Sonntag, 15. Januar 2017

Wenn einer aus dem Pott links hört und im Stehen pinkelt

Eine Reise im Fli(x)tz Bus

Heute war ich mal wieder im Bus auf Reisen unterwegs. Eigentlich war der Sturm vor Antritt der Reise von Heidelberg nach Essen vorüber bzw. über Nacht abgezogen. Nun noch kurz verabschieden von meiner Gastgeberin Gitte und rein in den Bus. Platz suchen, breit machen, irgendeine gute Musik auf die Ohren und es konnte nichts mehr schief gehe.

Und wie immer wenn einem nichts Böses schwant, passsiert ausgerechnet das Ding, was so ein Heimfahrt zu einem echten Erlebnis macht. Bei mir war es meine Sextanerblase. Eigentlich wollte ich diese vor Antritt der Reise noch entleeren. Diesmal war Flixbus nur so pünktlich in Heidelberg, das die 4 min bis zur Abreise nicht mehr reichen würden um das Ding leer zu bekommen. Also bis Mainz verdrücken. Nun kann ich über den Zustand mich lang und breit auslassen, frage mich aber sofort, ob es den Leser tatsächlich interessiert. Sofort dränge ich diesen Gedankenfetzen in den letzten Winkel meines Hinterstübchens, soll er sich da doch verpisseln. Was sollte ich auch hier anderes erzählen.

Nun gut, bis Mainz waren es nur eine gute Stunde, das würde ich wohl ertragen. Wer jemals in einem Reisebus das stille Örtchen aufgesucht hat, wird jetzt eventuell eine Ahnung haben, wovon ich erzählen möchte. Während der Bus auf der Autobahn mal beschleunigt, mal langsamer wird und dabei von links nach rechts schaukelt, braucht Mann sein gutes Stück gar nicht in den Wind halten. Das würde in einer Riesensauerei enden, je nach Inhalt. Nun ich verdrückte inzwischen schon mehr als eine halbe Stunde, das wäre zumindest nahe dran an einer Riesensauerei.

Endlich in Mainz, stieg ich aus dem Gefährt und rauchte mir erstmal eine Zigerette, um mich dann anschließend bei noch stehendem Bus, im Stehen zu erleichtern. Verdammt geil - und nun machte ich mir keine Sorgen mehr. Weit gefehlt: als ich mich wieder ausbreitete, tönte der Busfahrer in sein Mikro, wie man das Busklo doch wirklich zu benutzen hätte.

Man betrete das Busklo bitte durch die rechte Tür. Sperre von innen ab, wobei sich der Absperrhebel nun links befinden sollte, falls man keine Überraschung erleben möchte. Der nächste Punkt war dann, das sowohl für Männlein wie Weiblein es vorgeschrieben ist, sein Geschäft sitzend vorzunehmen. Sofort schoss mir durchs Hirn, ich bin leidenschaftlicher Stehpinkler, die Tür ist zu, ihr könnt mich mal.

Nun gut die paar Spritzer da, wo sie nicht hin sollten, schnell mit Klopapier entfernt, wird schon keiner merken. Dann verließ ich dieses eckige "Hamsterrad" und fühlte mich gut. Ach ja - der Busfahrer erklärte immer noch. Wenn man also sitzend welches Geschäft auch immer fertig gebracht hat, sollte man eine Art Lichtschalter betätigen, der sich links von einem befinden sollte. Nein, schoss es mir durch den Kopf, der Spülknopf befindet sich niemals links im sitzen, das kann mir keiner erzählen, schließlich hab ich vor der Schüssel gestanden. Der befindet sich nur links, wenn man sich vor dem Klo stehend mit Schwanz in der rechten Hand entleert. Ich hoffe ihr habt aufgepasst, eure rechts-links-Schwäche bekämpft und wisst nun wo Spülknopf und Gemächt ihren Platz haben?

Also was lernen wir da raus? Nun der Busfahrer ist ein überzeugter Stehpinkler, sonst käme es nicht zu so einer Verwechslung. Falls der Busfahrer weiblich wäre und solchen Blödsinn verzapfen würde, wäre sie ebenfalls Stehpinkler (dann müsste man allerdings Sorge dafür tragen, dass in Bussen demnächst nur noch Stehklosetts zu finden sind) oder hätte ihren männlichen Kollegen bei der Schulung geglaubt, was man vor Fahrtantritt zu verkünden hat.


Falls sich nun einer fragt warum berichte ich das eigentlich?Ich finde, ein Mann sollte nicht genötigt werden im Sitzen zu pinkeln, auch nicht in Bussen. Ebenfalls denke ich, das man Busfahrer als Busreisefirma nicht nötigen sollte, gegen ihre inneren Überzeugungen links mit rechts zu vertauschen. Und ich wünsche allen Reisenden eine gute Reise, trotzdem muss ich jetzt noch ein wenig ernster werden. Das soll nicht meinen, das Pinkeln im Bus keine ernste Angelegenheit ist.

Endlich angekommen in Essen musste ich nur noch in die S-Bahn. Also zum Ticketautomaten, bei uns hat die VRR noch relativ normale Preise auch wenn sie dennoch zu hoch sind, das Schienennetz im Ruhrgebiet ist dafür noch relativ dicht, mein Bahnhof liegt quasi vor der Haustür. Das Ganze läßt auch eine inzwischen wieder fast volle Blase gut ertragen. 

Dafür passierten drei kleinere Geschichten, die mir aufzeigen dass es auf DE´s Bahnhöfen noch lange nicht zum besten gestellt ist. Neben dem Ticketautomaten die Wartezeit (rund 20 min.) mit einer Zigerette überbrückt, den Rucksack eingeklemmt zwischen den Beinen. Sofort sprach mich ein Typ um die 35-40 an ob ich mal 20 Cent für irgend einen Fusel hätte. Das war schon immer so auf deutschen Bahnhöfen. Ich hatte aber leider nichts mehr an Kleingeld, wegen dem Ticket, also ließ er mich in Ruhe. Trotzdem beschlich mich ein ungutes Gefühl, auch der Druck auf meine Blase wurde wieder stärker.

Also machte ich mich auf zum Gleis, Gleis 7 die S9. Wieder stellt ich mich neben einen Pfeiler des Überdaches um etwas windgeschützt zu warten, direkt diesmal rechts vor mir die Müllbehälter. Und jetzt kommt es, so hatte ich das noch nicht erlebt. Binnen kaum 10 min kamen 5 Flaschensammler an dieser Mülltonne vorbei, zückten ihre Taschenlampe, teils mit fliehendem Blick in den müden Augen und zogen ohne Ergebnis weiter. Wenn ich weiter so meinen Rucksack so einklemme, dann pinkel ich da noch rein. Endlich in der S-Bahn wurde es auch nicht besser, noch ein Flaschensammler, der diesmal die Müllbehälter in den jeweiligen Abteilen überprüfte. 

Zwei Haltestellen weiter, es mögen auch drei gewesen sein, war die S-Bahn fast leer. Ich saß jedenfalls in meinem Abteil allein, der letzte Fahrgast, ein junger Mann mit Rastalocken war gerade in Bottrop ausgestiegen, wanderte mein Blick auf den Boden des Abteils. Dort lag doch tatsächlich eine Spritzen-spitze herum, wie man sie eigentlich nur von einschlägigen Plätzen kennt, in blöden Formaten auf RTL 2.  Ihr wisst schon Toto und Harry oder so was.


Meine inzwischen wieder bis zum Anschlag gefüllte Blase war froh in Gelsenkirchen Hassel endlich aus der S- Bahn raus zu können und meine Frau stand mit unserem "Töfftöff" da, um mich und meine Blase abzuholen. Selten war ich so froh meine liebe Frau zu sehen. Kaum waren wir binnen 2 min. zuhause war die Haustür und die Toilettentür ins Schloss gefallen und ich konnte in Ruhe an diesem Reisebericht schreiben. Damit endet das hier auch und lasst euch nicht abschrecken, demnächst eine Reise zu tun. Reisen sorgt zumindest für neue Eindrücke und volle Blasen, die nach Entleerung schreien. Bin schon gespannt, was mir nächsten Monat auf dem Weg oder zurück vom Max wieder so alles auffällt.

Gruß Stephan

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