Dienstag, 25. Oktober 2016

Autos für Muschies

Von A nach B

Unsereins besitzt zwei Autos. Mensch, du kannst das Geld wohl scheißen?! Nein, das kann ich natürlich nicht. Eines der Autos ist 21 Jahre alt und fällt auseinander. Außerdem fahre ich es gar nicht, sondern mein Sohn (ab und zu bringt er mich z. b. zum Arzt). Es hat aber noch fast ein Jahr TÜV und ich habe es ihm zum Berufsabschluss mehr oder weniger geschenkt (damit er zur Arbeit kommt!).

Das zweite Auto ist auch ein Kleinwagen, den meine Frau überwiegend fährt und unsere Baustellen (das kleine Haus was ich renoviere) - Arbeit A - B Auto umkurvt. Man nennt solche Autos auch Vernunftautos, bilde ich mir ein. Wenn ich die Vernunft ausschalte, wäre mir nach Porsche oder Ferrari und die Traktionskontrolle wäre zu 100% nie eingeschaltet. Wer kann sich sowas schon leisten?

Geld ist zum ausgeben da, man lebt nur einmal!


Jetzt begab es sich, dass der Wagen unseres Sohnes kaputt ging, ein platter Reifen (Sohn hat Luftdruck nicht kontrolliert aus Unerfahrenheit) und vorne leicht logischerweise schleifte bei Gullis z.B., insgesamt ein Schaden von 120 Euro, kein Beinbruch selbst bei dem Gehalt meiner Frau. Unser Auto musste über den TÜV. Beim auf die Bühne fahren - und ich hatte schon vor etwas mehr als einem Jahr kein gutes Gefühl (damals relativ günstig und innen zerkratzt in Kauf genommen) - wurden etliche Fehler festgestellt. Gut 500 Euro muss ich wohl rein stecken. Auch kein Beinbruch.

Jetzt hab ich ein paar Optionen!

Vernunftoption: Beide Autos reparieren und auf fahren. Die günstigste Variante, meiner Krämerseele die angenehmste Variante. Meiner Spaßseele zu vernünftig.

Hau wen übers Ohr und nach mir die Sintflut-Option: Nur den ganz alten Wagen reparieren und den anderen gar nicht, TÜV fällt dann auch weg, privat verkaufen und dann in die Vollen: 15000 Euro finanzieren und Spaß haben mit dem neuem Gefährt. So machen es wohl viele und ich sage mir: Das ist ein Grund, warum unsere Gesellschaft so voller Misstrauen ist und nicht gescheit auf die Füsse fällt bzw. sich hält. Das wird nicht meine Option und ich kann davon auch nur abraten. Ich will kein Arschloch sein wie alle anderen.

Die Spaß - Vernunft-Kombi-Option: Beide Autos reparieren, unsern über den TÜV neu für 2 Jahre und damit dann ein Auto in der 5000 - 6000 Euro Kategorie kaufen. Meine Frau wählt (Marke, Farbe, etc.), weil sie fährt ihn ja auch zu 90%. Eine Finanzierung, die man bezahlen kann und niemand wird übers Ohr gehauen und man ist safe wieder unterwegs. Glaube, genau so mache ich es.

Ok, ich habe keine Ahnung von Autos, eigentlich ist es mir egal. Die Überlegung, wie ihr mit euren Autos umgeht o. kauft,  kann ich euch nicht abnehmen. Liebe Leute, ich bitte euch nur, schaltet euer Hirn ein vor dem Autokauf und lasst die fetten SUV´s nie in das selbige rein. Ausführungen, warum ausgerechnet SUV´s ich so ablehne spare ich mir nun, wer da nicht von alleine drauf kommt, der hat bis hier hin den falschen Text gelesen. Und tschüss.

Update Option: Wir haben kein Bock auf suchen, die olle Möhre fährt und ist hässlich (Babyblau geht garnicht), also Gnadenbrot erstmal. 

Gruß Stephan

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 3



 
PJ Harvey - The Hope Six Demolition Projekt (2016)




Bei der Kritik oft gefeierte Songwriterin, ihr Anspruch multipliziert sich nicht unbedingt mit ihrem Publikum. Neue Hörfelder auch hier, die nicht immer in guten Texten münden. Reinhören definitiv (PJ`s neuntes Studioalbum), genau hören ja unbedingt, leider nicht auf Dauer. 3/5 (Skip Wertung)


Monkey3 - The 5th Sun (2013)


 


Phychedelic - Stoner Rock aus Schweizer Landen, Ohrmuscheln auf und Welt da draußen vergessen. Wird wohl einige Zeit im CD Player bleiben. Zum Glück singt dort keiner, stell mir Schweizer Dialekt und harte Töne irgend wie komisch vor. 4/5 (Skip Wertung)


Ideal - Der Ernst des Lebens (1981)




Da hat er mich also wieder. Wer diese Truppe damals nicht ernst nahm, sie gaben der NDW den tieferen Sinn, hat bis heute keine Popmusik gehört. Annette Humpe ist als Produzentin bis heute aktiv (nichts Gegenteiliges gehört) und mit Ich + Ich (2009) auch wieder als Sängerin zu hören gewesen. 5/5 (Skip Wertung)


Yorick van Norden – Happy Hunting Ground (2015)






Niederländer? Alter keine Ahnung? Macht Musik mit Band. Erstes Album? Jedenfalls hört's sich gut nach Bruce Springsteen und Konsorten an und das ist ja mal nicht schlecht. Irgend wie hat nur Spotify den in ihrer Liste, etwas wenig Jungs, gebt mal Gas. Na gut jetzt hab ich euch auf dem Schirm! 3,5/5 (Skip Wertung und 0,5 Debüt als Schwiegersohn?)


IAMX - Metanoia (2015)




Das wird meinen Spezi Max interessieren. Chris Corner heißt hier der Tastenhexer und spielt Synthiepop erster Güte. Engländer, da wo die gute Mucke zuhause ist und läuft fast gänzlich von Britpoptrademarks enkernt rund. Seine Stimme erzeugte leichte Unwucht bei mir, da er irgendwie quitschend schreit ab und an. 4/5 (Skip Wertung)

Gruß Stephan


Sonntag, 23. Oktober 2016

Lassie ist wieder da! Wen rettet sie diesmal?

 
Lassie - wer kennt die Serie nicht? Eine Hündin (in Wirklichkeit waren es wohl etliche Langhaarcollies, die in der Fernsehserie eingesetzt wurden) rettet immer ein paar Menschen und das in einer fast naiv bunten, aber schönen Bergwelt in den USA. Man mag das im Nachhinein kritisch sehen, es nicht mögen deshalb, alles richtig. Man mag das auch mitverantwortlich machen für ein heutiges Bild, was man von den USA hat. Lassie tut einfach gut unterhalten, es tat es zu Zeiten der Entstehung und es tut es heute noch, wenn man so einiges an Ungereimtheiten weg blendet. Inzwischen reicht einem die reine Unterhaltung nicht mehr, wirklich viele Tierfilme werden nicht mehr gedreht. Ich werde nun ein paar Filme vorstellen, die man gesehen haben sollte in den letzten 21 Jahren, und ja, sie decken alles ab, was gute Filme fürs Kino ausmacht. Also Taschentücher bereit legen, Chips auch, Nachos und Salsasoße, Bier und Cola, wohl bekomms.


1. Ein Schweinchen Namens Babe (Australischer Familienfilm, 1995)



Man, so lang schon wieder her, kommt mir so vor als wär's gestern gewesen. Ein Film für die ganze Familie, kommt nahezu ohne Brutalität aus, auch wenn er in Australien gedreht wurde, schwingt der klassische feinsinnige englische Humor mit. Wer das mit seiner Familie nicht schaut, ist selber schuld und hat sich was entgehen lassen. Alleine ihn sich geben lohnt nicht, als Familienfilm unverzichtbar. Aus cineastischer Sicht kein Hollywoodfilmmaterial, eher europäische Einflüsse (nicht nur der Humor), sparsame Tricktechnik. Insgesamt wurden 48 Ferkel ausgebildet für die Hauptrolle. Diese durften nicht geschlachtet werden, was James Cromwell (männlicher Hautdarsteller) wohl zum Veganer machte. Verbreitet eine frohe Botschaft.


2. Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg (USA, biografisches Drama, 2003/2004)




Klassisches Drama, das man sich auch in der 20igsten Wiederholung geben kann. Eine Geschichte, die das Leben schrieb und natürlich hollywoodlike bombastisch in Szene gesetzt wurde. Man sieht dem Film sein Budget an, Blockbuster, aber es stört mich nicht. Das Pferd kommt nicht zu kurz, die Story ist ein „Must Have“. Tränenreich, tolle Schauspieler, schöne Schauspieler. Pferderennsport mag man kritisch sehen, wenn man es leidenschaftlich betrachtet ist es wie überall im Leben, man erkennt die Wahrheiten oder Weisheiten von allein. Sieben Oscar-Nominierungen sprechen für sich, dass er keinen gewann ebenfalls. Der einzige Film, dessen Ende ich mir immer mal wieder anschaue und hier auch verlinke. Spoileralarm, eigentlich. Verbreitet eine, von der Bedeutung fürs Leben, sehr wichtige Botschaft.






3. Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft (USA, biografisches Drama, 2009)




Wieder eine wahre Story. Bin in den Film eher durch Zufall, meine Tochter wollte an dem Abend unbedingt mit ihrem Vater ins Kino und es lief nichts anderes. Ok, Richard Gere kommt auch bei Töchtern immer noch an. Empfehlung: einen Berg Taschentücher bereit legen, ihr werdet sie wirklich brauchen. Das ist mir vorher und auch hinterher nie wieder passiert, die letzte halbe Stunde haben sich die ca. 20 Kinogäste alle in ihre Sessel gedrückt und Bäche an Tränen vergossen. Unglaublich, fast surreal in der Rückschau. Kann ihn mir heute nicht mehr anschauen, nicht weil er so schlecht war, nein, weil er Kino im allerbesten Sinne ist und die Emotionen rüber bringt, wie es nur Kino transportieren kann. Wenn die Möglichkeit sich ergibt, auf möglichst großer Projektionsfläche (Beamer) schauen.

So drei Tierfilme nur, ich hätte noch ein paar auf Lager, die aber alle nicht so gelungen sind wie die oberen drei. Man mag zu Tierfilmen stehen wie man will, Stunts/Tricks mit Tieren ablehnen, der Kontext, dass insbesondere Haustiere, domestizierte Tiere zu unseren wichtigsten Begleitern zählen, der ist einfach da. Als Fleischesser lass ich mich auch nicht beschimpfen oder diskreditieren, schon gar nicht durch Tierfilme, die wirklich gut gemacht sind. Nein der Lebenshunger, den wirklich gute Filme vermitteln können, ist einfach unstillbar. 

Gruß Stephan





 

Montag, 17. Oktober 2016

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 2

Mix der Woche Spotify (Stephan - 17. 10. 2016)



Public Image Ltd. - This Is What You Want…This Is What You Get (1983 /  2011 Remaster)


Bei dem Albumtitel macht es bei mir klingelling der Weihnachtsmann ist da und schürt sofort Erwartungen, die mit Sicherheit über den Haufen geworden werden. This Is Not A Love Song war in meiner damaligen Stammdisco ein Hit. Post Punk und schräger New Wave atmet Tristes der Thatcher Ära. 5/5 (Skip Wertung)



Gazpacho - Night (2007) 


Erst der dritte Song im Mix, wo mein Ohr hängen bleibt und schon zweites Album. Neo Prog aus Wikingerlanden (Norwegen) der deinem Ohr keine Wahl lässt, als zu schmelzen in der Mitternachtssonne. 5/5 (am liebsten nicht Skip Wertung)




Emigrate – Silent So Long (2014) 


Richard Kruspes zweites Album, bisschen Rammstein, viele Gastinterpreten (Lemmy u. Marilyn Manson unter anderem), etwas kühlere Härte. Drüber und weg hör geeignet aber nicht mehr. 3/5 (Skip Wertung)

 


El Caco – Hatred, Love & Diagrams (2012)


Schon wieder norwegische Wikinger, diesmal aber Entspannung pur. Stoner Rock, geradeaus und erdig. Bagger fahren spielen wohl auch Frauen gern, nur mit dem Einparken lassen sie besser Mann ran. Anleitung zum Mann sein dürfen. 4/5 (Skip Wertung)
   


The Slow Show – Dream Darling (2016)


Breaking News, Taschentuchalarm und wenn ihr meint auch Pulleralarm. Im August hab ich diese Truppe entdeckt und als Entdeckung des Monats ab gefeiert. Nun schieben sie ihr neustes Werk nach. 5/5 (nichts mit Skipen, erst mal in Dauerrotation)

So das war es für diese Woche, viel Spaß damit!

Gruß Stephan





Samstag, 15. Oktober 2016

Sarajevo









Seit gut zwei Jahren wurde diese Reise geplant und immer wieder verschoben. Nicht gerade die beste Jahreszeit, eine lang geplante Fahrt nach Bosnien, nach Sarajevo anzutreten: die letzte Novemberwoche 2009. Die Neugier ist groß: Was ist das für eine Stadt, die in Europas Geschichte immer wieder blitzartig auftaucht, um dann auf Jahrzehnte wieder in Vergessenheit zu geraten? Der 28. Juni 1914, die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg, dann die Olympischen Winterspiele 1984 mit dem Maskottchen, einem Wölfchen, Katharina Witt, der „Bolero“ von Torvill/Dean. Und der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995. Krieg in Europa, eine belagerte Stadt, vor der eigenen Haustür…. Was ist das für eine Stadt, die Europa verkörpert und doch schon Orient ist?

Unterwegs
Autobahnen. Einerlei: Berge, Tunnels, Berge. Im Dunkeln Ljubljana, Straßen, Hochhäuser, Industrieschornsteine. Nebel, kaum zehn Meter Sicht. Nachts, in Kroatien. Tausende ewige Lichter rot von Friedhöfen leuchtend. Nebel.  Als der sich lichtet: Republik Serpska. Bloß die Geschwindigkeitsbeschränkung einhalten – die hinter jeder Kurve lauernden Streifenwagen finden allemal einen Grund, Autos mit ausländischen Kennzeichen anzuhalten. Ein einträgliches Geschäft. Oder Schikane. Oft beides. Merkwürdig, daß es in der Erinnerung  immer Nacht war. Da war doch auch mal die Bosna, deren Lauf wir am Tag folgten? Landstraßen, mal ein Stück Autobahn, Landstraßen – Berge und Fluß.
Foto: Lejla Avdic

Sarajevo,
13 Jahre nach Kriegsende. Ein Gewirr von Straßen und Hochhäusern, an den Fassaden Einschläge der Granaten. Ruinen neben Rohbauten. Ankommen in Mojmilo, als Olympisches Dorf für die Winterspiele 1984 hochgezogen; die kleine 2-Zimmer-Wohnung der Freundin bietet Ausblick auf die König-Fahd-Moschee, einen Riesenbau, von Saudi-Arabien finanziert und mit Bibliothek und Gemeinschaftsräumen, Unterrichtszimmern usw.  ausgestattet: Treffpunkt der Salafisten, längst nicht von allen Muslimen Sarajevos geschätzt – auf einen Supermarkt, andere Hochhäuser – und nach hinten raus auf einen grünen Hang, das SOS-Kinderdorf und daneben das Kinderheim einer islamischen Organisation.
Am Morgen -ich hab‘ es in Nura und Nermin, meinen Gastgebern, mit Langschläfern zu tun - mache ich mich auf die Suche nach einer Bäckerei, immer der Nase nach. Schon an der nächsten Ecke grüßt Vucko, das Maskottchen von 1984,  (Wutschko. Ich hab hier nicht die passende Tastatur) breit grinsend von einer Fassade herunter: ein schönes Wiedersehen! Etwas blaß, aber von Schüssen verschont geblieben. Wenige Meter weiter ein Denkmal für die Verteidiger des Viertels: neben muslimischen immer wieder serbische und kroatische Namen… nein, das war kein „ethnischer Konflikt“. Das war ein Krieg des Nationalismus gegen die Menschlichkeit. Ein Krieg machtgieriger Politiker und aufgeputschter Nationalisten gegen Offenheit und Herzlichkeit. Da, eine Bäckerei! Mit viel Gestikulieren, Fingerzeigen und Gelächter kaufe ich, was duftet, und mache mich auf den Heimweg, wo mich schon der Kafa erwartet…. 
Foto: Lejla Avdic


Eine Fahrt in die Altstadt. Immer wieder die Hinweise auf neu errichtetes, renoviertes. Aber auch immer wieder die Spuren der Zerstörung – hier die Sniper Alley, das sanierte Holiday Inn, in den gleichen scheußlichen Farben wie zuvor. Die Miljacka entlang, die mich an Freiburg erinnert: Freiburg liegt bisweilen an der Dreisam… die stellenweise die Grenze  zwischen Belagerten und Belagerern war. Das Auto,  ein Golf (Sarajevo und der VW Golf wären eine eigene Geschichte wert!) wird auf einem bewachten Parkplatz abgestellt, andernfalls fände man es später womöglich nicht mehr.  Wir überqueren die Miljacka an der Nationalbibliothek, die gerade renoviert wird, und betreten die Bascarscija, ein Gewirr von grauen Häuschen, in jedem Untergeschoß ein Laden. In jeder Gasse ein Handwerk: Kupferschmiede, Schuhmacher, Teppiche, Touristisches, Cafés…. Orient! Menschenmassen ohne Hektik unterwegs, ältere Männer oft noch mit Baskenmützen, die unter Tito die Kopfbedeckung männlicher Muslime ersetzte. Gelegentlich ein Bärtiger, Frauen mit Hijab neben und auch mal Arm in Arm mit Frauen in Minirock, mal modisch, mal einfach, mal zeitlos elegant – eine europäische Großstadt mit Orientflair. Zentral sind hier, obwohl nicht zentral gelegen, der Sebilj, ein einstiger öffentlicher Brunnen, und die Begova, die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, ein der ältesten Moscheen Bosniens, mit dem außerhalb des Moscheegeländes stehenden Uhrturm, der Sahat kula. An der Ecke sprudelt ein Brunnen: „Wenn du davon trinkst“, meint die Freundin, „wirst du wieder nach Sarajevo zurückkehren!“
Sarajevo: die katholische Kathedrale, die Ewige Flamme, Konsumtempel – das islamische Opferfest ist in diesem Jahr weihnachtlich geschmückt, das geht hier selbstverständlich nebeneinender, wie man auch gemeinsam feiert – in einer Straße, die ähnlich in einer österreichischen Stadt liegen könnte: Häuser entstanden unter der Herrschaft der Habsburger, Prunkbauten der Gründerzeit. Das Franziskanerkloster und die zugehörige Brauerei jenseits der Miljacka am Hang gelegen, die Synagoge am Miljacka-Ufer, die Ruine der Zigarettenfabrik (Sarajevo Marlboro…  - ich nehme mal an, diese langgestreckte Ruine war die Zigarettenfabrik, heute finde ich keine Bilder oder Hinweise mehr darauf. Das Denkmal für die UN-Hilfslieferungen: eine goldene Blechdose. Der Inhalt dieser Dosen, eine Art Rindfleisch, war so wenig schmackhaft, daß sogar die Katzen und Hunde es verschmähten, ein Erinnerungsort für Tito, das klassisch bosnische Wohnhaus als Museum, Inat Kuca, das Trotzhaus, umwerfende Balkanküche in einem Haus mit einer Geschichte für sich…

Morica Han,
die alte Karawanserei, in der Bascarscija gelegen, ein von den typisch niedrigen grauen Häusern des Viertels gebildeter Innenhof, ein Café, ein Teppichladen unter offenen Arkaden – alle Farben Persiens leuchten gegen den grauen Tag an. Inmitten ein großgewachsener junger Mann mit tiefbraunen Locken und tieftraurigem Blick. Rafid erzählt mit einem Lächeln vom Verkauf, von Touristen und den Einheimischen, die hier kaum Kunden sind, von der Musik, von der er gern leben würde, von gelegentlichen Einnahmen als Fotomodell und wie mühsam es ist, im Land zu leben. Wie die Politik, die aufgezwungene Verfassung, das Leben abschnüren, die Grenzen zwischen den Menschen festschreiben. Wie sehr die Wunden des Krieges heute noch schmerzen, erzählt er nicht … er war ein Kind in der belagerten Stadt. Er sieht eine trübe Zukunft. Und lacht. Und schmiedet Heiratspläne.

Heiratspläne  
schmiedet auch Aida. Wir lernen Aida bei einem Besuch bei Jutta kennen. Jutta kommt aus Thüringen, nennt sich seit ihrem Übertritt zum Islam Safeta und ist mit einem bärtigen mit Nachthemd bekleideten Bosnier verheiratet, der an der Fahd-Moschee Klamotten verkauft. Jung, naiv und unbedarft erzählt sie von den Ansichten ihres Mannes über den Islam. Der vertritt nun alles andere als die offene, weltzugewandte Seite des Islam, der Bosnien so liebenswert macht. Aida wiederum kommt vom Land und soll oder will hier ihrem Zukünftigen begegnen, der nicht mehr jung ist, verheiratet und sich gern eine junge arbeitsame und anspruchslose Zweitfrau zulegen will. Aida ist Anfang Dreißig, also auch nicht mehr jung, mittellos und ohne Familie. Und hin- und hergerissen. Sie habe keine andere Wahl, meint sie.
Ganz anders Jasmina. Groß, schlank, honigblond, modisch elegant, empfängt sie uns in ihren kleinen, aber gepflegten vier Wänden. Sie hat das Glück, einen Halbtagsjob in der Deutschen Botschaft in Sarajevo gefunden zu haben. Und das zusätzliche Glück, daß auch ihr Mann Arbeit hat: eine Seltenheit. Doch auch hier dreht sich das Gespräch um Alltagssorgen: die Gehälter zu niedrig im Vergleich zu Lebenshaltungskosten, zu viele junge Menschen ohne Zukunftsperspektive, zu viele, die das Land verlassen: „Die Gebildeten, die Weltoffenen gehen, es kommen und bleiben die vom Land und bringen ihre Traditionen, ihre Kopftücher  und ihre Feindbilder mit. Sarajevo verarmt geistig und intellektuell.“ Und immer wieder nationalistische Töne aus der Politik. „Früher hat keiner darauf geachtet, ob du nun einen bosnischen, kroatischen oder serbischen Namen hast.“  
Wir besuchen andere Frauen, hören andere Geschichten. Immer dabei: die unvermeidliche Plastiktüte, gefüllt mit Kaffee, Süßigkeiten, Obst … Man teilt ungezwungen und großherzig in einem Land, in dem viele sich wenig leisten können. Man begrüßt sich, auch Fremde, mit einem herzlichen Lächeln und einer Umarmung. Freude geben kostet nichts. Aber es wärmt.

Kontraste
prägen die Stadt. An den Hängen die alten Stadtviertel, teils noch in traditioneller Bauweise, teils kleine moderne Häuschen, die sich anpassen. Und Friedhöfe, nicht eingegrenzt durch Mauern, nahtlose Übergänge zwischen Leben und Tod – weiß leuchten die Grabsteine überall von den grünen Hängen.


Verläßt man, entlang der Miljacka, das alte Sarajevo, beherrschen Hochhäuser das Bild: der Avaz Twist Tower, der von der Aussichtsterrasse einen wunderbaren Ausblick und im Inneren eine Ausstellung über das belagerte Sarajevo bietet. Das Parlamentsgebäude, die UNIS-Türme… weiter Richtung Flughafen und Butmir wird neben Ruinen neu gebaut: Ein- und Zweifamilienhäuser, die zumeist leerstehen oder zu unerschwinglichen Preisen vermietet werden, gebaut von Diaspora-Bosniern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, die in der Heimat Urlaub machen und in Nostalgie baden. Und die ehemaligen Olympischen Dörfer, gesichtslose Hochhaussiedlungen, die Fassaden immer noch geprägt vom Krieg. Im Erdgeschoß eines dieser Hochhäuser in Dobrinja lebte währen der Belagerung mein Gastgeber Nermin, direkt an der Frontlinie: Griffen die Serben vom gegenüberliegenden Hang aus an und waren überlegen, flüchteten die Verteidiger durch das Wohnzimmer seiner Eltern. In Dobrinja begann auch der Tunnel, der unter dem Flughafen nach dem außerhalb der Stadt liegenden Butmir führte: drei Kriegsjahre lang wurde Sarajevo über ihn mit Nachrichten, Nahrungsmitteln und Waffen versorgt, viele Menschen konnten durch ihn fliehen. Heute ist an seinem Ausgang in Butmir ein kleines Museum, der Tunnel selbst einige Meter weit begehbar. Das alles schaue und höre ich mir an, in Nura habe ich eine kundige Fremdenführerin, die Bilder sprechen für sich – und nach nur wenigen Minuten habe ich genug. Zuviel. Und stürze mich auf die Katzen der Familie Kolar, die sich schnurrend locken, streicheln und kraulen lassen …

Viel wäre noch zu erzählen – vom Krieg, von geflüchteten Kindern, die sich mittlerweile in der Diaspora ein Leben aufgebaut haben, von denen, die für ein freies, von Nationalismen und religiösen Grenzen freies Sarajevo kämpften und heute mit lächerlich kleinen Renten ums Überleben kämpfen. Von Romakindern, die in Müllcontainern wühlen, während ihre Altersgenossen die Schulbänke drücken. Vom Leiden der ungezählten Frauen, die Opfer systematischer Vergewaltigungen wurden, von deren Kindern… all das ist erzählt worden.
Von Einkaufszentren, die westeuropäischen weder an Ausstattung noch Angebot nachstehen, mit Waren, die dem Durchschnittsverdienst eines Bosniers unerschwinglich sind.
Vom Ausverkauf eines Landes, von Politikern, die heute wieder mit nationalistischen Parolen hetzen. Von einer Verfassung, die einen Frieden brachte, der die Grenzen zwischen den Ethnien zementiert, die Minderheiten ausklammert, die eine Verbesserung politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse unmöglich macht. Von einer EU, die fordert, ohne zu fördern, wo es notwendig und sinnvoll wäre. Vom Spott hiesiger Medien über die überdimensionale, überteure Regierung – die Bosnien dem von außen diktierten Dayton-Vertrag zu verdanken hat, an dem nicht gerüttelt werden darf. Von arabischen Investoren, die heute, da Europa kaum mehr Interesse hat, das Land aufkaufen und einen Islam verbreiten, der mit der seit Jahrhunderten in Bosnien gelebten Toleranz nichts gemeinsam hat …
… Aber auch vom bosnischen Humor – diese Fähigkeit, über sich selbst und die eigene Misere zu lachen. Von der Herzlichkeit der Menschen, der Wärme, mit der sie dich aufnehmen. Mit dir teilen… Das Lachen, das Weinen und das letzte Stück Brot.
… Noch ist Sarajevo, dieses Gemenge von Menschen, Ethnien, Religionen das, was es über die Jahrhunderte war: das Jerusalem Europas. Eine Stadt, in der Grenzen keine Rolle spielen. In der der Mensch vor allem Mensch ist, jeder den anderen annimmt, wie er ist. Von Sarajevo könnte Europa lernen.


 





Wer Bosnien-Herzegovina und Sarajevo kennenlernen möchte, dem lege ich den Reiseführer von Amel Salihbasic ans Herz:
Link 1 

Vom Bosnienkrieg und den Jahren danach berichtete Erich Rathfelder:

Brigitte
 

Vorstellung Lektorin Brigitte Augspurger - Ein Reisebericht (Gastautorin Brigitte Augspurger)

Max und ich werden ab sofort unsere eigene Lektorin (ist das was Unanständiges?) haben. Damit die Dame auch ja nicht auf dumme Gedanken kommt zur Einarbeitung ihr eigener Reisebericht im Anschluss an diese netten Worte!


Kurz, Brigitte hab ich bei Facebook kennen gelernt und zu schätzen! Ich bin wirklich schlecht in allen Bereichen die gutes Deutsch betreffen und Brigitte hat schon Bücher lektoriert, nun da hat es sich quasi angeboten. Aktuell hat sie auch ihren ersten Beitrag für unseren Blog fertig, eventuell folgen da noch mehr, man(n) und Frau werden sehen.

Ausserdem tut mir es auch bestimmt nicht schlecht, wenn mal ab und an meinem ungezügeltem Chouvinusmus eines Bettvorlegers, Einhalt geboten wird. Das wird Spaß bringen, mit Sicherheit.

Gruß Stephan


 

Freitag, 14. Oktober 2016

Die Würde des Sex ist unantastbar

Ulf Kubanke brachte bei Laut mal wieder einen tollen Kommentar.

props für miley!
die von mia farrow gegen woody manipulierten kinder können einem hingegen leid tun.“


Unsereins, der vor dem Rechner sitzt und das dann liest fragt sich unwillkürlich, was hat den geschätzten Ex- Anwalt denn da geritten? Weit ausholen und den Fall Woody Allen vs. Mia Farrow vs. Eifersuchtsdrama vs. Adoptierte Tochter vs. Missbrauch vs. Sonstige Töchter und Söhne näher zu beleuchten, fehlt es dem Anwalt sicher auch an Durchblick. Das kann es also nicht sein. Mein Gefühl sagt mir, dem Ulf geht es um mehr und er haut ab und zu auch mal was raus.

Da ich selber Familie habe und auch Kinder, schoss mir sofort eine Frage durch den Kopf. Wo wären wir als Familie, wenn ich damals bei meiner frühreifen Tochter mit 13 Jahren und dem 18 Jährigen dummen Bengel, der mit ihr loszog, vor einen Richter gerannt wären?

Das konnte ich nicht bei Laut posten, trotzdem den Inhalt der Frage tu ich für wichtig erachten, am Rande eventuell auch für den Fall Woody. Was ist also der Inhalt? Erstens, kann die Gesetzgebung festlegen, ab wann man Sex haben darf und nicht schwedische Gardinen drohen? Zweitens, was hat das in der Öffentlichkeit zu suchen, ob Mia o. Woody Sexualpraktiken betreiben, die von zugeknöpften Seiten der Gesellschaft mit igitt bezeichnet werden? Drittens, wer hat hier was von was und schlägt da egal wie gedachten Profit raus?

Woody hat sich wohl in die Adoptivtochter von Mia verliebt, um 1990 herum. Bei Verliebten ist es wohl so, dass sie miteinander schlafen, so auch bei Woody u. Soon – Yi Previn. 1992 entdeckte Mia wohl auch Nacktaufnahmen von Previn und das ist doch für eine damals ca. 21 Jahre junge Frau nichts Verwerfliches aus meiner Sicht. Weil Sexualpraktiken zwischen Woody (damals knackige 57 Jahre alt) und seiner ebenfalls knackigen jungen Liebe (oder soll ich sagen Muse) stell ich mir schon irgendwie erregend (verschrobener kleinwüchsiger Mann mit Brille und Asiatin rudeln) vor. Ja, ich entwerfe keine Kunstpornos, also Schluss damit.

Wer hat was davon? Woody sicher nicht, die Aufmerksamkeit, die er braucht als Künstler, hat er längst durch seine Kunst erreicht und so feinsinnig sein Werk ist, kann ich mir das auch nicht vorstellen. Aber gefallene Helden hatten wir schon viele, es ist alles möglich. Mia, seltsame Schauspielerin die etwas zu alt wurde, sich hässlich fühlte und dann betrogen wurde von ihrer hübschen Adoptivtochter. Kann auch sein, Rachegelüste spielen in der Tiefenpsychologie eine tragende Rolle bei diversen Sexualpraktiken. Previn ist bei dem ganzem Theater sicher auch nicht die, die davon was hat. Arme Asiatin wird adoptiert um sie von den Straßen eines asiatischen Molochs zu holen und begegnet dann ihrem vermeintlichen Retter, der sie vergewaltigt. Bei Wahrscheinlichkeitsrechnung hab ich nicht aufgepasst, das hört sich nach Blitzeinschlag an. Die Presse bzw. Öffentlichkeit, Tratsch und Ratsch, werden bedient und die geifernde Menge interpretiert sonst was hinein? Ich denke, das ist es, irgendwer der beteiligten Personen setzt seit Dekaden auf diese Karte. Natürlich könnt ihr auch rechnen, Mia gerät da sehr schnell unter Verdacht. Die rachsüchtige Ex-Gattin, vom weiterhin beruflich erfolgreichen Ex-Gatten betrogen, passt schon irgendwie.

Ich glaube das alles nicht, sondern schwinge lieber die zwischenmenschliche Keule. Nehmen wir an, Woody, Mia und Previn wären ganz normale Menschen wie du und ich. Sind sie ja auch, da ist nur eine Öffentlichkeit/Presse, die nach Menschen, Tieren, Sensationen geifert, was uns unterscheidet. Komme ich zurück zu meiner Familie, stelle ich zig Fragen. Die erste, oben zu lesen, was hätte das aus meiner Familie gemacht? Eine nicht weniger wichtige leite ich von der Frage ab, was macht so was aus einer Gesellschaft? Welche Form des Miteinanders und welches Alter halten wir für tolerierbar beim Sex und ist das nicht fließend, sprich war es nicht mal üblich, dass 12-13 Jahre alte Mädchen Kinder bekamen? Wer entscheidet was guter und schlechter Sex ist?

Die Moralkeule ist das denkbar schlechteste Instrument um hier offen zu diskutieren, das steht fest. Die Grenzen sind einfach gesagt viel zu fließend. Hunger, Tod, Krieg verändern als wichtigste Kriterien ständig gelebte Gesellschaftsformen und der Tratsch bremst nur ein wenig die großen Zeiträume ein, die an uns vorbei ziehen.

Gruß Stephan

Dienstag, 4. Oktober 2016

Mix der Woche Spotify persönlich

Max und Stephan nominieren und bewerten nun Woche für Woche ihren Spotify Mix der Woche.
Jeder wählt seine Top 3 Songs aus seiner Liste und macht eine Kurzkritik (3-4 Sätze wenn 5 auch nicht schlimm) zu jeweils dem da zu gehörigem Album. Sollte wieder Erwarten das Album wirklich mies sein, dann finden wir das spannend. Und ich glaube dass das Leser und Hörer bringt. Da Spotify alle haben und jeder sich fragt, warum sind die darauf gekommen es so zu nutzen.

Das schrieb ich vor sieben Tagen intern in unseren Blog und hatte mir vor genommen das über die Woche um zu setzen. Nun der Stephan war wirklich auf Urlaub und dachte kaum an seinen Blog die Woche über. Auch hat der Max kein Spotify installiert, so das der Stephan nun seine Top 30 der Woche nimmt (Montag den 10.10. um 00:05 gerade neu) und 5 Alben da raus zieht und bewertet. Kurz, knackig und spontan aus dem Bauch, der sich nicht weg quatschen läßt. ;)

Hoffe das schaffe ich nun jede Woche, das soll quasi unsere/meine Rubrik der Woche zum Wochen Anfang werden, wenn unser Publikum aufsteht und News ließt oder den Schraubendreher für die Arbeit sucht. An Max, ich wollte damit raus und überfalle dich quasi nun da mit. Die Idee da oben bleibt so wie sie ist und wir arbeiten dran, das hier im Fluss, genau wie die Musik die wir damit vorstellen.

Mix der Woche Stephan, frisch durch die Gehörgänge gejagt.


Head Wound City - A New Wave Of Violence




Brutale Verletzung der Gehörgänge oder was lese ich da im Titel? Ein Punkalbum was von einer mir unbekannten Truppe dieses Jahr veröffentlicht worden ist. Der Song im Mix der Woche macht neugierig, weil kurz genug. Das Album gesamt hört sich nach mehr an und bleibt erst mal einige Zeit auf Rotation. 4/5 (5 min Skip Wertung)

Suuns - Hold/Still




Noch brutaler die Hörgänge geflasht. Ideale Weckmucke, irgend was zwischen Alternativ - Post Rock - Post Wave und minimalistisch Elektropop. Beim Bandnamen denk ich schon wieder nur an Wikinger, kenne ich nicht. Will Wikinger kennen lernen. Auf Rotation gesetzt. Hohe 3/5 (5 min Skip Wertung)

Cat´s Eyes - Treasure House




Herz auf, Musik rein und träumen. Nah wer es mag sollte den beiden Elfen auf dem Cover eine Chance geben. Mir wird so was schnell zu fad und bekommt trotzdem erstmal einen Platz in der Wochenrotation. 3/5 (5 min Skip Wertung)

Spliff - Alles Gute (Best of)




Spliff ja da war doch was? Keine NDW Studentenparty zu der Zeit, kam ohne die Truppe aus. Eingängig, tanzbar und deutsche Texte mit etwas Sinn. Was willst du mehr? Wenn ihr das "Best Of" als CD findet, kaufen, kaufen, kaufen! Alles drin und dran! 5/5 (5 min Skip Wertung)

The Black Queen - Secret Scream (Single)

 

Ein geheimer Schrei, ich hab es gepackt, hab die erste Liste fertig und freue mich wie keine Ahnung. Tanzbar, gerade wo mir nach ist. Scheiß was auf Anspruch, Musik soll Spaß machen und das tut diese Single. 4/5 (Skipen brauchte ich nicht, da Single)

Gruß Stephan

Sonntag, 2. Oktober 2016

Wilde Zeiten und irgendwie dreht sich alles um nichts

Politische Statements ohne Wert und eigentlich müsste man die Tiere in einen Zoo bringen

 
Keine Ahnung, ob es euch auffällt: Woche für Woche strampeln sich gefühlt zwei Dutzend Talkmaster im Deutschen Fernsehen ab und streuen ihre politischen Botschaften unters Volk. Verkauft wird uns das als "Entscheidungsträger verkünden öffentlich die frohe Botschaft" und unsereins ist durch die Einschaltquote irgendwie beteiligt an der Entscheidungsfindung. Umso mehr die am Vorabend gesendete Meinung Einschaltquote hat und am nächsten Tag zitiert wird in diversen bunten Blättern, um so wichtiger und bedeutend das Thema was da besprochen wurde. 


Dem ist nicht so, die ganzen Sendungen sind reine Gaudi. Entscheidungen fallen da nicht. Die fallen wie eh und je in Hintergrundgesprächen, man könnte auch sagen: Hinterzimmern unserer Parlamente, an Kabinettstischen oder wenn Flugzeuge ins WTC rauschen. Brechen wir es runter, wenn ein Vater seinen geliebten Jungen aus den Trümmern seines, von einer Bombe adressiert mit „Assad Was Here“, zerstörten Hauses zieht und die Füße in die Hände nimmt und sich aufmacht in eine der Demokratien mit diesen Palaver - Sendungen, dann fallen Entscheidungen. Dieser Mann entscheidet nämlich über zwei Leben und ob sein Sohn überlebt und eine Zukunft hat.

Wenn man diesem Mann nun tatsächliche Macht geben würde in seinem Fluchtland, wo er aufschlägt, was würde er tun wenn er zum 99sten Male eine dieser Sendungen sehen würde, wo es um unsere Flüchtlingskrise geht? Würde er dankbar den Diener machen und den Labertaschen die Füße küssen? Ich glaube nicht, die meisten Flüchtlinge wundern sich einfach nur und sind froh mit dem Leben davon gekommen zu sein. Mir und unserer Demokratie, die wir schützen müssen, sollte aber schon was einfallen.

Zunächst gehören alle Gäste dieser Sendungen in einen Zoo weggesperrt und natürlich täglich gefüttert. Als Pfleger finden die Talkmaster Verwendung. Damit sich die Sache auch finanziert, wird Eintritt erhoben. Sofort werden allen Armeen dieses Planeten sämtliche Waffen entzogen und die Soldaten nach Hause geschickt. Die Putins, Erdogans, Assads und ja auch Merkels werden im Zoo in die Raubtierkäfige gesperrt und der Schlüssel weggeworfen. Bei täglich 2 Litern Wasser und rohem Fleisch (Ok.. Merkel bekommt eine Sonderration Karotten, wir wollen ja Mensch bleiben) geht es ihnen sicher gut und sie könnten mal nachdenken darüber, was sie alles richtig gemacht haben. Ich bin mir sicher, wir schaffen das!

Gruß Stephan

P.S.: Mir ist schon klar, dass das eine zu schöne Lösung wäre um wahr zu werden, ich bin aber überzeugt davon, dass solche Sendungen überhaupt nichts bringen und nur ein perfides „Brot und Spiele“ Szenario aus dem altem Rom perfektionieren. Da sollten wir mal darüber nachdenken, ob wir das tatsächlich so wollen?

Ohrmuscheln für Genießer

Vor Jahren mussten neue Kopfhörer her und beim nächsten Gang in den Saturn um die Ecke hielt ich für damals 19,90 die Sony MDR ZX 100B DJ in den Händen. Beim Auspacken kamen mir die beidseitig angebrachten Kabel mit einer Länge von nur 1,2 m etwas kurz vor. Das haben aber ganz viele andere Kopfhörer auch nur oder gar weniger.


Also aufgesetzt und Tool aufgedreht bei mir am PC, Okay, etwas leise für die Art Musik. Das liegt aber nicht an den Kopfhörern. Vor Jahren hat die EU mal beschlossen, dass PCs nur noch eine bestimmte Lautstärke ausgeben dürfen. Die EU will uns schützen und so was setzen sie auch um. An meinem Yamaha Vollverstärker gab es das Gesetz noch nicht. Nun, was soll ich sagen, irgendwann schepperten die Kopfhörer, das hört sich als Nebengeräusch auch nicht schön an.

Also wieder zurück an den PC und über Jahre hörte ich damit fast alles an, was mir auf den Festplatte kam an Material. Und eigentlich war ich zufrieden, jedoch war es natürlich kein Konzertsaal von der Akustik her. Den Vergleich hatte ich, da ich relativ oft auf Livekonzerte gehe.

Tragekomfort ist auch gut, man konnte Stunden unter den Muscheln verbringen, obwohl sie auf der Ohrmuschel aufsetzen. Allenfalls bei über 30 Grad Raumtemperatur schwitzte es ein bisschen, dann musste man alle Stunde halt etwas Luft dazwischen lassen. Nach nun mehreren Jahren habe ich einen Wackelkontakt im Kabel, der sich aber noch zurechtbiegen lässt. Nein, eigentlich gibt es angesichts des Preises nichts zu meckern. Die Dinger sind gut, aber auch nichts Besonderes, eigentlich lohnt das Vorstellen nicht.

Nun, aktuell trage ich neue Kopfhörer die offiziell 179, 99 Euro (Straßenpreis aktuell ca. 120 Euro) kosten und ich habe nichts dafür bezahlt. Sie waren eine Zugabe zu einem neuen Handy, welches ich mir zulegen musste nachdem mein Altes kaputt ging. Die Sony MDR-100AAP sind ein ganz anderes Kaliber. Und ich sage sofort, selbst wenn ich die 120 Euro tatsächlich bezahlt hätte, der Unterschied ist deutlich hörbar und ich hätte die 120 Euro nicht bereut.


Unter den Muscheln hab ich nun schon etliche Alben gehört, von hart bis zart alles dabei. Am PC und am Handy haben sie ein völlig anderes Klangbild als die 19,90 Sony. Die Lautstärke erscheint lauter mit mehr Druck daher zu kommen, Dynamik nennt man das wohl auch. Auch am Verstärker angeschlossen taucht kein Scheppern auf. Das Klingeln der Ohren nach 1,5 Stunden Tool über den Verstärker, sind den 130 DB, die der mir auf die Ohren jagt geschuldet, da kann der Kopfhörer nichts für. Und ja, ich weiß, dass das nicht gesund ist, danke also für Nichts, EU. Nebenbei gesagt, alle EU Parlamentarier sollte man mal in ein Konzert von z.b. Rammstein schicken, wo die mit 60 DB maximal aufspielen und dann als Vergleich sie mit 120 DB + für sagen wir 2 Stunden beschallen, die machen angesichts des Erlebnisses einen Rolle rückwärts. Weiter nun aber im Text, das hier ist eine ernsthafte Veranstaltung.

Der Tragekomfort ist genauso gut wie bei den günstigen Muscheln. Der einzige Unterschied ist, dass die Luxusmuscheln über das ganze Ohr passen, also am Kopf ansitzen. Das Kabel ist ebenfalls nur 1,2 m lang und da ein Headsetmicro auch dabei ist, mit einem kleinem Schalter ausgestattet. Ausprobiert habe ich das bisher noch nicht. Das Kabel ist außerdem nur einseitig abnehmbar angebracht und ein Flachbandkabel. Erscheint mir durchdachter, da austauschbar wenn defekt. Über eine Haltbarkeit der Gesamtkonstruktion kann ich nichts sagen, wüsste aber nun auch keinen Grund warum die nicht genauso lange machen wie die günstigen Muscheln.


Fazit

Günstige Muscheln tun es, es spricht nichts dagegen, wenn man günstige Kopfhörer sich zulegt, einige Kompromisse muss man aber in Kauf nehmen. Die Ansprüche mit zunehmenden Hörmaterialkonsum wachsen und insoweit lohnt die Investition in gute Kopfhörer immer. Hätte ich die vollen 179, 99 bezahlt, würde ich mich ein wenig ärgern, dass keine Adapter dabei waren, um z.B. die vier Pole 3,5 mm Klinge an LineIn/Micro und Kopfhörerausgang beim PC anzuschließen, das sind nämlich Peanuts von der Beilage her.

Gruß Stephan

Samstag, 1. Oktober 2016

Wolfsheim - Casting Shadows (2003) Review

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2003. Deutschland im Casting-Fieber auf der Suche nach DEM Superstar. Was der Anbeginn einer künstlerischen Dunkelheit sein sollte und die schier endlos melkende Maschinerie bis heute ihre Ausgeburten der Talenthöllen höhnisch grinsend ausspuckt, nutzen damals zwei Musiker an anderer Stelle den Augenblick um ihrem Sound neue Nuancen zu verleihen. Die Rede ist von Wolfsheim, Synthie-Pop-Veteranen der ersten Stunde. Unter ihrem Schattenwurf trieben deutlich schönere Blüten in stimmungsvoll nocturnalen Sphären, in denen die Nachtigall schemenhaft in der Ferne flattert.

War die vorangeschickte Single "Kein Zurück" multipel florierend auf dem Markt und eingängig schwermütig im Gehör verankert, finden sich auf dem 11 Songs kompakten Album auch Ausflüge abseits der auf Gesamtlänge durchaus fühlbaren Melancholie. Das zu Anfangs schwere, in seiner Melodik vertiefte "Underneith The Veil" findet in seiner Schlussminute die Leichtigkeit des Seins wieder und liefert pulsierende Beats, die einen dynamischen Ausgang erlauben, ganz im Gegenteil zum mit zarten elektronischen Beigaben veredelten "And I", das sich in einer sinnierend kühlen Mentaloase wiegend dem Hörer annähert.

"Care for You" erlaubt wolkengleiche Synthieteppiche, auf denen Heppners sanftes Organ mühelos brilliert. Die verträumte Produktion setzt sich auch im untypischen, Club-Sound nahen "Wunderbar" fort, zu dessen bouncig-warmen Klängen der fröhlich-naive Text zum reinen Statisten verkommt.

Desöfteren machen sich auch markante Tempowechsel bemerkbar, so geschehen beim dreiteiligen "I Won't Believe". Den Anfang dieses akustischen Trios macht eine gediegene Stimmung, die alsbald von treibenden Tönen abgelöst in ein rockiges Finale mündet. Kurzweil wird hier großgeschrieben.
Das Hauptgericht bleibt freilich die Liebe, die im dreamy "This Is For Love" erst zelebriert und später bei "Find You're Gone" in ihre Einzelteile zerlegt wird. Es ist schade, dass der erste Teil "Find You're Here" nicht auf dem Album zu hören ist. Erst durch einen Kompletthördurchgang ist es möglich, die innere Kälte die der Protagonist auf "Gone" fühlt, selbst zu erfassen. Ein seelisches Relikt, zerbrochene Träume, Distanzierung, Isolation. Fernab aller zwischenmenschlichen Gefühlsregungen wandelt er selbst im Moment des Verlusts scheinbar gleichgültig, ist taub für jegliche Regungen, apathisch, wie auch in Zeiten der zersplitterten Beziehung. Was bleibt ist ein Scherbenhaufen, musikalisch und stimmlich höchst einnehmend präsentiert.

"Everyone Who Casts A Shadow" sowie "Approaching Lightspeed" reihen sich in die Tracklist als durchweg flüssig und gefällig im Soundbild ein, sodass der instrumentale, hypnotisch ausgefallene Closer "In Time" das gerade Gehörte prächtig reflektieren lässt.


 Sicherlich strahlt der puristisch verspielte wie eingängige Sound der 90er Wölfe schlussendlich deutlicher aus der Diskografie heraus als die weichen Synthiesphären des Schattenwurfs, aber gerade dieser entspannende Kontrast, der angenehm wohlig und porenrein in aller Würde präsentiert wird, zeichnet dieses markante Spätwerk aus, nach diesem sich die beiden in ihre persönlichen Schatten zurückzogen, aus deren Welten das Duo vereint seither nie wieder emporgekrochen kam. Eine nie enden wollende Hassliebe.

7/10

Camouflage - Greyscale Review (2015) Re-Up

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Vertrautes Comeback im Elektroplateau

Auch in der Musikwelt sind Comebacks nicht immer Grund unbändiger Freuden. So manch heißersehnte Scheibe schwirrt nach kurzer Rotationsdauer nur allzu schnell gen harten Boden der Realität. Wenn die verklärte Nostalgie ihre nebelige Maske fallen lässt und ein ungeschminktes Antlitz seine stumpfen Zähne zu fletschen versucht, obsiegt die verträumte Vergangenheit. Manch Hörer-Band-Beziehung wird durch diesen harten Einschnitt nachhaltig beschädigt.
So weit ist es mit Camouflage, ihres Zeichens Pioniere der deutschen Synthie-Pop-Szene freilich nicht gekommen, obgleich sich ihr achtes Studioalbum "Greyscale" satte 9 Jahre Zeit einverleibte um schlussendlich die malerische Bandbreite empfindsamer Graustufen zu präsentieren. Den musikalischen Werdegang der Band kann man dreiteilen: Da ist zuerst einmal der kometenhafte Aufstieg Ende der 1980er Jahre mit zwei erfolgreichen Veröffentlichungen sowie Nummer-Eins-Platzierung in den USA und die anschließende Selbstfindungsphase mit für Kritikern wie Fans schwer zugänglichen Akustikklängen. Nach kommerziell durchwachsener Rückkehr zu elektronischen Wurzeln wurde zu Ende des zwanzigsten Jahrhunderts mit der 1999 erschienenen, stolzen Electropop-Single "Thief"- dessen einnehmende Qualitäten erst viel später entdeckt und gewürdigt wurden - ein vorübergehend letztes Lebenszeichen vor einer kreativen Kurzpause in die Welt gesandt.

In dieser wurden Neufassungen und ein weiteres Best-Of veröffentlicht, ehe 2003 bis 2006 eine durchaus produktive Phase Einzug hielt, die von wenig Promotion begleitet, trotzalledem treue Käuferschichten fand. Danach wurde es stiller, die Gruppe schwebte in selbstgeschaffenen Astralebenen der Melancholie, doch war nie wirklich weg.

2015 also das Comeback, das so richtig keines ist. Marcus Meyns weiche Stimme, die Demut und Zuversicht gleichermaßen in sich vereint, ertönt und entführt den Hörer in sphärische Synthie-Welten die Produzent und Filmmuskkomponist Heiko Maile malerisch auskleidet. Der Sänger gibt den Fährmann und lenkt das Boot souverän durch elektronisch-sanfte Flüsse, vorbei an sich auftürmenden Klangbildern. Die Produktion gibt sich routiniert international klingend, mit unüberhörbaren Einflüssen von Depeche Mode. Die erste Single und gleichzeitiger Opener "Shine" ist ein nahezu perfekter Pop-Song mit dem richtigen Gespür für Dynamik und melodischen Elementen, das eingängige "Laughing" schließt sich dem hohen Niveau spielend an und gewährt einprägsame Momente. Der Titeltrack hingegen schlägt instrumentale Töne an und erzeugt eine, durch ruhige Flötentöne unterstützte, filmische Atmosphäre. Man wähnt sich in staubtrockenen Wüstenregionen, die glutend-rote Abendsonne legt ihre Strahlen auf karge Felsstrukturen, die Luft ist stickig. Das Individuum im weiten, endlosen Raum. Graustufen der Evolution.

"Count On Me" ist poppig abgestimmt und -schmeckt durch und durch nach Featuregast Heppner, eine astreine Hymne auf die Liebe und Vertrauen. Wenn sich gegen Ende die beiden Urgesteine abwechselnd die Synthie-Bälle zuspielen, sind das die kleinen, magischen Momente die ein solches Gipfeltreffen erschafft.

Beim bedächtigen, von Kreyssig gesungenen "In The Cloud" und besonders bei "Still" bewegt sich das Klanggerüst, begleitet von theatralischen Streichern gefährlich nahe an Gore'schen Pathospfaden vorbei, bekommt im folgenden "Misery" jedoch noch sehr dynamisch die Kurve und schwelgt im luftig-relaxt inszenierten "Leave Your Room Behind" in tiefentspannten Ebenen. Die beiden Ambient-Tracks, "Light Grey" und "Dark Grey" betitelt, schmiegen sich zart an Trackenden an, sind unspektakulär, doch dem Spielfluss nicht beeinträchtigend. Das kräftige "End of Words" verbindet schleppend-druckvolle Synthie-Wellen mit markanter Hook und folgt ansprechend auf das grundsolide, mit allen markanten Zutaten des Genres ausstaffierte "If". Der Schlusspunkt "I'll Find" verkommt mit Überlänge trotz warmen Klängen zu einem etwas zähen Spektakel besonnener Art.

So endet ein einschmeichelndes, wie aufgeräumtes Werk, das keinen Hehl aus seiner Routine macht. Die Altersmilde und Reife der Protagonisten scheint durch jede elektronische Faser, jeden Augenblick des Albums, entschleunigt und wirkt dennoch frisch. Als wären sie nie weg gewesen.

8/10