Montag, 26. September 2016

De/Vision - Two (2001) Review


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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

So geschehen auch bei De/Vision Ende 2001. Nach der progressiven Wucht des Vorgängers "Void", der für allerlei Kontroverse sorgte, standen die Arbeiten am Nachfolgealbum zunächst unter keinem guten Stern. Nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied Markus Ganßert war die De/Vision plötzlich zum Duo geschrumpft.

Verlust, aber auch Chance zugleich in intimerer Arbeitsatmosphäre elektronische Klangformen markanter zu modellieren und den Einbau eigener Akzente zu intensivieren.
Sänger Keth wollte obendrein nach dem lauten Void ein ruhigeres, balladeskes Album, auch der Weggang vom Major WEA zum Label Drakkar stand an.

Das abstrakte Cover klinisch veredelt in kühlen Blautönen. Der Abschied eines langjährigen Weggefährten, die Stille im Studio, "Two".

Doch anstatt schwermütiger Klangfolgen eröffnet das Album mit stolz schwingenden Tönen.
"All I Ever Do" handelt vom langsamen Zerfall einer ehemals starken Liebe, in der nachlassende Gefühlsregungen die einst rosarote Scheinwelt beständig verblassen lassen. Die durch sanfte weibliche Begleitung verzierte Hookline mäandert durch den schummrigen Raum und sorgt auf dem Höhepunkt des Entliebens für ein seltsam erhabenes Gefühl.

Doch hallt ein leises Seufzen durch den gleichen Raum, angesichts der inneren Leere und aufkeimender Sehnsüchte. "Silent Moan" ist eingängig dynamisch mit satten Drumsets ausstaffiert und erzählt vom zunehmenden Verlangen nach der Nähe zu einem geliebten Menschen.

Doch können die Emotionswellen auch durchaus ins andere Extrem umschlagen.
Die bissige "Uncaring Machine" holt voidsche Gitarrenelemente aus dem Schrank und kreiert eine bedrohlich instabile Grundstimmung schleichenden Hasses, der in einem furios-rockigen Finale kalte Verzweiflung in die Welt feuert. "Your Love Is Killing Me "

"Drowning Souls" hingegen errichtet ein zartes Gebilde aus weichem Pianospiel. Zwei orientierungslose Seelen stehen in ungewissen Nebelschwaden, denken nicht an Morgen, leben den Tag. Die fragile Schönheit des eindringlichen Stücks wird durch das behutsame Sounddesign auf warmen Bassfeldern besonders hervorgehoben.

Nocturnale Sphären erreicht gar das majestätische "Heroine" in seiner Zweideutigkeit des Textes. Wohlige Düsternis legt sich mit fiebrig pulsierenden Bässen und einem omnipräsent schwingenden Synthesizer über den Song, der sich zu Ende hin zu melodisch wundervoller Melancholie in den endlosen Nachtschatten wiegt. "Blindness" und "State Of Mind" erhöhen danach das Tempo und erlauben rockig angehauchte Momente. Während Ersteres eine treibend inszinierte Selbstreflexion darstellt, präsentiert sich letzterer Track mit starkem Chorus und einer mit französischen Wortfragmenten gestaltete Exotik, abermals durch Einsatz sinnlicher Frauenstimmen.

Die Single "Heart Shaped Tumor" steht sinnbildlich für die Euphonie des Albums. Der markante Refrain, der unterstützt durch bedrückend-melidiöse Klaviersätze seine Wirkung nicht verfehlt, profitiert auch hier durch Steffen Keths sanft-prägnante Stimmlage.
Schwebende Soundscapes ermöglicht indessen "Escape The World". Die losgelöst fließende Hook thront alle Zwänge abstreifend über trüben Ebenen des Zwiespalts.

Den Schlussakkord setzt das verträumte "Lonely Day". Ein gräulich wolkenverhangener Himmel, leichter Regenguss, der an den Fensterscheiben abperlt und in winzigen Rinnsalen monotone Spuren hinterlässt dominieren das Bild. Doch durch das Grau dringen vereinzelt funkelnde Sonnenstrahlen und bringen die Wärme zurück. Das sinnierende Stück setzt auf ein sehr prägnantes Soundbild, harmonisch verspielte Elemente beleben die Tristesse und erwecken die Hoffnung in jedem Einzelnen auch an einsamen Tagen nicht gänzlich allein zu sein.

"Two" ist von der ersten Sekunde an pure Emotion im elektronischen Gewand, enorm kraftvoll und herrlich melodisch ausgefeilt. Der ruhige Gegenpol zum elektrisierenden Void und doch so beschwingt.

Hesse sollte wiedereinmal Recht behalten.

9/10















1 Kommentar:

  1. Huhu Max,

    du hast mich ja gebeten das hier zu kommentieren. Nun erstens ich mag derartige Mucke auch, das weißt du ja schon. Beim ersten Album sagtest du ja selber, sehr nahe dran an Depeche Mode, was auch eher eine Auszeichnung ist. Bei Depeche Mode mag ich besonders die heftigen Klänge, wenn der Syntie dir dein Hirn zurecht stutzt und du anschließend die Puzzlestücke einsammelst und anfängst es zusammen zu setzen.

    Nun also was ruhiges und die Synties klingen nach Synties, als kleiner Spaß. Nein nicht wirklich, starke Emotion so wie du sie beschreibst gehen für mich nicht einher mit Synties. Im Kopf tropfen Bites und Bytes nicht. Bezogen auf Synthetische Mucke geht nur 1 u. 0, natürlich in wilder Varianz und am besten laut den Hammer schwingend.

    Deshalb würde ich Two insgesamt als Weichspülmucke bezeichnen. Blindless war Titel Nr. 5 und das erste Stück wo ich einen Moment länger nicht an skipen dachte, sorry. Auch beim ersten Stück gab es so einen Moment wo der Sound von rechts nach links wandert als Stereotrick, da hörte ich etwas länger hin. Das mir persönlich einfach zu flach und zu wenig, deshalb wenn es den sein muss eine Note. Mitbloggerbonusgedächtnisnote = 6/10!

    Gruß Stephan

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