Montag, 27. Februar 2017

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 20

Mix der Woche Spotify (27. 02. 2017)

Einleitender Kommentar? Na gut, es gibt nix zu kommentieren, war "easy going" heute die List.



The Parlor Mob – And You Were A Crow (2008)


Man was ein Brett, „Tide Of Tears“ war der erste Song vom Mob und hat mich direkt mal mit den eigenen Tränen kämpfen lassen. Ein nahe zu klassischer Rocksong, wie man ihn in den 70iger noch häufiger gehört hat und heute überhaupt nicht mehr erwartet. Wegen solcher Songs ist man bei der Rockmusik geblieben. Dabei kennt Parlor Mob keine Socke. Viel raus haben die ja auch nicht. Neben dem Album noch eine EP „Cry Wolf“ (2015). 5/5 VordemUntergangden RockbewahrtWertung


Oceans Of Slumber – Winter (2016)


Langsam beginne ich zu zweifeln was meinen Geschmack betrifft, das nächste Brett was einem neue Zugänge öffnet. Night In White Satin (Orginal The Moody Blues) gecovert und gesungen von Cammie Gilbert. Zusammen mit einer wilden Mischung aus Doom Metal und eher progressiven Klängen, kann einen das schon fordern. Elfe trifft auf böse Buben, Bilder, Bilder, Bilder. 4/5 Skip Wertung


Joy Division – Unknown Pleasures (1979) (2007 Remastered)


Verstanden habe ich das nie, Joy Division haben nur zwei Alben veröffentlicht, hatten in der Zeit keinen großen Erfolg und ihr Sänger Ian Curtis brachte sich 2 Monate vor Erscheinen des zweiten Albums um. Die Kritiker von Popmusik, feiern Joy Division seitdem ab wie einen Heiligen Gral. Unterschlagen möchte ich nicht, das die Restband sich dann aufgrund einer Verabredung in New Order umbenannten und mit Blue Monday die erfolgreichste Maxi Single ever hatten. 3/5 Skip Wertung


Siouxsie and the Banshees – Join Hands (1979) 2006 Remastered)


Ok Siouxsie bezieht sich bei ihren Sound auch auf Joy Division, doch das wird für mich angesichts der Bedeutung von Siouxsie selbst als Laie erklärbar klar. Join Hands ihr zweites Album, zeigt schon schön auf wo die Reise hin geht mit dem Post Punk u. dem Dark Wave. Ob dass das wichtigste Werk ist mag ich nicht sagen, da zu wenig Kenntnis des Gesamtkataloges. Hört sich frisch an, gut gealtert! 4/5 Skip Wertung

Christian Mistress – To Your Death (2015)

 


Iron Maiden meets Patti Smith und das gefällt Papa. Zum Album Titel fiel mir sofort ein, das ich tatsächlich aus Freude über jemanden Tod, auf seinem Grab getanzt habe, dazu passen die Klänge. Nun ich war noch etwas jünger als heute, da gehen einem die Gäule schonmal durch, hat ja keinem weh getan. Das tut die Mucke sicher auch niemanden. 4/5 Skip Wertung


Gruß Stephan

 

 

Samstag, 25. Februar 2017

The Who – Live At Leads



Die Mutter meines besten Freundes war da und ich …...(hier fehlt ein Textbaustein) sie dafür.


Mit 16 Jahren, auf irgend einer Party im Keller meines besten Freundes hinter der Stereoanlage stehend, reichte mir ein Schulfreund eine Platte hinter die Stereoanlage und sagte: Spiel mal „Magic Bus“! Dem leistete ich auch Folge.

Magic Bus“ ist ein Stück auf der „Live At Leads“ von 8:39 Spielzeit und ihre damalige Hitsingleel (26 UK / 25 USA). Ein monotoner (Latin Percussion Instrument Claves) Rhythmus von Entwistles legendären Basslauf getragen, etwa 4 min lang, dann explodiert der Bus. Eingeleitet durch die Gitarre (Windmühle) von Townshend spielt Moon sich die Seele aus dem Leib. Da die E - Gitarre damals schon mein Lieblingsinstrument war, neben dem Rockklavier (Freddie), drehte ich den Regler der Anlage auf Anschlag. Kaum 1 min später stand die Mutter meines besten Freundes unten im Keller und schrie: „Das ist doch „The Who“, oder, Stephan?“ „Nein das ist ein Zauberbus“, antwortete ich. „Mach lauter“, rief sie quer durch den Keller und begann zu tanzen. Erst als ich zwei Mal in voller Länge „Live At Leads“ aufgelegt hatte, ging sie die Mutter meines besten Freundes, Schweiß gebadet und glücklich in ihr Bett. Sie hatte gut abgerockt, dagegen ist Wacken heute Ringelpitz mit anfassen. Hinter meiner Stereoanlage (waren die Kompaktanlagen damals Teile!), versteckte ich mich zwischen ungläubigem Staunen und Gänsehaut in Frostbeulengröße. 
 
Am nächsten Tag fragte ich sie nach der Schule, woher sie „The Who“ kenne und sie erzählte mir, dass sie „The Who“ ein Jahr vor der Geburt meines besten Freundes in Leads gesehen hätte. Sie hatte dort eine Studienfreundin, die sie dazu eingeladen hatte. „Gott, lass mich gut 20 Jahre älter werden - auf der Stelle und sofort!“, dachte ich. Nun gut, die Platte hab ich einfach behalten und so wurde sie ein Fetenhit meiner Zeit. Die Zeit, der Mutter meines besten Freundes, ihre jungen Jahre müssen aber wirklich großartig gewesen sein.

Live At Leads“ ist ein Livealbum, bei dem man sich wünscht, dabei gewesen zu sein. Alle Mitglieder von „The Who“ waren im vollen Saft, so klingt die Platte auch heute noch. Sie hat ja auch mehrere Restaurationen und Erweiterungen hinter sich, hier bespreche ich das Stream Album von Amazon Prime (Live At Leads 25th Anniversary Edition). Das Publikum geht gut mit und The Who bindet es wunderbar in ihre Show ein. So nah wie dort, kann man nur in Wirklichkeit einem seiner Stars sein. Deutlich wird das bei der Minioper „A Quick One, While He’s Away“. Daltrey überlässt die Rollenverteilung fast den Leuten, als ein Bandmitglied (vermutlich Thownsend) einen Einwand hat, unterbindet Daltrey seine Worte. Buhs, Ahs, Ohs, Klatschen, Stampfen sind die Folge. Das muss sich  sehr gut angefühlt haben!. Die Luftgitarre die ich jedes mal heute noch aufführe, will keiner sehen. Wie eine Band live die Zuschauer mit einbinden muss, dafür ist „Live At Leeds“ quasi eine Schablone. Dafür braucht es auch kein Video.

Das Album hat aber unendlich mehr zu bieten. „The Who“ hatten ihr Hitalbum „My Generation“ 5 Jahre hinter sich, „Tommy“ (1969) wurde fast gleichzeitig zu „Live At Leads“ (1970) heraus gebracht. „The Who“ hatten neben den beiden anderen Großen (Beatles, Stones) der auslaufenden sechziger Jahre, ihren Platz eingenommen. Alle vier damaligen Bandmitglieder waren auf der Spitze ihres Könnens angekommen, sie waren auch zwischen menschlich damals eine Macht. Die Rollenverteilung innerhalb der Band war klar akzeptiert. Thownsend schrieb hauptsächlich die Songs und mit seiner Gitarre, die den Punkrock und Wave voraus nahm, bestimmte er, wohin die Reise geht.  Daltreys seine Stimme beschreibe ich als passend zum Who Sound und keiner stellte das in Frage. Auf der Scheibe hört man, wie sie ihren Auftritt genossen, Daltrey redet sehr viel und die Bandmitglieder lachen, scherzen mit ihm und untereinander. Auch ist „The Who“ noch nicht so laut (später bespielten sie Hallen mit 130 Dezibel), ich würde die Lautstärke als beschwingt beschreiben, genau richtig. Dem Schlagzeugspiel von Moon hört man seine Jazzschule (Gene Krupa) noch an. Entwistles (The Ox) sein Bassspiel zeichnet sich durch die Coolness aus und die Ruhe, die er dseiner Band damit gab. Das alles zusammen hat selbst heute noch eine tolle Energie bzw. Power, die mich zu diesem Review inspirierte.

Ausgerechnet das Live Album von The Who als mein Meilenstein? Im Laufe dieses Reviews hat sich die Frage eigentlich beantwortet. Natürlich werden nun einige sich fragen, warum nicht „Tommy“, „Quadrophenia“ oder „Who's Next", also Studioalben von „The Who“. Aber viele werden mit „The Who“ ähnliches verbinden wie mein Erlebnis mit der die Mutter meines besten Freundes. Etwas, was man live erlebt hat, wo man dabei war. Was einen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das ist „The Who“, „The Who“ waren die ersten die man nicht kennen musste als Band bzw. ihre Musik. Man hörte sie, und die Situationen die sie provozierten, sorgten für diesen Aha – Effekt. Worauf anders bei „The Who“ als wie auf einem Live Album, wird man das besser empfinden können? Dazu leise gedacht, als jemand der mittlerweile alles von „The Who“ kennt. Die Fülle an Material, die Hit-dichte ihrer Studioalben ist so groß, dass es nur ungerecht wirkt, wenn man da ein Album raus nimmt und zum Meilenstein kürt.

Auch wenn The Who, bis zum Erscheinen von „Live At Leads“, erst sechs Jahre als Band existierten, es kennzeichnet ihre künstlerische Mitte. Den Einfluss, den sie durch spätere Alben „Quadrophenia“ bzw. durch „Tommy“ auf Künstler (Konzeptalben, Bowie, Pink Floyd) nahmen, zeichnete sich ab u. bereitete sie vor mit diesem Live Album. Was die Veröffentlichung von anderen Live Alben anderer Künstler betrifft, war „Live At Leads“ eine Musterschablone, die heute für aktuelle Künstler noch inspirierend wirken kann. Als Anspieltipp würde ich alle verfügbaren Restaurationen, Orginale, remastered/remixed Versionen die man bekommen kann empfehlen, egal ob mit oder ohne Tommy, ob Leads oder Hull. Die Alben werdend dich ohne Fragen staunend und. glücklich umhauen, so wie mich die Mutter meines Freundes umgehauen hat.

Gruß Stephan

P.S.: Die Mutter meines Jugendfreundes tanzt heute im Himmel, falls es einen gibt? Jedenfalls finde ich den Gedanken tröstlich, das ihre Hüften (und nicht nur die) heute für Stimmung sorgen, im Rockolymp!

Dienstag, 21. Februar 2017

Schulz, Arbeitgeberverbände und das Funkenmariechen

Die Funke Mediengruppe (u.a. WAZ) vermeldet heute, dass die Zahlen des Kanzlerkandidaten Schulz zu seinen angekündigten Reparaturmaßnahmen Hartz 4 betreffend, nicht korrekt seien. Eigentlich kann man sich darauf verlassen, glaubt niemand einer Statistik die er, sie oder es, nicht selbst gefälscht hat. Geschenkt also, was der eine oder andere in einem Wahlkampf behauptet.


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass befristete Arbeitsverhältnisse die Regel und nicht wie die Arbeitgeberverbände behaupten, die Ausnahme sind. Meiner Frau wird Jahr für Jahr der Job neu angeboten, in einer sozialen Einrichtung. Obwohl man sich darauf verlassen kann, dass die behinderten Menschen die meine Frau versorgt, ihr Leben lang Betreuung brauchen. Als ich noch als Gartenlandschafter unterwegs war, wurde mir im Spätherbst Jahr für Jahr gekündigt, weil es halt keine Arbeit gab. Diverse Sonderregelungen, die erst in den letzten 13 Jahren entstanden sind, machen das möglich.

Erwerbsarbeit ist heute und das schon vor den Hartz 4 Reformen, davon gekennzeichnet, das man regelmäßig den Arbeitsplatz verliert und einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, weil man halt irgendwie versuchen muss am Leben zu bleiben. Arbeitgeber, Politiker machen sich seit Ewigkeiten in dem Bereich einen schlanken Fuß. Im Fall von der Nachricht oben, beide sowohl Schulz wie auch Arbeitgeber lügen uns was in die Tasche. Befristete Arbeit, Minijobs, Midijobs betrifft 100 % der arbeitenden Bevölkerung. Dass sich bei sinkenden Renten -und was anderes ist die Rente ab 67 Regelung nicht, davon irgendwann nicht mehr leben lässt, ist so klar, dass selbst in der Grundschule jedes Kind das an einer Hand abzählen kann, Dreisatz lässt grüßen.

Nun will der Herr Schulz also eine Mindestrente einführen, die deutlich (seine Worte) über der Grundsicherung (Hartz 4 Niveau) liegt. Da fragt man sich als Mensch, der eigentlich nie zu einer zusammenhängenden Arbeitsbiografie kommen konnte, ab wie vielen Jahren (eingezahlt in die staatliche Rente) greift so eine Regelung? Auch da werden mit vereinten Kräften, Zahlen bei raus kommen, so dass die Regelung wieder nur Ausnahme- und nicht Regel- Umstände betrifft.

Nun gut, nach fast 30 Jahren (die deutsche Einheit als Punkt) Sozialabbau kann man ja froh sein, dass sich überhaupt jemand um das Dringlichste mal wieder kümmert? Siehe Mindestlohn, der ausgerechnet mit 8,50 Euro min. 2 Euro zu klein ist, um davon eine vernünftige Rente sich aufzubauen. Was war das für ein Gezeter um den Mindestlohn. Das Gezeter war min. so unwürdig, wie Leute für weniger als die 8,50 Euro zu beschäftigen.

Wenn der Herr Schulz es tatsächlich schaffen sollte und an die Regierung kommt mit z.b. den Linken und den Grünen, dann verlange ich als jemand der wohl stellvertretend für viele Arbeitsbiografien in Deutschland steht, dass er großzügig und zügig die Hartz 4 Gesetzgebung und damit verbundenen Gesetzen verändert. Das meint als Sozialstaat, so möchte ich Deutschland immer noch sehen, dass er ganz unten bei den niedrigsten Einkommen anfängt und bis zu einer Mittelschicht (wo es nachweislich auch bröckelt), z.b. eine Sanktionsregelung komplett abgeschafft wird. Der Hartz 4 Satz auf ein Niveau angepasst wird, so dass er nicht gegen unser Grundgesetz verstößt, Stichwort "Die Würde des Menschen" ist unantastbar. Das meint, das auch Arbeitgeber wieder in die Verantwortung genommen werden und insbesondere nicht nur Gewinnmaximierung im Sinn haben und als ihren einzigen Daseinszweck begreifen, sondern zu sozialer Verantwortung verpflichtet werden.

Wenn der Herr Schulz und seine Partei, die SPD, daran im Laufe des Wahlkampfes deutlich erinnert werden, dann glaube ich sogar wieder an die SPD. Sie haben nämlich erkannt, dass sie eine soziale Bringschuld haben, jedenfalls lautet so meine Hoffnung. Die stirbt hoffentlich zuletzt!

Gruß Stephan

Montag, 20. Februar 2017

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 19

Mix der Woche Spotify (20. 02. 2017)

 

 

Eigentlich sind die 90iger fast an mir vorbei gegangen. Meine Kinder wurden geboren bzw. wuchsen heran. Da gab es wichtigeres als Musik. Das hole ich wohl auch in der neuen Liste nach. Viel Spaß damit.


Slint – Spiderland (1991) Remastered 2014




Hab so den Verdacht, das Slint ihrer Zeit mit dem Material, zu weit voraus waren. Deshalb war nach „nur“ zwei Scheiben, für die Band aus Kentucky, Schluss. Heute allerdings, ist Postrock mit Punk versetzt und abgefuckten Noiseelementen schwer angesagt. Klingt so frisch wie am ersten Tag. Herrlich geeignet, um den Schädel weg zu bratzen. 4/5 BratzihnwegWertung


Jets To Brasil - Orange Rhyming Dictionary (1998)




Die nächste Indietruppe die einfach vergessen wurde. Wäre ich Kritiker im Jahr 1998 gewesen, wäre das nicht passiert. Straight, offensives Debüt. Hauptverantwortlich und prägend Blake Schwarzenbach, geile Stimme und mächtige Riffs aus seiner Gitarre. Gefällt Papa! 4/5 AusderVersenkungWertung


Mad Season – Above (1995)




Hier ist Bandname Programm. Aus einer Jam Session (1994/Seattle/Crocodile-Cafe) der Musiker Mike McCready (Gitarre/Pearl Jam), Layne Thomas Staley (Gesang/Alice In Chains), Barrett Martin (Schlagzeug/Screaming Trees), John „Baker“ Saunders (Bass/The Walkabouts) und als Gastsänger Mark Lanegan (Sänger/Sreaming Trees) einziges Album, dieser Superband. Zum Sound gibt es nur eines zu sagen, als wenn Kurt Cobain im Heroinrausch sich nicht die Birne weg geballert hat, sondern hier den Taktstock geschwungen hätte. 5/5 AlleCleanWertung


Mudcrutch – Mudcrutch (2008)




Debütalbum der Band Mudcrutch, damit wäre alles gesagt? Nö, hört man die Stimme denkt man sofort, den kenne ich doch. Mudcrutch sind die Ursprungsband von Tom Petty & The Hearthbreakers. 1970 schon so unterwegs und 2008 kam es zu der Erstveröffentlichung dieses Albums. Keinesfalls für die Mottenkiste, ideal im Auto für längere Autobahnfahrten. 4/5 ReunionbonusWertung


Kate Tempest – Let Them Eat Chaos (2016)




2016 komplett an mir vorüber gegangen, obwohl Kate eine Silbe reicht, um mich gefangen zu nehmen und nicht mehr los zu lassen. Multitalent Kate Tempest feuert hier an Sprachgewitter ab, wo jede Silbe sitzt und man möchte nicht das sie aufhört zu sprechen. Nüchtern, wie die Musik von Mike Skinner aka „The Streets“, wird die Einsamkeit und Tristesse in dicht bevölkerten Städten zum Thema, was jeden angeht. 5/5 Geht´sNoch?SkipNixWertung

Gruß Stephan

Sonntag, 19. Februar 2017

De/Vision - Rockets & Swords (2012) - Review

 Bildergebnis für rockets & swords de/vision


Finale Momente durchdringen den feinen Kokon vertrauter Handlungsweisen und stehen vor der tosenden Brandung künftiger Augenblicke. "Rockets & Swords" lässt sich am schimmernden Firmament der langen Discografie De/Vision's als besonders markanter Fixstern betrachten, endete hier doch die langjährige und bewährte Zusammenarbeit auf Albumlänge mit dem Produzentenduo Schumann & Bach. 2014 sollte zwar noch ein weiteres gemeinsames Stück erscheinen, die weitere Albumplanung bestimmten in der Folge jedoch andere. Weg mit den alten Zöpfen also? Die gesicherten Pfade verlassend den Sprung ins smaragdgrüne Dickicht wagen und die Zauberei exotischer Atmosphären auskosten, losgelöst von der Bürde stetig fortlaufender Routinen?

Ganz so drastisch will man es dann doch nicht formulieren, sorgte doch die Mitwirkung beider Toningenieure über Jahre hin für viele magische Erlebnisse im immerwährend schwingenden Sog des Synth-Pop-Strudels mit allen Höhen und Tiefen des Menschseins, akustisch brilliant vertont. Doch kam für Band und Produzenten zunächst schleichend, dann augenscheinlich die Erkenntnis, sich auch zum Wohle der musikalischen Umsetzung weiterzuentwickeln, um im mentalen Kreativlyceum neue Abschnitte zu ergründen.

Das Album ist daher sowohl Abschied, als auch Grundstein für die Zukunft zugleich. Sie rast an den Untätigen vorbei, doch nicht an De/Vision.

"Rockets & Swords" sinniert über die Bipolarität des Lebens, verdeutlicht dies auch in Titelgebung und Artdesign. Schon der Einstieg gestaltet die Vision der Gegensätze im zeitgleich sperrig- wie eleganten Klangbild. Das eckige "Boy Toy" erzeugt mit klauenscharf gesetzten Beatknüppeln eine intime Aura manisch-devoten Spiels, gönnt sich gegen Ende einen ausladenden Trip durch instrumentale Spannungsfelder und setzt einen furiosen ersten Wegpunkt auf der Reise durchs bipolare Plateau. "Superhuman" atmet wie auch das spätere "Bipolar" in jeder akustischen Faser wallende 80ties Sphären mit all ihren grellblitzenden Neonreflexionen, Föhnfrisuren und eingängig drapierten Tastenthemen. Mit süßlich-melodischer Leichtigkeit wird das nostalgisch verzierte Element in die Moderne transportiert, ohne von verrucht wabernden Trockeneis im Klangraum abzusehen.

Mit "Beauty Of Decay" wird die Szenerie in elegisch vertonte Mattfarben getaucht, von einem kraftvoll inszinierten Finale geradezu überrumpelt. "Stargazer" wandelt hingegen in winterlich geschmücktem Ambiente, erklimmt behände schneebedeckte Hügelketten und ist in dieser eisig-glasklaren Tiefenentspannung mit sich selbst eins, während kühler Windhauch dürre Verästelungen umspielt. Die Single "Brotherhood Of Man" polarisiert und begeistert durch enorm markige Basswellen, die in ihrer druckvollen Ausprägung dem Song ein ganz spezielles Aroma verleihen.
Mit schonungsloser, textlicher Härte garniert konfrontiert der Track den Hörer zudem mit ernster Thematik und der Sinnlosigkeit brutalster Handlungen. Die einnehmende Hookline wird in der Folgezeit durch sinnliche Vocals von Gastsängerin Chrystin Fawn zu wohltemperierten Gitarrenspiel harmonisch akurat verstärkt.

In eine ganz andere Kerbe schlägt "Binary Soldier". Alabasterfarbene Ganglabyrinthe bilden das steril polierte Setting für den monotongalanten Marsch der Willenlosen. Das temporeiche Stück wird zudem durch verzerrte Vocoder, wummernde Beatwogen und eine der Thematik angemessen repetetiv stampfende Struktur angereichert.

Das balladeske "I Want To Believe" entschleunigt die rohe Wucht und präsentiert gen Ende eine herrlich sphärische Melodieführung, die mit träumerischer Eleganz den Ruhepol des Albums markiert. "Mystified" erlaubt das elektrisierende Abtauchen in das Bild einer frühmorgendlichen Waldlichtung nach einer regengepeitschten Nacht. Ganz in der Nähe liegt ein kleiner See, still und friedlich. Nur reines Vogelgezwitscher ist zu vernehmen, während am hölzernen Steg ein vereinzeltes Boot leise knarzend im sanften Wellengang schaukelt. In den Untiefen des Gewässers liegt jedoch mehr als es äußerlich den Anschein gibt. Dezent biegen sich Schilfhalme im Luftspiel an der Uferböschung.
Und genau dann entlädt der Song seine aufgestauten Energien in einem pulsierenden Synthfeuerstoß, der den Himmel mit pastellfarbenen Linien verziert. Der Schlusspunkt "Running All Night" verströmt nocturnale Kühle, ein sich stetig steigernder Aufbau sorgt für dynamische Momente inmitten des bläulich funkelnden Scheins des Erdtrabanten. Ein würdiger Abschluss.

"Rockets & Swords" ist ein Novum, vollendet es doch eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die Album für Album stets Neues zu entdecken ließ und schafft dennoch Freiraum für Entfaltung und Frische.  Aufbruchsstimmung für Album Nr. "13".

7/10

Montag, 13. Februar 2017

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 18


Mix der Woche Spotify (13. 02. 2017)



17:33 Uhr und Stephan hat schon 10 Titel weg auf seiner Liste, alles Schrott! Wie ich aus der Liste fünf Alben raus quetschen soll, weiß ich noch nicht. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, auf geht’s!


Glenn Hughes – Resonate (2016)




Am liebsten würde ich eine weiße Line hin legen und Glenn dazu einladen. Ex Deep Purple Mitstreiter der im Alter immer besser wird, wie ein alter Wein und nicht wie eine alte Koksline. Seitdem er das Zeug weg lässt, kreativ ohne Ende und extrem cool weg gerockt, den Scheiß! Eines der Solo Hardrock Alben des letzten Jahres. 5/5 SkipdieDrogenwegWertung


Kurt Vile – So Outta Reach (EP 2011)




Ebenfalls ein amerikanischer Rocker, aber mehr in Richtung Singer/Songwriter unterwegs. Wird oft verglichen mit Bruce Springsteen. Pack noch ein bisschen Bob Dylan Nuscheln dazu, dann wir es sogar eigenständig. Spielt eine tolle Americano-Gitarre. 4/5 Skipwertung


The Kills – Ash & Ice (2016)




Den einen (Jamie Hince) zog es aufs Eis (Reise zur Selbstfindung mit der transsibirischen Eisenbahn), die andere (Alison Mosshart) machte einfach weiter und nahm u.a. mit Jack White in der Formation The Dead Weather drei hervorragende Alben auf. Das hier vorliegende ist nicht weniger gelungen, trotz privater Trennung der beiden. 4/5 Skipwertung


Amplifier – Residue (2016)




2011 erschien The Octopus, ein Album für eine einsame Insel. Vergleiche mit Pink Floyd wurden angestellt. Danach gab es noch zwei andere Alben, die aber schon mit dem Tintenfisch nicht mithalten konnten. Residue kann das leider auch nicht. Nicht Fisch und auch kein Fleisch. 3/5 SchnellweggeskiptWertung


Alexis Taylor – Piano (2016)





Mehr als ein Klavier und eine Stimme braucht es nicht. Für die leisen Momente im Popgeschäft unbedingt zum ruhig weg hören. Eigentlich Keyboarder der Band Hot Chip (Elektropop). Nun stark reduzierte, jazzig angehauchte Pianogedichte. Zum Runterkommen von was auch immer. 4/5 Skipwertung


Gruß Stephan

P.S.: Diese Woche wirklich heilfroh, die fünf Alben gefunden zu haben.

Freitag, 10. Februar 2017

Haben die beiden miteinander oder nicht?

Jörg Kachelmann ist kein Opfer. Ein Opfer von zu viel Sex in der Gesellschaft schon gar nicht. Seine Wettervorhersage mimt hier auch nicht das Opfer, nur weil der Herr Kachelmann ein Medienprofi war und genau um seine laszive, an Sexualtherapeuten erinnernde Stimme und Stimmung wusste, in seinen Wettervorhersagen. Das Opfer im klassischen Sinne sind wir die Zuschauer.

Natürlich ist mir klar: jede Vorhersage hat eine gewisse Unsicherheit, gerade was das Wetter betrifft. Da kommt es schon mal vor, das der Herr oder Frau Moderator vor der Kamera Regen am nächsten Tag ankündigt und tatsächlich scheint die Sonne. Natürlich muss man dann äußerlich halbwegs vernünftig aussehen und sich am nächsten Tag für den Fauxpas als Moderator entschuldigen. Das kommt vor und wehe man lässt nicht die Hosen runter, im übertragenen Sinne.

Nun begab es sich wohl, dass Herr Kachelmann, eine Bekanntschaft hatte und mit der im Bett war. Zuletzt missfiel ihm die Dame wohl irgendwie und er wollte einfach nicht mehr. Also, er war ja schließlich Mann, teilte er der Dame das mit. Ob die Dame weiterhin seine Wettervorhersage schaute, ist nicht überliefert. Jedenfalls gewann man, nicht nur als Mann, schnell den Eindruck, die Dame war mit der Trennung von Herrn Kachelmann nicht ganz einverstanden. Das darf man durchaus, nur geht das eine Öffentlichkeit gar nichts an. So ähnlich wie bei schlechtem Wetter, man möchte es auch gar nicht wissen.

Nun machte der Herr Kachelmann fleißig weiter mit seiner Wettershow und zuhause saß eine frustrierte Verflossene und klagte ihr Recht ein. Der Herr Kachelmann hätte sich nicht nur von ihr getrennt, nein, vergewaltigt hätte er sie. Ach wirklich? Nun leider war spätestens ab da die Wahrheit zu Grabe getragen worden und einer breiten Öffentlichkeit wurden Nebelkerzen um die Ohren und Augen geworfen, so das ihnen Hören und Sehen verging.

Auf den mit höllischem Tempo daher fahrenden Zug sprang diesmal ein Medienprofi der besonderen Sorte auf. Alice Schwarzer, die Feministische Ikone der 70iger, die Frauenrechtlerin der gefühlt letzten 10000 Jahre. Und ja, ich als Mann sage, Alice war noch nie eine Schönheit und mir ist klar das sie die Rolle die sie spielte, lieber hässlich spielt. Das passt einfach besser, schließlich hatte sie sich die Mammutaufgabe gestellt, 10000 Jahre (eventuell sogar mehr) patriarchalische Gesellschaftssozialisation innerhalb von wenigen Jahrzehnten absurdum zu führen.

Frau Schwarzer tat also gut daran, den Herrn Kachelmann erst mal vorzuverurteilen. Das musste so, aus ihrer Perspektive betrachtet konnte das gar nicht anders sein. Männer sind Schweine und Neue brauchen wir so und so. Wenn ich über die damalige Wettervorhersage von Herrn Kachelmann nachdenke, mag das sogar so sein. Aber nur weil er (und diese Bekannte auch) uns seltsam vorkommende Sexualpraktiken betrieben, ist er noch lange kein Vergewaltiger. Für die falsche Anschuldigung und diese Vorverurteilung saß der Herr Kachelmann dann 132 Tage in Untersuchungshaft. Ich wette, viele biegen sich das sogar als richtig hin, da er sich einfach die Freiheit nahm sexuell das zu leben, was er und seine Partner(innen) halt wollten. Als wenn uns das was angeht? Als wenn dadurch nicht dem Feminismus ein Bärendienst erwiesen wird?

Nun trafen sich die beiden wieder und wieder wird die Stimmung an erste Stelle gesetzt. Der Herr Kachelmann tauchte an der Uni Köln während eines Vortrages von Frau Schwarzer auf. Der Vortrag trug den schlecht zusammen geschusterten Titel „(Sexual)Gewalt gegen Frauen und Recht“.


Ein Video zeigt davon leider nur knappe 2 min, der Wahrheit dient es nicht.

Was ist aber die Wahrheit? Die Wahrheit aus meiner Sicht ist, das da zwei Medienprofis zu sehen sind, wo der eine (Jörg) um seine Reputation kämpft, dafür die Öffentlichkeit belästigt. Oder glaubt einer, dass die zu sehenden Fotoreporter rein zufällig so nahe dran waren am Geschehen? Ach ja den lasziven Tonfall des Herrn Kachelmann beim Reden, lass 'ich mal außen vor.

Der zweite Medienprofi kämpft ebenfalls um seine Reputation, nämlich die der Jungfrau von Orleans des Feminismus. Alice, verurteilte Steuersünderin, auch das geht eine Öffentlichkeit übrigens nichts an, reagierte relativ cool und unangemessen. Sie kritisierte das angeblich schlechte Licht und wollte nicht anhand der Stimme des Herrn Kachelmann, ihn erkannt haben. Wer glaubt denn den Unsinn? Ein Profi wie Alice wusste sofort wer da spricht und das mit dem Licht, lasse ausschließlich auf mich scheinen, das ist ihre Wahrheit. Und da beschwere sich noch einer über postfaktisches Halbwissen, dem wurde hier ein wirklicher Dienst erwiesen und zeigt nur auf was sie beide hätten tun sollen.

Verdammt, Jörg und Alice, entschuldigt euch gegenüber der Öffentlichkeit endlich und verkrümelt euch. 5 Jahre reichen doch oder haben wir schon lebenslänglich? Ich möchte zuverlässige Wettervorhersagen ohne Sex in der Stimme und ich möchte Frauen gleich berechtigt und selbstbewusst, ohne das ich jedesmal einen Schreck bekomme, wenn sie denn sprechen über den Untergang des Abendlandes. Und nackig machen, bitte im stillen Kämmerlein, ohne mich und die Öffentlichkeit. Danke!

Gruß Stephan

Montag, 6. Februar 2017

Fünf Alben aus dreißig Songs - Ausgabe 17


Mix der Woche Spotify (06. 02. 2017)

 

Beim ersten Durchhören des wöchentlichen Spotify Mix dachte ich noch, diese Woche wird es schwer, aber lest und hört selber. Seltsame aber sehr interessante Mucke dabei rumgekommen, wie ich finde.


Hermano - Only A Suggestion (2007)


Kyuss hat mit den beiden staubtrockenen Alben Blues For The Red Sun u. Welcome To The Sky Valley Musikgeschichte geschrieben. Josh Homme schrieb die dann lange weiter mit den Queens Of The Stone Ages. Spät gab die Stimme von Kyuss mit der Band Hermano hier sein Debüt. Klingt nicht mehr so cogenial wie Kyuss, irgend wie fehlt mir der mächtige Druck, den das Duo Homme/ Garcia drauf hatten. Macht das Album aber nicht unhörbar, staubbefreite 3/5 Skipwertung

Failure - Fantastic Planet (1996)

Das war so klar, sobald ich über was stolpere in der Liste, was irgend wie mit Maynard James Keenan und Tool in Verbindung steht, landet das hier. Maynard hat also auch Wurzeln, mit seinem Humor liegt das ja nahe bei dem Bandnamen Failure. Ach ja, finde das sogar auch noch abwechslungsreicher als Tool im Moment (Verdammte Scheiße können die mal aus den Pötten kommen?). Insbesondere die Stimme von Ken Edwards ist um einiges differenzierter. 5/5 NostalgieNixSkipwertung 

Lé Betre - Melas (2014)




Dass aus Schweden nicht nur Wikinger kommen und Abba, ist mir schon länger klar. Dass aus Schweden aber astreine Blues Rocker kommen, ist ist mir nicht so bekannt gewesen. Jedenfalls die Stimme von Marcus Jonsson ist sehr gut geölt, wahrscheinlich mit Walöl oder ähnlichem, einmaliges Organ, muss man hören. 4/5 WalBluesNixSkipwertung


Slowdive – Star Roving (Single) (2017)



Diese Single ist drin, weil beim Recherchieren klar wurde, dass ich deren Musikrichtung nicht kannte. Wer kennt Shoegazing? Was soll das sein? Irgendwas zwischen Gothik und dem aktuellem Britpop. Ihr Album Souvlaki (1993) gilt als Klassiker für diese Stilrichtung. Bisschen zu ruhig für meinen Geschmack, aber da bisher nur Rocker am Zug waren, als kleiner Ausgleich gedacht. 3/5 SingleNixSkipwertung


Mick Harvey - Intoxicated Women (2017)


Serge Gainsbourg, Australier, Frauen auf den Leib geschrieben von ersterem u. weitestgehend unfallfrei in englisch gesungen bis auf den ersten Song. Hört sich das nicht interessant an? Ja klar, her damit! Ideal um Abends ein nettes Essen mit seinen Liebsten mit etwas völlig Unbekannten zu beschallen. 4/5 Skipwertung

Gruß Stephan

Sonntag, 5. Februar 2017

Wurde auch Zeit, dass deutsche Musik wieder Stellung bezieht

Broilers - (sic!)

Lieber einen Broiler als einen Adler durch unsere Städte tragen.

Voll auf die Eingeweide der sogenannten (Neu-)Nationalen. Und ja, ich gebe es zu, ich finde es richtig so. Es muss um 82/83 gewesen sein, als die großen Demowellen gegen den Nato Doppelbeschluss über unser Land schwappten. Die gesamten 80iger Jahre gab es Ostermärsche und Friedensdemos. Und die relevanten Pop/Rock Künstler waren mitten drin.

Mitten drin waren Westernhagen mit Freiheit, Grönemeyer mit seinem Sprünge-Album und Kinder an die Macht, die Toten Hosen mit Hier kommt Alex und 1992 mit Sascha….ein aufrechter Deutscher und Lindenberg war mit Wozu sind Kriege da? so und so der Erste der sich politisch klar positionierte. Die deutsche Popmusik war nicht nur durch die großen vier oder fünf breit aufgestellt, um sich zu vielerlei Unrecht zu äußern. Rio Reiser darf man in dem Zusammenhang natürlich nicht vergessen, dem gebührt die Vorreiterrolle durch seine Band Ton Steine Scherben.

Und wo äußern sie sich heute? Wahrscheinlich sind sie einfach nur älter geworden, als Ausrede möchte ich das trotzdem nicht gelten lassen, bis auf Rio leben ja alle noch und sind weiterhin im vollen Einsatz, was Konzerte und Alben betrifft. Eventuell haben sie auf den Scheiß einfach keinen Bock mehr? Den habe ich auch nicht, trotzdem schreib ich nun diesen Text, denn es ist mir eine Herzensangelegenheit, sich insbesondere klar gegen die Höcke´s, Trump´s und Le Pen´s zu stellen.

Mit (sic!) tun das die Broilers. Ich selbst habe die seit Santa Murte (2011) richtig auf dem Schirm. Mit dem Nachfolger Noir (2014) kamen dann die großen Hymnen auch für die großen Festivals, die sie auf (sic!) in Keine Hymnen heute, auch gleich wieder zu Grabe tragen. Feine Selbstironie!


Die Abrechnung und zugleich der politisch wichtigste Song ist der Opener Nur ein Land. Bitteres Manifest und auch Keine Hymnen heute sind aber nicht weniger politisch und klare Statements in dunklen Zeiten.  


Apropos Zeiten. Um voran zu gehen, muss man sich manchmal erinnern. Im zweiten Drittel der CD wird sich erinnert und gipfelt in Ihr da oben, fast eine Ballade für die vielen Künstler, die 2016 alle gegangen sind. Das waren wirklich sehr viele wichtige Künstler und da tut es mich wundern, das erst jetzt eine Band einen Song drüber macht.

Unsere Tapes leitet eine Art Rückbesinnung ein. Insgesamt fällt (sic!) gradliniger und straighter aus. So wie ich es in der Einleitung schreibe, voll auf die Eingeweide wenn die es brauchen. Bezogen auf den politischen Song aus deutschen Landen ist das Album ein Volltreffer und ob der Kurs der kompromisslosen Härte so fortgesetzt werden muss, kann ich nicht beantworten. Bezogen auf Rechts, Nazigeschwurbel und sonstigen Dreck hilft nur die volle Härte, der Überzeugung bin ich schon länger.
 
Ach ja, eine Bewertung in Form von Punkten spare ich mir. Ich mag es laut, ich mag Punk, ich mag klare Ansagen, alles das trifft hier zu. Damit ist bewertungstechnisch alles gesagt, bzw. als Fanboy eine Wertung? Why? Macht einfach keinen Sinn…..und das bei einem Sinn stiftenden Album!

Gruß Stephan