Donnerstag, 1. September 2016

Die Höchste Eisenbahn - Wer Bringt Mich Jetzt Zu Den Anderen (Review)



Eigentlich hätte ich an Monsterhunter 3 weiter zu schreiben, aber da kam mir „Die Höchste Eisenbahn“ dazwischen. Und wenn ich ehrlich bin, auch meine Gefühle spielten eine nicht unwichtige Rolle beim Niederschreiben dieser Zeilen. Ob das nun jemand gut findet oder nicht ist mir eigentlich egal, da ich durch das Schreiben meine Gefühle im Zaum halten kann und das macht mich zu einem besseren Menschen. Dass ich das hier texte, kommt mir schon arg komisch vor, schließlich hab ich nichts ausgelassen an Fettnäpfchen, in die man so treten kann. Mich selbst erinnernd sage ich vor mir her, eigentlich wolltest du doch eine Review schreiben!


Ach ja richtig, „Die Höchste Eisenbahn“ heißt die Truppe. 2013 bei ihrem Debüt ist mir genau ein Titel in Erinnerung geblieben und Soundfragmente die an Experimente erinnern. Der Titel lautet „Raus aufs Land“! Wer etwas mit dem Stillstand und dem Traum vom Ausbrechen anfangen kann, der wird diesen Song ebenfalls lieben. Dass der Sänger ein Nuschelkopp ist und herumnölt wie Bob Dylan in seinen besten Tagen, Schwamm drüber, die Hauptsache ist, er bekommt das was er ausdrücken will emotional an den Hörer gebracht. Dann kann man von gelungen sprechen. Nach nochmaligen durchhören des ersten Albums sage ich: Die Soundfragmente zünden auch. Zwar manchmal zu breit gestreut von den Genres, die man einspielt aber unterhaltsam. Ein immer mitwippender Fuß ist ein untrügliches Zeichen dafür.

Nun die zweite Runde. Und nein schlechter ist das Album nicht, im Gegenteil. Diesmal werden gleich fast alle Songs sofort als Hit zünden. Ein bisschen Hirnschmalz in Form von Empathie und Fantasie ist aber von Nöten. Angefangen mit dem ersten Song „Wir haben so lange nachgedacht bis wir wütend waren“ über „Blume“ wippt mein untrüglicher Fuß sofort los. Und will gar nicht aufhören damit. Allenfalls wenn sich Höchste Eisenbahn an Hiphop versuchen, setzt er mal etwas unlustig aus. Das liegt aber wohl daran, dass ich mich im Hiphop mit deutschen Texten fast gar nicht auskenne und ich die meisten deutschen Rapper für Reimidioten halte, die ihre Goldkehlen besser fürs Döner futtern verwenden sollten, anstatt uns „Muddafucker das siebte Siegel“ als große Kunst unterzujubeln. Ja, ich stehe zu meinen (Vor-) Urteilen!

Nochmal zurück zum ersten Album, da hatte ich ja diese Soundfragmente, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Und ich sage euch auch sofort warum, der Sound war so frisch, dass ich ihn gar nicht sofort einordnen konnte. Dann gebe ich schon mal auf, weil Musik soll etwas Leichtes haben vom Zugang her. Das ist diesmal etwas anders, der Sound ist allgemein leichter zugänglich und bedarf keinen Schlüssel mehr. Allerdings sind alle Texte voll Poesie und dafür muss man seine Ohren und vor allem sein Hirn mit seinem Herz koppeln und einen Schlüssel finden. Bei mir liegt der einfach so herum und so hatte ich diesmal den Eindruck, die Jungs haben auch einen Schlüssel gefunden von 2013 bis 2016, aber den anderen verlegt.

Insgesamt setzen „Die Höchste Eisenbahn“ eine gute deutsche Tradition wieder ins richtige Licht, nämlich deutsche Songwriterqualitäten, die in den letzten Jahren etwas verschütt gegangen sind. Jetzt möchte ich nicht mit dem altem Schiller oder Goethe winken, aber ein Grönemeyer mit einem „Bleibt alles anders“ von 1998 hat seitdem, trotz „Mensch“, nichts besseres textlich hin bekommen. Musikalisch ist da noch Luft nach oben, rein textlich ist das aktuelle Album „Wer Bringt Mich Jetzt Zu Den Anderen“ ein echtes Schwergewicht, unter der manche Waage zusammen bricht. Das wäre auch meine zweite Kritik, beim nächsten Album bitte den Schlüssel für beides, nämlich Text und Sound gleich mit ins Cover legen. Aber „Die Höchste Eisenbahn“ befindet sich auf dem richtigen Gleis. Kauftipp des Monats!

Gruß Stephan

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