Freitag, 30. September 2016

Rocker rockt auf Jazz ab

Mama und Papa wussten es schon immer, Musik ist gut für dich.

Der Stephan hat sich mal wieder etwas vor genommen. Ein Review zu einem Jazz Album ohne Ahnung über Jazz zu haben. Erkläre mich schon für etwas wahnsinnig und so richtig bekloppt, aber das wird schon. Auf, auf gute Zeiten haben.

Good Times


So Spotify ist an und über die Hörmuscheln des Kopfhörers erklingt das neue Albums Good Times. Eigentlich würde ich gerne einen Vergleichstest des älteren 20 Euro und des neuen 180 Euro Kopfhörers machen, auch erscheint mir Good Times dafür besonders geeignet, also genau richtig alles. Bleibt im Hinterkopf versprochen und Versprechen hält man, hab ich mal gelernt (Bei meinen Eltern?).

Max u. Ulf Kubanke sitzen mit Fragezeichen vor ihren Rechnern

Ulf hat gerade die Kolumne des Jahres geliefert und Max u. ich befinden sich in einer ausufernden Diskussion zum Thema Rap/Hiphop noch gut?, gut für unsere Jugend?, Gesellschaftspolitisch wichtig etc.. Da schreib ich zum Runterkochen halt das Review. Dafür eignet sich das Album sehr gut. Meine Erwartungen/Gedanken drehten sich um ein Album von Andreas Vollenweider, was sehr häufig zum Frühstück lief bei meiner Frau u. mir als wir uns kennen und lieben gelernt haben, Behind The Gardens. Das waren auch Good Times und abgespeichert ist das als Begleitmusik die Atmosphäre, meinetwegen auch romantische Atmosphäre, unterstützt.

Die Opener Carioca u. Amanha wirken wie Vollenweiders romantische Frühstücksmusik auf mich, sie könnten sich wunderbar ein schmiegen und Stimmung unterstützen. Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich glaube nicht das Good Times ein Fahrstuhl- (um von romantisch weg zu kommen) bzw. Frühstücksalbum ist, es ist mehr.

Scheinbar haben die Autoren in ihrer Jugend Reisen gemacht, zu wohl exotischen Orten. Diese aufregende Zeit spiegeln sich wieder in The Groove Of Love (Die Reise, heißt wohl die erste Liebe), You Must Believe In Spring (Der Frühling ihres Lebens) und Cuban Jam (Kuba, ein Traumort). Die drei Stücke sind der Mittelteil des Albums und ja es sind die aufregendsten Stücke, wie ich finde. Sie atmen eine aufregende Zeit, die bisher aufregendste Zeit? Ich weiß es nicht, aber das sie meine Fantasie so anregen spricht dafür das es so war.

Stellvertretend für den Ausklang des Albums empfehle ich Whitout A Song, Hoffnung, Traum, Erwartung werden noch einmal gebündelt in verspielten Klaviertönen und swingende Bässe bzw. Percussion geben alles. Feine Musik, Erwachsen und ihren Kinderschuhen längst entschlüpft.

Söhne

Es gibt ein Video mit dem SWR, wo der Pianist Ulf Kleinert etwas aus dem Nähkästchen plaudert. Grund sympathisch und als Appetitanreger wunderbar. Da wird auch deutlich was gute Erziehung aus Kindern machen kann. Also schaut es euch an und das Album hört euch an. Wirklich selten das aus deutschen Landen solcher Art Musik ohne irgend welche „Brässigkeit“ kommt. Viel Spaß damit!

Gruß Stephan

Donnerstag, 29. September 2016

50 Jahre und wer hilft mir beim Hiphopzugang?

Lieber hier als bei Laut,

und natürlich fühle ich mich im besonderen angesprochen mit deiner neuen Kolumne, Ulf! Den Max werde ich gleich nochmal hin weisen darauf und weiß schon was er dazu sagen wird. Weil Max gehört nämlich zu den wenigen Hiphopfans, die sich ein offenes Ohr bewahrt haben.

Hoffe auch auf Feedback von Stefan der wohl ohne Unterstützung von Dani hier auskommt! Was ich bedauere, weil Dani ist nun mal weiblich und hat eine eventuell andere Sicht also so manche männliche Sprechgesang Hure (werde das gleich erklären warum ich Hure sage).

Randnotiz, die paar üblichen Verdächtigen/Muppets die aktuell das Hiphopgenre repräsentieren bei Laut und mit ungehört 1/5 Wertungen nur um sich werfen wie Kinder auf einem Sandhaufen, tun dem Genre bei Laut nicht gut. Sie müssen sich auch nicht von mir altem Sack angesprochen fühlen und nun hier aufschlagen, durch ihr dummes Verhalten bei Laut haben sie sich disqualifiziert für jede Diskussion. Ja das klingt bitter und das bin ich auch bezogen auf diese Pissnelken. Stefan und Dani bedauere ich das sie in ihrem Bereich nicht durch greifen dürfen/können und immer wegen Lautpolitik Rücksicht nehmen müssen. Das aber auch gleichzeitig meine Hauptkritik am Hiphopgenre.

Laut vertritt ja alle Musikgenres, aber wenn die paar Muppetsfans halbwegs repräsentativ für die Fans stehen die Hiphop generell hat, dann ist das Genre nicht wichtig bzw. überbewertet. Als alter Rocker wird man mir sofort vorhalten, du der keine Ahnung hast von dem Genre, damit auch hausieren gehst, ist klar warum du das sagst. Ich behaupte aber das ich offene Ohren für alles in der Musik habe und wenn im Hiphop was passiert, sprich was wirklich epochal wichtiges zu hören ist, dann höre ich hin. Darauf ist Verlass!

Beziehe mich jetzt mal auf den deutschen Hiphop, der einzige Hiphopper der mir aufgefallen als heraus ragend textlich, wie auch Stimme/Stimmung und musikalisch, war Casper. Alles andere was am Geld gerochen hat und die erste Stufe auf der harten Leiter Showbiz erklommen hat, war schneller weg als man schauen konnte oder suhlt sich in ewiger „ich komm von unten und hab den Finger nun wieder im Arsch versenkt“ Attitüde. Zum kotzen.

Damit bin ich schon bei der Verrohung von Sprache. Den rhetorischen Giftschrank beherrsche ich auch, das ist keine Kunst angesichts dem Mist den man jeden Tag insbesondere beim Hiphop und seinen Fans zu hören bekommt. Wenn der Giftschrank noch ein paar nett versteckte Gemeinheiten beinhalten würde, dann wäre er ja wenigstens unterhaltsam, aber so wie aktuell? Sorry, ich bin nun 50 aber an Geschmacksverkalkung leide ich nicht und ich muss doch nicht tagtäglich als Alltagsgeschäft meinen Scheiß als Goldkettchen verkleidet irgendwem unter die Nase reiben. Wenn interessiert das bitte schön? Das es ärgert hab ich ja schon zu gegeben. Aber es ärgert nicht weil es irgendwie intellektuell eine Herausforderung wäre. Es ärgert wegen der Attitüde Wortgebrechen als große Kunst zu verticken und dann auf Tauchstation zu gehen, wenn es heiß wird. Feige Bande, Huren des schnöden Mammons (das war die Erklärung für oben, hatte das schon wieder zu den Akten gelegt und jetzt gerade die Kurve bekommen).

Noch was persönliches, ich denke mit Max und die Bitch schlägt hier hoffentlich schleunigst auf, hab ich schon einige Diskussionen im Chat über Musik gehabt und ja er antwortet verständlich und mit Verständnis. Er sagt über mich, ich müsse dechiffriert werden und die Mühe lohnt. Ähnliches sagt auch Ulf über mich. Ich sehe das als Kompliment! Ausgerechnet das, kann ich beim deutschen Hiphop nicht mehr erkennen und ich frage mich ob das jemals zu einem Kennzeichen wird oder werden will. Ich bedaure das deutsche Hiphopgenre, ihr mächtigstes Werkzeug wird ein Grab gegraben von sich selbst. Das ist irgend wie Schizophren. Das waren vorerst meine 2 Cent, habt hoffentlich Spaß damit!? ;)

Gruß Stephan

P.S. : Der Kommentar kommt aus Word und ich bin mir sicher manches s oder Satzzeichen fehlt. Bitte erspart euch auch Kritik daran, das ich so ein Banause bin bezogen auf Grammatik und Rechtschreibung. Ihr müsst nicht in mir leben und ich nicht in euch, damit ist das Thema für mich erledigt. ;)

P. S. 2 . : Der Kommentar wird zeitgleich auf meinem Blog erscheinen und natürlich dürft ihr auch dort was zu texten, würde mich freuen!

Montag, 26. September 2016

De/Vision - Two (2001) Review


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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

So geschehen auch bei De/Vision Ende 2001. Nach der progressiven Wucht des Vorgängers "Void", der für allerlei Kontroverse sorgte, standen die Arbeiten am Nachfolgealbum zunächst unter keinem guten Stern. Nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied Markus Ganßert war die De/Vision plötzlich zum Duo geschrumpft.

Verlust, aber auch Chance zugleich in intimerer Arbeitsatmosphäre elektronische Klangformen markanter zu modellieren und den Einbau eigener Akzente zu intensivieren.
Sänger Keth wollte obendrein nach dem lauten Void ein ruhigeres, balladeskes Album, auch der Weggang vom Major WEA zum Label Drakkar stand an.

Das abstrakte Cover klinisch veredelt in kühlen Blautönen. Der Abschied eines langjährigen Weggefährten, die Stille im Studio, "Two".

Doch anstatt schwermütiger Klangfolgen eröffnet das Album mit stolz schwingenden Tönen.
"All I Ever Do" handelt vom langsamen Zerfall einer ehemals starken Liebe, in der nachlassende Gefühlsregungen die einst rosarote Scheinwelt beständig verblassen lassen. Die durch sanfte weibliche Begleitung verzierte Hookline mäandert durch den schummrigen Raum und sorgt auf dem Höhepunkt des Entliebens für ein seltsam erhabenes Gefühl.

Doch hallt ein leises Seufzen durch den gleichen Raum, angesichts der inneren Leere und aufkeimender Sehnsüchte. "Silent Moan" ist eingängig dynamisch mit satten Drumsets ausstaffiert und erzählt vom zunehmenden Verlangen nach der Nähe zu einem geliebten Menschen.

Doch können die Emotionswellen auch durchaus ins andere Extrem umschlagen.
Die bissige "Uncaring Machine" holt voidsche Gitarrenelemente aus dem Schrank und kreiert eine bedrohlich instabile Grundstimmung schleichenden Hasses, der in einem furios-rockigen Finale kalte Verzweiflung in die Welt feuert. "Your Love Is Killing Me "

"Drowning Souls" hingegen errichtet ein zartes Gebilde aus weichem Pianospiel. Zwei orientierungslose Seelen stehen in ungewissen Nebelschwaden, denken nicht an Morgen, leben den Tag. Die fragile Schönheit des eindringlichen Stücks wird durch das behutsame Sounddesign auf warmen Bassfeldern besonders hervorgehoben.

Nocturnale Sphären erreicht gar das majestätische "Heroine" in seiner Zweideutigkeit des Textes. Wohlige Düsternis legt sich mit fiebrig pulsierenden Bässen und einem omnipräsent schwingenden Synthesizer über den Song, der sich zu Ende hin zu melodisch wundervoller Melancholie in den endlosen Nachtschatten wiegt. "Blindness" und "State Of Mind" erhöhen danach das Tempo und erlauben rockig angehauchte Momente. Während Ersteres eine treibend inszinierte Selbstreflexion darstellt, präsentiert sich letzterer Track mit starkem Chorus und einer mit französischen Wortfragmenten gestaltete Exotik, abermals durch Einsatz sinnlicher Frauenstimmen.

Die Single "Heart Shaped Tumor" steht sinnbildlich für die Euphonie des Albums. Der markante Refrain, der unterstützt durch bedrückend-melidiöse Klaviersätze seine Wirkung nicht verfehlt, profitiert auch hier durch Steffen Keths sanft-prägnante Stimmlage.
Schwebende Soundscapes ermöglicht indessen "Escape The World". Die losgelöst fließende Hook thront alle Zwänge abstreifend über trüben Ebenen des Zwiespalts.

Den Schlussakkord setzt das verträumte "Lonely Day". Ein gräulich wolkenverhangener Himmel, leichter Regenguss, der an den Fensterscheiben abperlt und in winzigen Rinnsalen monotone Spuren hinterlässt dominieren das Bild. Doch durch das Grau dringen vereinzelt funkelnde Sonnenstrahlen und bringen die Wärme zurück. Das sinnierende Stück setzt auf ein sehr prägnantes Soundbild, harmonisch verspielte Elemente beleben die Tristesse und erwecken die Hoffnung in jedem Einzelnen auch an einsamen Tagen nicht gänzlich allein zu sein.

"Two" ist von der ersten Sekunde an pure Emotion im elektronischen Gewand, enorm kraftvoll und herrlich melodisch ausgefeilt. Der ruhige Gegenpol zum elektrisierenden Void und doch so beschwingt.

Hesse sollte wiedereinmal Recht behalten.

9/10















Sonntag, 25. September 2016

Update und neue Bewertungsskala

Die Sommerpause ist vorbei, einige neue Reviews stehen an!

Stay tuned! It's done when it's done..

Ab sofort wird auch das Bewertungssystem auf 10 Punkte erhöht, um mehr Spielraum zu garantieren und einzelne Aspekte genauer zu betrachten/vergleichen zu können.

Avantgarde Stephan händelt das jedoch etwas anders.

Gruß,
Max

Mittwoch, 14. September 2016

Mein Willi will meinen Kaiser zurück

In Amerika ist gerade eine Kunstaktion angelaufen, wo der nackte Trump ausgestellt wird. Spiegel Online stellt dazu ein Video ins Netz.


In Anlehnung an "Des Kaiser´s neue Kleider" von Hans Christian Andersens Märchen, heißt die Aktion "Der Kaiser hat keine Eier"! Ein extrem kleiner Penis ohne Details und eben ohne Eier, man stelle sich die Reaktion des sich so wichtig nehmenden Präsidentschaftskanidaten vor. 

Ob der Spiegel oder andere Medien, die darüber berichten, nun auch eine Klage an den Hals bekommen ist nicht bekannt, beim Majestätsbeleidigungsparagrafen 103, tut sich jedenfalls noch nichts. In den Städten Seattle, San Francisco, Los Angeles, Cleveland und New York City scheint man weiter zu sein, mit dem Kunstverständnis.

Gruß Stephan

Donnerstag, 8. September 2016

Alter Mann und mehr Anerkennung bitte

Joachim Witt - Thron (Review)




Bei dem neuen Meat Loaf / Steinman Album, über einen deutschen NDW Dino sein aktuelles Album was gescheites zu schreiben, ist schon wieder ein Ding was sich auch nicht jeder antun würde. Sagen wir, es ergibt sich schon was. Und ja das darf man ruhig auf beide Alben beziehen.

Joachim Witt bzw. Ulf Kubanke von Laut.de sorgten heute für ein wenig Aufregung im Laut Forum. Witt hat ein neues Album raus gebracht mit dem Titel Thron. Ulf hat dieses Album sehr gut bewertet und damit dem Herrn Witt den Anschub verpasst den er will (brauch?).

Der nahezu aus jeder Zeile Text heraus tröpfelt, nein wie eine Flut umspülen ein teils Zeilen die nach Anerkennung schreien und dann wird es irgendwie nicht meines. Zu hoch geflogen Ikarus und die Flügel sind schon Kohlenstoff.

Ganz bewusst mit den letzten Zeilen irgend eine Metapher mir nun zu eigen gemacht zu haben, um damit Aufsehen zu erregen und natürlich hab ich mir meine Flügel schon oft verbrannt. Aber ich fliege noch, ich liebe es. So in etwa kommen 60 % Prozent der Texte bei mir rüber. Geier beim Sturzflug. Und trotzdem möchte ich eure Anerkennung. Ja stellt euch vor, es soll Musiker geben die Anerkennung haben wollen um fast jeden Preis. Und es mag auch Musikkritiker geben, Blogger wie mich und selbst übliche verdächtige Muppets die teilen alle das gleiche, sie wollen ein Stück vom Kuchen der sich Anerkennung nennt.

Da bleiben trotzdem ca. 40% an Texten und auch musikalisch ein bisschen mehr. Witt ist halt ein NDW Dino, er weiß eigentlich was funktioniert, was unterhält. In Titel aufgeschlüsselt.

Einheit – Der alte Mann und das Meer, nur diesmal bringt er den dicken Fisch komplett ans Land. Witt mit großer Gestik auf kleiner Bühne im Club mit entsprechender Bumsbeat - Beschallung, das wird schon geil. Zu lassen einfach…..

Lebe dein Leben – „Stolperstein“ kommt ganz am Anfang im Text vor und als solcher stellt sich spätestens bei der Frage, wo es hier zum Tod geht?, der textliche Fauxpas auch raus.

Thron – Startet mit einem Fauxpas erster Ordnung, Billigsynthi und dann „Hochmut kommt vor dem Fall“, halt warte dann fliest es, „Einheit, Klugheit, Klarheit, Weisheit, Freiheit“ boom, boom, boom das knallt ins Hirn und vertreibt Trübsal blasen. Gerade durch den misslungenen Beginn und dann sich am eigenem Schopf aus dem textlichen Sumpf ziehen, klar das Highlight auf der Scheibe.

Gehe deinen Weg/Rain from the Past - sind wieder wirklich übel. Kinderchöre der schlimmsten Unheilig Sorte. Trotz deutscher Sprache rührt sich bei mir nichts bzw. was will mir das Orakel sagen?

Weiter mach ich erst mit Winterwald, wo sich das Album noch mal auf bäumt. Witt hört sich wie der alte Witt an. Ehrlich etwas weise, klug voller Melancholie höre ich Harmonien die mich berühren, mich für 4 min. in einen Winterwald mitten im Sommer mit nehmen.

Also alles gut? Nein, richtig gut ist das Album nicht und in so weit verstehe ich auch die Kommentare, bei Laut.de. Witt war, wird, ist nie der deutsche Musiker gewesen der er gerne sein möchte, aber er kämpft und das verdient Anerkennung. Manchmal hat er auch die eine oder andere Perle auf Lager aber nicht auf Albumlänge. Das wird sich auch nicht mehr ändern, selbst wenn Ulf Kubanke Kraftwerk und Rio Reiser zusammen bastelt textlich. 3/5 höchstens wohl wollend und ich bin gerade in Stimmung.

Gruß Stephan

P.S.: Sven, was soll ich dir empfehlen, ich möchte dich nicht verletzen? Halte es einfach wie beim Witt, mal schreibst du völligen Unsinn mal richtige Perlen. Formschwankung? Böse würde ich sagen bleib bei „Pokemon Go“, Schuster. Bin mir aber sicher, das du das nicht zusammen bringst. Leider!

Mittwoch, 7. September 2016

Krieg im Kinderzimmer

Boom Beach meets Plastiksoldaten

Früher war doch alles besser! Auch der nun große Stephan war mal klein und spielte böse Kriegsspiele in seinem Kinderzimmer. Mit seinem damaligen Sandkastenkumpel wurde zu Silvester Kilo weise sich mit Zisselmännchen eingedeckt und zu Weihnachten zuvor gab es Legos (meine Eltern kauften mir nicht so viele gewünschte Legos, sondern eher was sinnvolles in ihren Augen, mein Kumpel hatte aber einen Bruder, somit gab es da mehr Legos) ebenfalls Kilo weise. Bis Ostern hatte man dann ganze Armen an Plastiksoldaten angeschafft und ganz unten in der Legokiste gehortet, neben den Zisselmännchen, damit Mama o. Papa davon nicht Wind bekamen.


Als die ersten Sonnenstrahlen dann durch die Wolken brachen Anfang Mai, nahmen wir unsere Legokisten (ideal waren damals Obstkisten aus Pappe mit Henkel) unter den Arm und begaben uns zum nächsten Rohbau (das "Betreten der Baustelle ist verboten - Schild" bekam in unseren Köpfen eine Sonderrolle als Warnschild vor dem Krieg) wo man außer Sicht der Eltern war und bauten unsere Festungen oder was wir dafür hielten aus den Legos auf. Dann wurden auf, in, um die feindliche Festung unsere Armeen aufgestellt. Es wurde peinlich darauf geachtet das beide Seiten gleich viele Soldaten (mehrere Hundert waren es immer) aufbaute und jedes Nazisymbol (Reichskriegsflagge oder gar Hakenkreuze) was man den deutschen Soldaten beilegen konnte und sich in irgendeinem Artikel in Zeitschriften fand, machte den jeweiligen Kriegsherrn stolz. Das gilt natürlich auch für Amerikanische, Englische, Französische oder gar der wilde Russe Symbolik, wo man auch alles aufbaute/dazu legte was man so fand.


Dann wenn alles stand, wurde erst mal mit Worten das Gefecht begonnen. "Meine Deutschen hätten so wie ich sie jetzt aufgebaut habe, damals dich blöden Ami platt gemacht. Und der Franzose bzw. Tommy war eh zum Kacken zu doof. Gefürchtet hat man schon damals den bösen Russen." Die machten ja nach Stalingrad keine Gefangenen mehr, das wussten auch wir Kinder. Irgendwann war Ende mit Reden und der Würfel, der klassische Würfel von 1 - 6 wurde ausgepackt. 1 = ein Zisselmännchen irgendwo in der Festung des Kumpels zünden, 2 = zwei Zisselmänchen, 3 =  ein etwas dickeres Zisselmännchen zünden, 4 = zwei dickere Zisselmännchen, 5 = Knallfrosch, 6 = ein Chinaböller geworfen und hoffen das er beim auftitschen hoch geht. Wenn der Chinaböller richtig traf konnte er durchaus mit einem Schlag die ganze feindliche Armee vernichten.

Man wir hatten einen Spaß, legendäre Schlachten hab ich heute noch im Kopf. Natürlich waren wir vorsichtig mit den Knallkörpern, unsere Eltern wären sonst sehr ungemütlich geworden. Heute kann ich das sogar nach voll ziehen, erstens Krieg ist keine Spaßveranstaltung, zweitens Feuerwerkkörper egal wie groß gehören nicht in Kinderhände und ich habe selbst zwei Kinder und weiß was man für Ängste hat dass das alles gut geht. Das beziehe ich auch auf die ungefilterte Symbolik mit den Fahnen, die wir uns damals besorgten. Das Beschreiben dieses selbst ausgedachten Spiels soll auch nur beschreiben wie naiv Kinder spielen können und dabei alles ausblenden. Diese Naivität bewundere ich heute noch an Kindern, wenn man sie beobachtet beim spielen.

Spielen tu ich auch heute mit fast 50 noch und manchmal gibt es so Spiele auf dem Smartphone / Tablett bzw. bei mir im Emulator der Android emuliert auf dem PC (inklusive Maus u. Tastaturunterstützung), die bringen einen ein Stück von der oben beschriebenen Naivität zurück. Das Spiel was ich aktuell schon ein halbes Jahr ca. spiele heißt Boom Beach und ist im Playstore von Google einfach zu laden und kostet nichts. Aktuell gibt es nur eine Ressource die man gegen echtes Geld erwerben kann aber nicht muss, das sind Diamanten. Diese beschleunigen den Basisbau oder die Aufrüstung der Truppen die man anheuern kann. Sie finden sich aber in regelmässigen Abständen in Schatzkisten, die sich auf der sichtbaren Karte verteilen. Keine Sorge, selbst wenn man alle Schatzkisten abgeräumt hat, sie tauchen wieder auf.

Man muss kein reales Geld ausgeben, auch der Zeitfaktor ist zu vernachlässigen. Aktuell auf Stufe 47 bei mir, kann der einfache Basisausbau schon mal 2-3 Tage dauern. Das ist ok, weil man kann das Spiel ohne weiteres aus machen und das Gebäude wird weiter gebaut. Jeder Ausbau bringt Punkte, das sind quasi Erfahrungspunkte und hat man eine bestimmte Anzahl zusammen, steigt man im Level bzw. Stufe.Beim Ausbau der eigenen Hauptbasis ist darauf zu achten das man ein gewisses Gleichgewicht hält zwischen Angriffskraft in Form der eigenen Armee und Stärke der Basis.

Beim Basisausbau gibt es drei unterschiedliche Gebäudearten, Abwehrgeschütze angefangen über einen Gewehrturm bis später zum Lasergeschütz was fast die ganze Basis von der Reichweite abdeckt, Lagergebäude (Häuser, Eisen-, Stein-, Holz-, Goldlager, Tresor der einen Prozentsatz Mindestressoursen schützt) und Produktionsgebäude für die vier Grundressourcen. Das zentrale Hauptgebäude muss davor geschützt werden zerstört zu werden. Da die Geschütze unterschiedlich geeignet sind (ein Laser der Panzer mit einem Schuss erledigt, ist schlecht geeignet gegen Horden von Fußsoldaten), man die Reichweite beachten muss, ist der Punkt wo stell ich mein Hauptgebäude hin und wie verteile ich die Geschütze entscheidend um ein stetiges Wachstum zu garantieren.

 

Boom Beach macht Spaß, es ist mir nur zu langsam. Ab Level 30 ca. dauert mir der Aufbau etwas zu lang. Alle paar Stunden hat man einen Haufen von 4-5 Aufgaben, die dann aber binnen 30 min meist abgearbeitet sind. Bezogen auf ein "Free To Play" - Spiel fällt mir auch nichts besseres ein, schließlich wollen die Entwickler auch ein paar Dollar verdienen. Eigentlich würde ich viel lieber die ganzen Features in Plastiksoldaten, Legos und Zisselmänchen haben. Ich würde heute noch in meinem Garten keine Apfelbäume pflanzen, sondern im Sandhaufen hocken und spielen bis der Arzt kommt.

Wertung

Technik: 4/5
Singleplayer: 4/5
Multiplayer: 4/5
Spielspaß: 4/5

Gesamt: 4/5

Fazit: Kinderträume auf den Bildschirm gebracht. Moralisch noch immer verwerflich, durch das Ausblenden des schlechten Gewissens trotzdem gute Sache. Altersempfehlung, nicht unter 12 bzw. ein bisschen Charakterlich gefestigt.

Gruß Stephan

Sonntag, 4. September 2016

De/Vision - Void (2000) Review




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Nachdenkliche Gitarrenklänge, von einem schweren Pianothema umrahmt bilden das Grundgerüst auf dem sich Steffen Keth zu immer ausladenderen Ebenen der sonoren Elegie schwingt.
Zum Ende hin ertönen fernöstliche Chöre und geleiten das Stück mit fremdartiger Erhabenheit hin zur düster-elektronischen Unendlichkeit ("Self-Deception").


Void

Das fünfte Studioalbum De/Visions offenbart gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale. So ist es nicht nur das abschließende Werk als Trio (Keyboarder Markus Ganßert stieg wenige Monate nach Release aus), auch das experimentelle Soundbild, das beim Vorgänger "Monosex" erste Einsätze fand wurde weiter ausgebaut. "Progressive Pop" lautete das neue Credo und somit flossen erneut rockige Beiträge, Samples, krachende Schlagzeugeinsätze anstelle steriler Drumcomputer und allerlei weitere Spielereien in die blankpolierte Elektronik ein.

"Re-Invent Yourself" startet die Versuchsreihe passend betitelt mit majestätisch geprägten Klängen, es knarzt und rauscht im Hintergrund und die gepresst erscheinenden Vocals ordnen sich der frischen Soundformel unter. Der Opener mündet im weiteren Verlauf in einen pulsierenden Rock-Song, dessen losgelöste Spielfreude samt mitreißender Hookline pure Aufbruchsstimmung verbreitet.
Dieses Gefühl entlädt sich vollends im sämtliche Ketten sprengenden "Freedom". Lässig groovende Gitarreneinlagen und abermals satte Drums dominieren die verspielten Strophen. Die schallende Hook setzt sich fest, während der allgegenwärtig surrende Sythesizer das Bindeglied zur elektronischen Welt markiert.

Das in sich ruhende "A Prayer" fährt das Kontrastprogramm auf, ohne dass der rote Faden verloren geht. Entspannende Soundfragmente sorgen hier für wohlige Entschleunigung. Der Refrain ist einnehmend mit sanftem Nachdruck, ohne Pathos wird eine kleine, süßlich angehauchte Oase inmitten mächtig scheppernden Industrialwelten ("Hope Won't Die") platziert. Doch "Void" bietet mehr.

Verzerrte Vocodereffekte, unterschwellig brummende Synthies, eine kaum wahrnehmbare Melodie spielt im Verborgenen, ehe sich "Anywhere" in eine donnernde Walze transformiert, die mit viel Biss und Dynamik die Bässe bis zum Anschlag aufdreht. Melodische Gesangslinien verbindet hingegen "Blue Moon" in der " '99 Void-Style-Version" mit spährischen Klangwogen. Der ursprünglich 1995 erschienene Song bekam zum Jahrtausendwechsel ein Facelifting besonnenerer Art spendiert: Über nächtlichen Gewässern, in denen feine Elektronik mitschwimmt glitzert in kühler Brillianz ein bläulich schimmernder Mond und erhellt das stimmungsvolle Szenario in beruhigenden
Farbtönen.

An anderer Stelle schaltet Keth in den Turbo-Modus und gönnt sich in "Ride On A Star" einen gleichsam poppig-prägnanten wie energiegeladenen Astraltrip. "Give In" mit seiner wabernden Strukturierung, arrhythmischen Drumeinsatz und steigernd-treibenden Ausprägungen liegt schwer über der endlosen Spannung des Albums. Einerseits wie eine Drohung, doch vielmehr als sexuell aufgeladenes Spiel.

Der Highlight des Werks hört jedoch auf den Namen "Foreigner", der ersten Single. Scratches, energetische Bigbeats und ein markiges Tastenmotiv treffen auf punktgenaues Drumset, griffige Vocals und schwebend-spacige Einspielungen. Stark.

Ebenfalls ansprechend ist das finale "Remember" in vordergründiger Schwermut, die jedoch von euphonischen Strophen und einprägsamen Chorus behutsam getragen wird. Die Atmosphäre einer aus starrem Eis geformten Halle wird zwar soundtechnisch erzeugt, dem dagegen stehen jedoch die bestärkenden, positiven Lyrics.
Es existiert ein offizieller Remix dieses Songs, der durch lieblich gespielte Gitarrenparts, weiblicher Vocalbegleitung und luftig inszinierten Synthieflächen dem Text zumindest akustisch näherkommt. Die Originalversion punktet aber vielmehr durch diesen krassen Gegensatz. In trister, kalter Umgebung keimt noch immer der zarte Hoffnungsschimmer, den jeder in sich trägt.

"Void" ist anders, anders als die Alben zuvor und anders als die Alben danach. Kein Song gleicht dem Anderen, doch zusammen agieren sie als Einheit.
Mal düster, mal lebensbejahend, mal zart und zugleich kompromisslos. Ein hochinteressantes Zeitdokument der deutschen Synthiepopgeschichte und der gleichzeitige Wandel für die Band.

Von nun an hieß es "Two".


10/10

Donnerstag, 1. September 2016

Die Höchste Eisenbahn - Wer Bringt Mich Jetzt Zu Den Anderen (Review)



Eigentlich hätte ich an Monsterhunter 3 weiter zu schreiben, aber da kam mir „Die Höchste Eisenbahn“ dazwischen. Und wenn ich ehrlich bin, auch meine Gefühle spielten eine nicht unwichtige Rolle beim Niederschreiben dieser Zeilen. Ob das nun jemand gut findet oder nicht ist mir eigentlich egal, da ich durch das Schreiben meine Gefühle im Zaum halten kann und das macht mich zu einem besseren Menschen. Dass ich das hier texte, kommt mir schon arg komisch vor, schließlich hab ich nichts ausgelassen an Fettnäpfchen, in die man so treten kann. Mich selbst erinnernd sage ich vor mir her, eigentlich wolltest du doch eine Review schreiben!


Ach ja richtig, „Die Höchste Eisenbahn“ heißt die Truppe. 2013 bei ihrem Debüt ist mir genau ein Titel in Erinnerung geblieben und Soundfragmente die an Experimente erinnern. Der Titel lautet „Raus aufs Land“! Wer etwas mit dem Stillstand und dem Traum vom Ausbrechen anfangen kann, der wird diesen Song ebenfalls lieben. Dass der Sänger ein Nuschelkopp ist und herumnölt wie Bob Dylan in seinen besten Tagen, Schwamm drüber, die Hauptsache ist, er bekommt das was er ausdrücken will emotional an den Hörer gebracht. Dann kann man von gelungen sprechen. Nach nochmaligen durchhören des ersten Albums sage ich: Die Soundfragmente zünden auch. Zwar manchmal zu breit gestreut von den Genres, die man einspielt aber unterhaltsam. Ein immer mitwippender Fuß ist ein untrügliches Zeichen dafür.

Nun die zweite Runde. Und nein schlechter ist das Album nicht, im Gegenteil. Diesmal werden gleich fast alle Songs sofort als Hit zünden. Ein bisschen Hirnschmalz in Form von Empathie und Fantasie ist aber von Nöten. Angefangen mit dem ersten Song „Wir haben so lange nachgedacht bis wir wütend waren“ über „Blume“ wippt mein untrüglicher Fuß sofort los. Und will gar nicht aufhören damit. Allenfalls wenn sich Höchste Eisenbahn an Hiphop versuchen, setzt er mal etwas unlustig aus. Das liegt aber wohl daran, dass ich mich im Hiphop mit deutschen Texten fast gar nicht auskenne und ich die meisten deutschen Rapper für Reimidioten halte, die ihre Goldkehlen besser fürs Döner futtern verwenden sollten, anstatt uns „Muddafucker das siebte Siegel“ als große Kunst unterzujubeln. Ja, ich stehe zu meinen (Vor-) Urteilen!

Nochmal zurück zum ersten Album, da hatte ich ja diese Soundfragmente, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Und ich sage euch auch sofort warum, der Sound war so frisch, dass ich ihn gar nicht sofort einordnen konnte. Dann gebe ich schon mal auf, weil Musik soll etwas Leichtes haben vom Zugang her. Das ist diesmal etwas anders, der Sound ist allgemein leichter zugänglich und bedarf keinen Schlüssel mehr. Allerdings sind alle Texte voll Poesie und dafür muss man seine Ohren und vor allem sein Hirn mit seinem Herz koppeln und einen Schlüssel finden. Bei mir liegt der einfach so herum und so hatte ich diesmal den Eindruck, die Jungs haben auch einen Schlüssel gefunden von 2013 bis 2016, aber den anderen verlegt.

Insgesamt setzen „Die Höchste Eisenbahn“ eine gute deutsche Tradition wieder ins richtige Licht, nämlich deutsche Songwriterqualitäten, die in den letzten Jahren etwas verschütt gegangen sind. Jetzt möchte ich nicht mit dem altem Schiller oder Goethe winken, aber ein Grönemeyer mit einem „Bleibt alles anders“ von 1998 hat seitdem, trotz „Mensch“, nichts besseres textlich hin bekommen. Musikalisch ist da noch Luft nach oben, rein textlich ist das aktuelle Album „Wer Bringt Mich Jetzt Zu Den Anderen“ ein echtes Schwergewicht, unter der manche Waage zusammen bricht. Das wäre auch meine zweite Kritik, beim nächsten Album bitte den Schlüssel für beides, nämlich Text und Sound gleich mit ins Cover legen. Aber „Die Höchste Eisenbahn“ befindet sich auf dem richtigen Gleis. Kauftipp des Monats!

Gruß Stephan