Donnerstag, 18. Mai 2017

M.I.N.E - One EP (2017) Review

Bildergebnis für M.I.N.E one EP Cover


Schwarzrötlicher Lichtschein taucht die diffuse Kulisse in ein surreal anmutendes Bildnis. Im Vordergrund blicken die Protagonisten hinter geschwärzten Gläsern verborgen den Betrachter mit ernsten Mienen an. Sinnbildlich stellen die Brillen eine Art Schutzmantel in unsteten Zeiten dar. Doch dazu später mehr.

M.I.N.E das Nebenprojekt von Camouflage Leadsinger Marcus Meyn, Volker Hinkel (Fools Garden) und Produzent Jochen Schmalbach ist eine kreative Symbiose verschiedenster Einflüsse im (dark)elektronisch ausgepolsterten Klangraum. Vor dem eigentlichen Release des Debutwerks schleudern die drei Veteranen nun eine 4-Tracks bestückte EP in den nachtfarbenen Elektrokosmos.
Der Grundtenor gibt sich passioniert düsterhaft, andächtig in die Ferne blickend.

"Things We've Done" ragt als erster Eckpfeiler aus glucksend wabernden Gewässern über denen Meyn als Weltenseher in markant ausgereifter Tonlage thront und die gesellschaftliche Schieflage des Himmelskörpers beleuchtet. Um ihn herum bröckelnde Ruinenfratzen, die von Vergangenem und Versäumnis erzählen. Das Tongewand mit treibenden Synths bestückt fließt elegant durch elegische Schleußenpforten und mündet in akustische Peitschenhiebe ("Dangerous"). Der zweite Song feuert bayonettscharfe Drumsets die von hämmernden Bassströmen begleitet einen ungewöhnlichen Eindruck hinterlassen. Die Hookline gibt sich bewährt plastisch, doch der prägnante Ansatz der Instrumentierung setzt das Puzzle zu einem dominierenden Soundbild zusammen.

"Lean On" mit raffiniert variierenden Schlagzeugsätzen voll schäumender Dynamik und pochend fiebriger Tastenführung kombiniert wärmende Geborgenheit mit kompromissloser Stärkebekundung. Der Finaltrack "White Trash" hingegen nimmt sich Zeit. Startet in sumpfig dampfenden Ebenen analog zum nagenden Zwiespalt des Textes. Doch stemmt sich der Hauptprotagonist gegen den innerlich brodelnden Konfliktherd, erklimmt zu rockig dröhnender Untermalung die höchsten Wipfel der mentalen Schattenwelt und stößt in einem Akt tiefster Überzeugung jene Düsterwesen die seelischen Klippen hinunter die seine Gedankenbahnen marterten. Ein abschließender Blick geht über den unendlich weiten Ozean, Schaumkronen umspielen den Fluss der Zeit und die innere Barriere scheint gelöst.

Als Vorgeschmack auf Kommendes fungiert die vielseitige EP grandios, auch wirkt sie an anderer Stelle: Das ist schon lange nicht mehr nur ein Nebenprojekt.

8/10











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