbrachte dort viel Zeit. Dort wurde einfach alles beredet was einen interessierte und war es weniger interessant, las man es halt nicht und machte den Rechner aus.

Tool - Lateralus

Auf dem ehemaligen Gulliboard gab es eine Ecke wo man Musik besprach, was man gerade so hörte. Es muss im Sommer 2001 gewesen sein, als ein User mit dem Namen Archangel und der Illuminaten Pyramide als User Pic bestechend logisch erklärte, welche Vorteile Drogen und deren Konsum doch alles hätten. Den Thread werde ich mein Leben lang im Gedächtnis behalten, min. 100 unterschiedliche User waren beteiligt und tausende von Posts. Im Thread kam man irgendwie auf das Tool Album Lateralus. Als ich das in den Händen hielt, kann ich bis heute nicht glauben, was ich da hörte. Lateralus vereint Queen´s epischen Rocksound, Pink Floyd´s epische Soundwall und Metallica´s epische Härte zu etwas völlig Neuem. Es erfindet den Rock völlig neu. In ihren Texten brechen Tool mit Lateralus dein Hirn auf, teilen es und setzen es neu zusammen. Geburt und Tod alles zugleich. Das neue Jahrtausend konnte nicht besser beginnen. Ähnlich wie Einstein seine Relativitätstherorie Anfang des 20.Jahrhunderts in einem Aufsatz für eine Physikzeitschrift formulierte, schrieben Tool die gesamte Rockmusik neu. Bevor mir nun einer sagt, Stephan du spinnst mal wieder. Nein, das war mein Hören, mein Geschmack und deren Nerven waren und sind dermaßen angefixt durch Lateralus, dass ich am liebsten jedes Superlativ verwenden möchte. Als kleine Hilfe was bei dem Album abgeht, nehmt den Text des ersten Stückes in der deutschen Übersetzung. Hört euch das Karaoke an, auf volle Umme auf den Ohren und singt mit was ihr meint zu können. 

The Grudge Übersetzung

Trage den Groll wie eine Krone aus Negativität.
Berechne, was wir tolerieren werden und was nicht,
verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig Deinen "Scarlet Lettermen" (in diesem Kontext Erzfeinde?!) zu vergeben.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Rechtfertige Verleugnungen und ergreife sie bis zum einsamen Ende.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Verängstigt davor falsch zu liegen. Ultimatum. Gefängniszelle.
Saturn steigt auf, wähle Eins oder Zehn. Halt kurz inne oder werde wieder gedemütigt.
Klammere Dich daran, wie ein Eckpfeiler. Anderenfalls fällt alles zusammen.
Rechtfertige Verleugnungen und ergreife sie bis zum einsamen Ende.
Saturn steigt auf, kommt wieder vorbei.
Saturn steigt auf, die Eins, die Zehn. Ignorant, was den angerichteten Schaden betrifft.
Trage den Groll wie eine Krone aus Negativität.
Berechne, was wir tolerieren werden und was nicht,
verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig Deinen "Scarlet Lettermen" zu vergeben.
Trage den Groll wie eine Krone.
Verzweifelt alles zu kontrollieren.
Unfähig zu vergeben.
Und wir sinken tiefer.
Bestimmend, eingrenzend, kontrollierend und wir sinken tiefer.
Saturn kommt wieder vorbei, um Dir alles zu zeigen.

Falls es euch so geht, dass ihr euch für komplett irre geworden haltet und zugleich die Welt umarmen wollt, hat es Klick gemacht. Kommen wir jetzt zu den Eiern von Satan. Die Überleitung hat was, find ich.

Tool - AEnima

Nun, die Eier von Satan verstaubten bei einem Freund im Kopferraum. Jedenfalls holte ich AEnima mir beim Freund ab und hörte es fast gleichzeitig zu Lateralus. AEnima und Lateralus muß man zusammen hören, die Reihenfolge ist egal. AEnima ist allenfalls noch nicht so präzise wie Lateralus, die Härte, der Druck ist fast auf dem selben Niveau. Das einzige Stück, was wirklich etwas abfällt sind ausgerechnet diese Eier von Satan. Nicht das ich ihm sie nicht gönne, aber sie wirken deplaziert. So als wenn Maynard James Keenan uns erzählen will, wie er durch einen Haschkuchen zu der verfickt geilen Scheiße gekommen ist. Dabei ist das überhaupt nicht nötig, welcher Künstler erklärt schon seine Fettecke die an Genialität nur einem Hausmeister nicht auffällt? Zusammen genommen kann ich alle fünf mit Namen erwähnten Alben empfehlen, für die obligatorische einsame Insel und sehr weit darüber hinaus. Um dem darüber hinaus etwas Nachdruck zu verleihen, seht und hört genau hin bei diesem Cover.

 

Gruß Stephan

Kommentare:

  1. "Als ich das in den Händen hielt, kann ich bis heute nicht glauben, was ich da hörte."

    Großartiger Satz, mein Bester! Wie du, wahrscheinlich ironisch, mit den unterschiedlichen Zeiten spielst, kriegt das kein anderer hin. :)

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