Mittwoch, 7. September 2016

Krieg im Kinderzimmer

Boom Beach meets Plastiksoldaten

Früher war doch alles besser! Auch der nun große Stephan war mal klein und spielte böse Kriegsspiele in seinem Kinderzimmer. Mit seinem damaligen Sandkastenkumpel wurde zu Silvester Kilo weise sich mit Zisselmännchen eingedeckt und zu Weihnachten zuvor gab es Legos (meine Eltern kauften mir nicht so viele gewünschte Legos, sondern eher was sinnvolles in ihren Augen, mein Kumpel hatte aber einen Bruder, somit gab es da mehr Legos) ebenfalls Kilo weise. Bis Ostern hatte man dann ganze Armen an Plastiksoldaten angeschafft und ganz unten in der Legokiste gehortet, neben den Zisselmännchen, damit Mama o. Papa davon nicht Wind bekamen.


Als die ersten Sonnenstrahlen dann durch die Wolken brachen Anfang Mai, nahmen wir unsere Legokisten (ideal waren damals Obstkisten aus Pappe mit Henkel) unter den Arm und begaben uns zum nächsten Rohbau (das "Betreten der Baustelle ist verboten - Schild" bekam in unseren Köpfen eine Sonderrolle als Warnschild vor dem Krieg) wo man außer Sicht der Eltern war und bauten unsere Festungen oder was wir dafür hielten aus den Legos auf. Dann wurden auf, in, um die feindliche Festung unsere Armeen aufgestellt. Es wurde peinlich darauf geachtet das beide Seiten gleich viele Soldaten (mehrere Hundert waren es immer) aufbaute und jedes Nazisymbol (Reichskriegsflagge oder gar Hakenkreuze) was man den deutschen Soldaten beilegen konnte und sich in irgendeinem Artikel in Zeitschriften fand, machte den jeweiligen Kriegsherrn stolz. Das gilt natürlich auch für Amerikanische, Englische, Französische oder gar der wilde Russe Symbolik, wo man auch alles aufbaute/dazu legte was man so fand.


Dann wenn alles stand, wurde erst mal mit Worten das Gefecht begonnen. "Meine Deutschen hätten so wie ich sie jetzt aufgebaut habe, damals dich blöden Ami platt gemacht. Und der Franzose bzw. Tommy war eh zum Kacken zu doof. Gefürchtet hat man schon damals den bösen Russen." Die machten ja nach Stalingrad keine Gefangenen mehr, das wussten auch wir Kinder. Irgendwann war Ende mit Reden und der Würfel, der klassische Würfel von 1 - 6 wurde ausgepackt. 1 = ein Zisselmännchen irgendwo in der Festung des Kumpels zünden, 2 = zwei Zisselmänchen, 3 =  ein etwas dickeres Zisselmännchen zünden, 4 = zwei dickere Zisselmännchen, 5 = Knallfrosch, 6 = ein Chinaböller geworfen und hoffen das er beim auftitschen hoch geht. Wenn der Chinaböller richtig traf konnte er durchaus mit einem Schlag die ganze feindliche Armee vernichten.

Man wir hatten einen Spaß, legendäre Schlachten hab ich heute noch im Kopf. Natürlich waren wir vorsichtig mit den Knallkörpern, unsere Eltern wären sonst sehr ungemütlich geworden. Heute kann ich das sogar nach voll ziehen, erstens Krieg ist keine Spaßveranstaltung, zweitens Feuerwerkkörper egal wie groß gehören nicht in Kinderhände und ich habe selbst zwei Kinder und weiß was man für Ängste hat dass das alles gut geht. Das beziehe ich auch auf die ungefilterte Symbolik mit den Fahnen, die wir uns damals besorgten. Das Beschreiben dieses selbst ausgedachten Spiels soll auch nur beschreiben wie naiv Kinder spielen können und dabei alles ausblenden. Diese Naivität bewundere ich heute noch an Kindern, wenn man sie beobachtet beim spielen.

Spielen tu ich auch heute mit fast 50 noch und manchmal gibt es so Spiele auf dem Smartphone / Tablett bzw. bei mir im Emulator der Android emuliert auf dem PC (inklusive Maus u. Tastaturunterstützung), die bringen einen ein Stück von der oben beschriebenen Naivität zurück. Das Spiel was ich aktuell schon ein halbes Jahr ca. spiele heißt Boom Beach und ist im Playstore von Google einfach zu laden und kostet nichts. Aktuell gibt es nur eine Ressource die man gegen echtes Geld erwerben kann aber nicht muss, das sind Diamanten. Diese beschleunigen den Basisbau oder die Aufrüstung der Truppen die man anheuern kann. Sie finden sich aber in regelmässigen Abständen in Schatzkisten, die sich auf der sichtbaren Karte verteilen. Keine Sorge, selbst wenn man alle Schatzkisten abgeräumt hat, sie tauchen wieder auf.

Man muss kein reales Geld ausgeben, auch der Zeitfaktor ist zu vernachlässigen. Aktuell auf Stufe 47 bei mir, kann der einfache Basisausbau schon mal 2-3 Tage dauern. Das ist ok, weil man kann das Spiel ohne weiteres aus machen und das Gebäude wird weiter gebaut. Jeder Ausbau bringt Punkte, das sind quasi Erfahrungspunkte und hat man eine bestimmte Anzahl zusammen, steigt man im Level bzw. Stufe.Beim Ausbau der eigenen Hauptbasis ist darauf zu achten das man ein gewisses Gleichgewicht hält zwischen Angriffskraft in Form der eigenen Armee und Stärke der Basis.

Beim Basisausbau gibt es drei unterschiedliche Gebäudearten, Abwehrgeschütze angefangen über einen Gewehrturm bis später zum Lasergeschütz was fast die ganze Basis von der Reichweite abdeckt, Lagergebäude (Häuser, Eisen-, Stein-, Holz-, Goldlager, Tresor der einen Prozentsatz Mindestressoursen schützt) und Produktionsgebäude für die vier Grundressourcen. Das zentrale Hauptgebäude muss davor geschützt werden zerstört zu werden. Da die Geschütze unterschiedlich geeignet sind (ein Laser der Panzer mit einem Schuss erledigt, ist schlecht geeignet gegen Horden von Fußsoldaten), man die Reichweite beachten muss, ist der Punkt wo stell ich mein Hauptgebäude hin und wie verteile ich die Geschütze entscheidend um ein stetiges Wachstum zu garantieren.

 

Boom Beach macht Spaß, es ist mir nur zu langsam. Ab Level 30 ca. dauert mir der Aufbau etwas zu lang. Alle paar Stunden hat man einen Haufen von 4-5 Aufgaben, die dann aber binnen 30 min meist abgearbeitet sind. Bezogen auf ein "Free To Play" - Spiel fällt mir auch nichts besseres ein, schließlich wollen die Entwickler auch ein paar Dollar verdienen. Eigentlich würde ich viel lieber die ganzen Features in Plastiksoldaten, Legos und Zisselmänchen haben. Ich würde heute noch in meinem Garten keine Apfelbäume pflanzen, sondern im Sandhaufen hocken und spielen bis der Arzt kommt.

Wertung

Technik: 4/5
Singleplayer: 4/5
Multiplayer: 4/5
Spielspaß: 4/5

Gesamt: 4/5

Fazit: Kinderträume auf den Bildschirm gebracht. Moralisch noch immer verwerflich, durch das Ausblenden des schlechten Gewissens trotzdem gute Sache. Altersempfehlung, nicht unter 12 bzw. ein bisschen Charakterlich gefestigt.

Gruß Stephan

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