Sonntag, 27. November 2016

De featuring Vision - Subkutan (2006) Review

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Elektrifizierte Wollust im Einklang mit den innersten Empfindungen. Das Cover von Album Nummer Neun erlaubt den Einblick in ein düster-romantisches Milieu voller eindringlicher Momentaufnahmen. Die schon beim Vorgänger entworfenen Kanäle nahtloser Elektronikströmungen wurden in gleicher Konstellation konsequent weitergeführt, doch wie fühlt es sich an, wenn Töne unter die Haut gehen?

Augen zu...Injektion..."Subtronic".

Im Nu befindet man sich in einer hochtechnisierten Echokammer, Keths gepresste Vocals bilden das Bindeglied zum spiralenförmigen Soundbild, das die verspielten Synths in einem hypnotisch-gedämpften Orkan durch die Anlage wirbelt. Das treibende "The End" dagegen eröffnet mit schwerem Pianomotiv, dessen anklagende Struktur Parallelen zum Text zieht. Vergangene, noch nicht verheilte zwischenmenschliche Missstände schwingen in der gegenwärtigen Aufbruchsstimmung in jeder Kernfaser als wiederkehrende Mahnmale mit und bilden so den Gegenpol zu den vitalen Uptempo-Beats.

Auch "Star-Crossed Lovers" startet mit langsamer Klavierbegleitung, schwermütig und gediegen. Der Hörer betritt eine kryptische Vision, in der er einen langen dunkelfarbenen Korridor durchstreift, hinter dessen Mauern hauchende Stimmen raunen. Von diesen Wänden schälen sich mit zunehmender Spieldauer die unförmigen Schatten und verwandeln das Zwielicht in eine progressiv-wuchtige Maschinerie, die sich erst am Ende des Stücks zurück in die Düsterwelt zurückzieht. Das folgende "Addict" erschafft zu markant ausgefeilten Synthesizern eine erotisch aufgeladene, durchaus einnehmende Atmosphäre voller Hingabe und Verlangen.

Die stark melodische Hookline von "Obey Your Heart" inmitten kreisender Electrowellen stellt eine gelungene Steigerung dar. Präsentiert sich der Track doch überwiegend durch rauchig-prägnanten Stimmeinsatz und auf den Punkt genaue Bigbeats mit hohem Tanzfaktor.

Grundverschieden dagegen die in sich ruhende Ballade "No Tomorrow". Sinnierend bewegt sich der Song auf weichen Elegieplateaus, der Himmelskörper wirkt wie ein schwarzer Kristall, dessen sanfte Schwingungen das Blattwerk der Baumkronen leise im Wind rauschen lässt. Kein Stück zum Nebenherhören. Ein weiteres Kleinod findet sich in "Still Unknown", dessen mehrschichtige Hook und Gesangslinien die luftig inszinierte Klanggestaltung sehr ansprechend auskleiden. Nach 10 Jahren Abstinenz befindet sich mit "In Dir" auch wieder ein deutschsprachiges Werk auf dem Album. Samtene Dunkelheit schwebt über pulsierenden Bassflächen, die Stimmung ist eindringlich wie geheimnisvoll und gibt sich zum Ende hin mit melancholischen Tonfolgen einprägend melidiös.
"Die Antwort liegt in dir"

Subkutan

Geboren in "Right On Time" ("6 Feet Underground") walzt "E-Shock" mit fiebrig wummernden Beathämmern als erwachsen gewordener Maelstrom über das Danceareal. Steffen Keths sich wiederholende Parts bilden nur Geleitschutz zum vocodergetränkten Gewitterregen, der auf varrierende Hochglanz-bpm-Terrains niederprasselt.

Der atmosphärische Höhepunkt entspringt jedoch dem Anfang von "My Worst Enemy". Wie hier die Soundfragmente in der ersten Minute ein Bild nebelverhangener Straßenschluchten zusammensetzen, in denen schemenartige Umrisse der Umgebung erst nach und nach offen gelegt werden, alles im nächtlich-stillen Farbspiel ist sehr gelungen. Der eigentliche Song erzählt von inneren Konflikten, dem Streben nach höheren Zielen und ist mit wolkig-sphärischen Elementen angenehm instrumentalisert.

"Not Made Of Gold" ist ein weiterer Geheimtipp, der mit druckvollen Bässen und schwungvoller Dynamik dennoch stets ein relaxtes Grundgefühl vermittelt. Die schwerelos ausgeführte Inszenierung, gerade im ausgedehnt verträumten Schlussdrittel ist beschwingt und gönnt sich mit akustischen Spielereien wie Knarzen, Blitzen, Samples und ausgiebigen Rattern der Synthies viel erfrischenden Freiraum.

Zum Abschluss wird es dann noch einmal schwelgerisch entspannend."Summer Sun" badet in einem Pool aus Licht, die Frische des Sommers und gleichzeitige Schwüle der Hitzewallungen ist in der dichten Soundästhetik durch viele kleine Effekte greifbar und beschließt das Album mit einem wohligen Gefühl der inneren Zufriedenheit.


Mit "Subkutan" wurde nicht nur das Soundkonzept des guten Vorgängers weiter ausgebaut und modelliert, es finden sich auch hinter jeder Ecke kleine Überraschungen, eine ausgesprochen euphonische Klangdynamik und so mancher bleibende Moment, der sich tief unter die Haut brennt.

Und solche Leute nennen ihr nächsten Album "Noob"?


9/10

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