Donnerstag, 10. November 2016

Putzfrauendenke - Nach der Wahl ist vor der Wahl: Politikern ins Stammbuch geschrieben

Wahlanalysen, Wahlbetrachtungen, kluge Artikel in Hülle und Fülle an einem einzigen Tag – und einmal mehr die Dummheit der Wähler… wie kann man nur Trump wählen?
Wie kann man nur – denkt an die Landtagswahlen dieses Jahres und die Erfolge der AfD. Und die Politikersprüche dazu: klare Kante gegen rechts wollen sie zeigen, „Wir schaffen das!“ behaupten sie, während nebenbei Asylpakete geschnürt werden.
Debattiert wird über eine erneute Erhöhung des Renteneintrittsalters, über erneute Verschärfungen bei Hartz-IV-Sanktionen und hach, gab’s da nicht mal einen SPD-Politiker, der meinte, man könne davon gut leben? Der ist immer noch SPD-Mitglied, der Meinung , Deutschland schaffe sich ab und einer der ersten, die die Hetze gegen Muslime hierzulande salonfähig machten. Und just heute, an dem Tag, an dem Trump gewählt wurde, wirbt diese SPD mit folgendem Slogan um neue Mitglieder:


Da fass‘ ich mir doch an den Kopf…. Nein, ich werfe der SPD und ihren Mitgliedern nicht vor, rassistisch, sexistisch oder homophob zu sein – die sind das im Durchschnitt nicht mehr oder weniger als andere auch. Ich werfe ihr wie allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien schlicht Unglaubwürdigkeit vor.
Sie zeigen, von der CSU mal abgesehen, die bemüht ist, die AfD rechts zu überholen, „klare Kante gegen rechts“ – aber warum nehme ich ihr tatsächliches Handeln als Rechtsrutsch wahr? Andere hingegen als Linksruck? Könnte man wohl erklären, analysieren, wer was warum so oder so wahrnimmt. Muß aber nicht.
Wenn ich mir so die Politik der vergangenen Jahrzehnte anschau‘, haben beide Wahrnehmungen dieselbe Ursache – über die nach jeder Wahl auch wieder debattiert und die als Politikverdrossenheit bezeichnet wird, die eine Politikerverdrossenheit ist. Und am nächsten Morgen schon wieder vergessen, weil man selbst Niederlagen als Erfolge feiert:
Die „Abgehängten“, die am Rand stehenden, die in unserer Gesellschaft keinen Fuß mehr in die Tür kriegen und heute schon mit Altersarmut rechnen müssen, fühlen sich schlicht belogen. Politik wird nicht mehr für sie gemacht, sondern nur für den eigenen Machterhalt und die dubiose Wirtschaft, die eh alles steuert. Wobei sie Steuern in irgendwelchen Oasen zahlt. Lobbykratie eben.
Eine Politik nicht für die Menschen, beginnend mit Kohl - so jedenfalls meine Wahrnehmung, und ich denke mir, im Osten wurde das ähnlich wahrgenommen; wo, bitte, blieben die versprochenen blühenden Landschaften? -  von Rot-Grün über Schwarz-Gelb fortgesetzt bis heute mit der Großen Koalition. Eine Politik, die spaltet, Menschen und ganze Gesellschaftsgruppen gezielt ausgrenzt, entwürdigt, erniedrigt.
Klare Kante gegen rechts…
Das reicht mir nicht mehr. Und reicht vor allem daher nicht, weil das allein noch kein Inhalt ist. Mir jedenfalls reicht es nicht, eine Partei zu wählen, weil sie tut, was selbstverständlich sein sollte, und währenddessen mal eben per Beschluss sichere Herkunftsländer bestimmt und Menschen wissentlich abschiebt in Elend und Not. ("... alleine schon die Zustimmung der "sicheren Herkunftsländer" zeigt das rechte Gesicht der Landes-Grünen", wird dem grünen OB einer schwäbischen Universitätsstadt auf Facebook gesagt. Die Antwort: "Das ist nun leider linker Unsinn. Seit dieser Zustimmung können wir uns darauf konzentrieren, Flüchtlingen aus Kriegsgebieten zu helfen statt Menschen vom Balkan. Da ist der Krieg vorbei." Faktisch ja durchaus richtig, ne? Weiter möcht‘ ich mich über den Euphemismus „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht auslassen.)
Und statt über Inhalte zu reden, sich Inhalte zu erarbeiten und sie zu vermitteln, denken sie über mögliche Koalitionen nach. Ihr wollt, daß wir in eure Parteien eintreten oder sie zumindest wählen? Dann sorgt dafür, daß wir euch vertrauen können, wir Leiharbeiter, Putzfrauen, Mindestlöhner, Hartz-IV-Empfänger, wir kleinen Selbständigen, die wir uns in Ein- Oder Zwei-Mann-Betriebe und Läden abrackern und gerade mal über Wasser halten. Das heißt nicht, daß ihr uns alles recht machen sollt. Das heißt einfach: nehmt uns ernst. Gebt uns die Würde, die wir laut Grundgesetz haben, zurück. Zeigt uns, daß ihr eueren gewiss nicht einfachen Job tatsächlich für uns macht, nicht für eure Parteipöstchen, Mandate und Diäten, daß ihr nicht die Marionetten der Wirtschaft seid, für die man euch hält. Daß euch was an unserer Demokratie und unserem Rechtsstaat liegt. Aber das wird wohl vorerst nichts, fürchte ich. Die Warnschüsse der Landtagswahlen waren nicht laut genug. Der aus den USA wohl auch nicht…
Und ja, wir, ob wir nun AfD wählen oder die Linke oder ganz was anderes oder überhaupt nicht mehr, wir "Abgehängten", wir Dummen - wir sind tatsächlich auch das Volk. So verschieden wir alle sind, in Ansichten, Aussehen, Herkunft undsoweiter. Ob wir nun offene Grenzen oder Mauern und Zäune wollen. 
Wir wollen einfach nur anständig leben können. Und anständig behandelt werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen