Samstag, 25. Februar 2017

The Who – Live At Leads



Die Mutter meines besten Freundes war da und ich …...(hier fehlt ein Textbaustein) sie dafür.


Mit 16 Jahren, auf irgend einer Party im Keller meines besten Freundes hinter der Stereoanlage stehend, reichte mir ein Schulfreund eine Platte hinter die Stereoanlage und sagte: Spiel mal „Magic Bus“! Dem leistete ich auch Folge.

Magic Bus“ ist ein Stück auf der „Live At Leads“ von 8:39 Spielzeit und ihre damalige Hitsingleel (26 UK / 25 USA). Ein monotoner (Latin Percussion Instrument Claves) Rhythmus von Entwistles legendären Basslauf getragen, etwa 4 min lang, dann explodiert der Bus. Eingeleitet durch die Gitarre (Windmühle) von Townshend spielt Moon sich die Seele aus dem Leib. Da die E - Gitarre damals schon mein Lieblingsinstrument war, neben dem Rockklavier (Freddie), drehte ich den Regler der Anlage auf Anschlag. Kaum 1 min später stand die Mutter meines besten Freundes unten im Keller und schrie: „Das ist doch „The Who“, oder, Stephan?“ „Nein das ist ein Zauberbus“, antwortete ich. „Mach lauter“, rief sie quer durch den Keller und begann zu tanzen. Erst als ich zwei Mal in voller Länge „Live At Leads“ aufgelegt hatte, ging sie die Mutter meines besten Freundes, Schweiß gebadet und glücklich in ihr Bett. Sie hatte gut abgerockt, dagegen ist Wacken heute Ringelpitz mit anfassen. Hinter meiner Stereoanlage (waren die Kompaktanlagen damals Teile!), versteckte ich mich zwischen ungläubigem Staunen und Gänsehaut in Frostbeulengröße. 
 
Am nächsten Tag fragte ich sie nach der Schule, woher sie „The Who“ kenne und sie erzählte mir, dass sie „The Who“ ein Jahr vor der Geburt meines besten Freundes in Leads gesehen hätte. Sie hatte dort eine Studienfreundin, die sie dazu eingeladen hatte. „Gott, lass mich gut 20 Jahre älter werden - auf der Stelle und sofort!“, dachte ich. Nun gut, die Platte hab ich einfach behalten und so wurde sie ein Fetenhit meiner Zeit. Die Zeit, der Mutter meines besten Freundes, ihre jungen Jahre müssen aber wirklich großartig gewesen sein.

Live At Leads“ ist ein Livealbum, bei dem man sich wünscht, dabei gewesen zu sein. Alle Mitglieder von „The Who“ waren im vollen Saft, so klingt die Platte auch heute noch. Sie hat ja auch mehrere Restaurationen und Erweiterungen hinter sich, hier bespreche ich das Stream Album von Amazon Prime (Live At Leads 25th Anniversary Edition). Das Publikum geht gut mit und The Who bindet es wunderbar in ihre Show ein. So nah wie dort, kann man nur in Wirklichkeit einem seiner Stars sein. Deutlich wird das bei der Minioper „A Quick One, While He’s Away“. Daltrey überlässt die Rollenverteilung fast den Leuten, als ein Bandmitglied (vermutlich Thownsend) einen Einwand hat, unterbindet Daltrey seine Worte. Buhs, Ahs, Ohs, Klatschen, Stampfen sind die Folge. Das muss sich  sehr gut angefühlt haben!. Die Luftgitarre die ich jedes mal heute noch aufführe, will keiner sehen. Wie eine Band live die Zuschauer mit einbinden muss, dafür ist „Live At Leeds“ quasi eine Schablone. Dafür braucht es auch kein Video.

Das Album hat aber unendlich mehr zu bieten. „The Who“ hatten ihr Hitalbum „My Generation“ 5 Jahre hinter sich, „Tommy“ (1969) wurde fast gleichzeitig zu „Live At Leads“ (1970) heraus gebracht. „The Who“ hatten neben den beiden anderen Großen (Beatles, Stones) der auslaufenden sechziger Jahre, ihren Platz eingenommen. Alle vier damaligen Bandmitglieder waren auf der Spitze ihres Könnens angekommen, sie waren auch zwischen menschlich damals eine Macht. Die Rollenverteilung innerhalb der Band war klar akzeptiert. Thownsend schrieb hauptsächlich die Songs und mit seiner Gitarre, die den Punkrock und Wave voraus nahm, bestimmte er, wohin die Reise geht.  Daltreys seine Stimme beschreibe ich als passend zum Who Sound und keiner stellte das in Frage. Auf der Scheibe hört man, wie sie ihren Auftritt genossen, Daltrey redet sehr viel und die Bandmitglieder lachen, scherzen mit ihm und untereinander. Auch ist „The Who“ noch nicht so laut (später bespielten sie Hallen mit 130 Dezibel), ich würde die Lautstärke als beschwingt beschreiben, genau richtig. Dem Schlagzeugspiel von Moon hört man seine Jazzschule (Gene Krupa) noch an. Entwistles (The Ox) sein Bassspiel zeichnet sich durch die Coolness aus und die Ruhe, die er dseiner Band damit gab. Das alles zusammen hat selbst heute noch eine tolle Energie bzw. Power, die mich zu diesem Review inspirierte.

Ausgerechnet das Live Album von The Who als mein Meilenstein? Im Laufe dieses Reviews hat sich die Frage eigentlich beantwortet. Natürlich werden nun einige sich fragen, warum nicht „Tommy“, „Quadrophenia“ oder „Who's Next", also Studioalben von „The Who“. Aber viele werden mit „The Who“ ähnliches verbinden wie mein Erlebnis mit der die Mutter meines besten Freundes. Etwas, was man live erlebt hat, wo man dabei war. Was einen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das ist „The Who“, „The Who“ waren die ersten die man nicht kennen musste als Band bzw. ihre Musik. Man hörte sie, und die Situationen die sie provozierten, sorgten für diesen Aha – Effekt. Worauf anders bei „The Who“ als wie auf einem Live Album, wird man das besser empfinden können? Dazu leise gedacht, als jemand der mittlerweile alles von „The Who“ kennt. Die Fülle an Material, die Hit-dichte ihrer Studioalben ist so groß, dass es nur ungerecht wirkt, wenn man da ein Album raus nimmt und zum Meilenstein kürt.

Auch wenn The Who, bis zum Erscheinen von „Live At Leads“, erst sechs Jahre als Band existierten, es kennzeichnet ihre künstlerische Mitte. Den Einfluss, den sie durch spätere Alben „Quadrophenia“ bzw. durch „Tommy“ auf Künstler (Konzeptalben, Bowie, Pink Floyd) nahmen, zeichnete sich ab u. bereitete sie vor mit diesem Live Album. Was die Veröffentlichung von anderen Live Alben anderer Künstler betrifft, war „Live At Leads“ eine Musterschablone, die heute für aktuelle Künstler noch inspirierend wirken kann. Als Anspieltipp würde ich alle verfügbaren Restaurationen, Orginale, remastered/remixed Versionen die man bekommen kann empfehlen, egal ob mit oder ohne Tommy, ob Leads oder Hull. Die Alben werdend dich ohne Fragen staunend und. glücklich umhauen, so wie mich die Mutter meines Freundes umgehauen hat.

Gruß Stephan

P.S.: Die Mutter meines Jugendfreundes tanzt heute im Himmel, falls es einen gibt? Jedenfalls finde ich den Gedanken tröstlich, das ihre Hüften (und nicht nur die) heute für Stimmung sorgen, im Rockolymp!

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